Körperverzierung

16. Juni 2009 14:17; Akt: 17.06.2009 13:21 Print

Drei Tattoos bestellt, 56 bekommen

Kimberley Vlaeminck aus dem belgischen Kortrijk ist erst 18, aber sie ist fürs Leben gezeichnet: Ein Tätowierer stach ihr nicht weniger als 56 Sterne ins Gesicht. Bestellt habe sie nur gerade drei, sagt sie.

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Kimberley: «Ich bin hässlich. Sogar entstellt!»

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«Ich hab' das nicht gewollt, wirklich nicht!», seufzt Kimberley. «Ich wollte drei Sternchen, aber dieser Wahnsinnige hat mir ohne meine Zustimmung 56 ins Gesicht gemacht!», hat die 18-jährige Flämin der belgischen Zeitung «Het Nieuwsblad» erzählt. «Schauen Sie mich jetzt an: Ich bin hässlich. Sogar entstellt! So kann ich nicht mehr raus, arbeiten gehen!» Die Coiffeuse hat den Tätowierer nun verklagt.

«Jeder in der Familie hat ein Tattoo»

Vergangenen Sonntag suchte Kimberley zusammen mit ihrem Vater Diego und ihrer Schwester die «Tatoo Box» in Kortrijk auf. Sie habe sich schon lange farbige Punkte neben ihrem linken Auge gewünscht, so Kimberley. «Mein Vater wollte sie mir bezahlen. Weil doch jeder in der Familie ein Tattoo hat.» Der Nadelkünstler überredete die junge Frau aber dazu, sich Sterne statt Punkte tätowieren zu lassen. «Ich sagte dem Mann, dass ich drei davon wollte.» Doch diesen Wunsch verstand der Tätowierer möglicherweise gar nicht: Er habe lediglich Französisch gesprochen; sie hingegen beherrsche ausser Niederländisch nur ein wenig Englisch, sagt Kimberley.

Als ihre Begleiter ein Eis essen gingen, blieb Kimberley allein im Tätowierstuhl zurück. «Der Mann hat eine Zeichnung mit mehreren Sternen gemacht. Ich hab' ihm gesagt, dass ich nur drei will; aber er hat einfach weitergearbeitet. Mindestens drei Mal hab' ich ihm gesagt, er solle aufhören. Aber jedes Mal sagte er, er müsse nur noch etwas fertig einfärben. Und dann fragte er plötzlich, ob er die beiden grossen Sterne auch einfärben solle.» Sie sei dann aus allen Wolken gefallen – und just in diesem Moment sei ihr Vater wieder zurück ins Geschäft gekommen. Der fand das Ganze gar nicht zum Lachen. «Ich fand es selber auch nicht gut. Ich glaube, dass ich während der Sitzung mal kurz eingenickt bin», erklärt Kimberley. Sie habe an diesem Tag seit fünf Uhr am Morgen gearbeitet.

«Dieses Mädchen wollte die Sterne»

Tätowierer Rouslain Toumaniantz (37), der aus Paris stammt und den Laden in Kortrijk erst seit einigen Monaten führt, will nichts davon wissen: «Schlafen, während das Gesicht tätowiert wird – das ist unmöglich. Es ist schlicht zu schmerzhaft.» Die ganze Angelegenheit sei seltsam. «Dieses Mädchen wollte die Sterne. Und ich hab sie ihr gegeben. Punkt, aus.» Kimberley sei zu Beginn übrigens sehr wohl zufrieden mit seiner Arbeit gewesen, behauptet Toumaniantz. Erst als ihr Vater gekommen sei, habe sie ihre Meinung geändert.

Immerhin will Toumaniantz – der das Malheur selber nicht rückgängig machen kann, weil er nicht über die dafür notwendige Laser-Ausrüstung verfügt – seiner unzufriedenen Kundin ein wenig entgegenkommen: Sie müsse nur 50 Euro bezahlen. «Das ist der Preis für vier Sterne.»

(dhr)