Enthauptet

04. Dezember 2008 12:23; Akt: 04.12.2008 13:04 Print

Drögeler legt Trinker aufs Bahngleis

Der Täter wollte einen Raub auf brutalste Weise vertuschen: Er legte das Opfer auf die Bahngeleise, wo es von einem Zug überrollt und enthauptet wurde. Für diese Tat ist ein 34-jähriger Automechaniker in Bayern zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.

Fehler gesehen?

Das Landgericht Ansbach sah es als erwiesen an, dass der mehrfach vorbestrafte Automechaniker den stark betrunkenen 49-Jährigen im August 2002 zunächst bewusstlos schlug, ihn ausraubte und sein Opfer anschliessend zur Vertuschung der Tat auf Bahngeleise legte. Dort wurde der Gelegenheitsarbeiter von einem Güterzug überrollt und enthauptet.

Zur Tatzeit war der 34-Jährige schwer alkohol- und drogenabhängig. Ein Gutachter bescheinigte ihm jedoch volle Schuldfähigkeit. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er in der Tatnacht kaum Alkohol getrunken.

Die Polizei legte die Tat 2002 zunächst als Selbstmord zu den Akten, da das Opfer bereits zwei Suizidversuche hinter sich hatte. Erst im Januar dieses Jahres brachte die Aussage eines Häftlings in einer anderen Angelegenheit Ermittler auf die Spur des 34-Jährigen. Dieser bestritt die Tat bis zuletzt. Das Urteil nahm er stark zitternd und unter Tränen auf.

Der 34-Jährige habe sein Opfer, mit dem er zuvor noch in einer Kneipe war, «spontan» überfallen, um Geld oder «Geldwertes» von ihm zu stehlen, damit er seine Drogensucht finanzieren könne, sagte der Vorsitzende Richter Bernd Rösch. So soll der Mann seinem Opfer den Schlüssel abgenommen haben, um in der Wohnung Beute zu machen. Er habe den Entschluss gefasst, das Opfer als Zeugen des Überfalls auszuschalten, sagte der Richter. Der 34-Jährige war erst wenige Wochen vor der Tat auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden.


Opfer im Kofferraum zu den Geleisen gebracht

Das Gericht sei von der Schuld des Angeklagten vor allem aufgrund der Aussage seiner damaligen Freundin überzeugt, betonte Rösch. Die heute 45-Jährige hatte den Wagen gefahren, in dessen Kofferraum das schwer verletzte Opfer zu den Geleisen gebracht wurde. Die Ermittlungen gegen die Frau wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorübergehend eingestellt.

Vor Gericht hatte sie ausgesagt, dass der 34-Jährige den bewusstlosen Gelegenheitsarbeiter zunächst habe liegen lassen, dann aber auf ihr Drängen hin zu ihm zurückgekehrt sei. Anschliessend habe er ihr gesagt, dass das Opfer nicht mehr atme. Seine Idee sei es dann gewesen, den Körper auf die Geleise zu legen.

«Dass das Opfer zu diesem Zeitpunkt noch lebte, steht fest», betonte der Vorsitzende Richter. Es sei auszuschliessen, dass der 34-Jährige dies nicht bemerkt habe. Die damalige Drogen- und Alkoholsucht «entschuldige das, was geschah, in keinster Weise», sagte Rösch. Es erkläre den Vorfall lediglich und zeige, wie rücksichtslos und brutal Menschen gegen andere vorgehen könnten.


«Derzeit geht von Ihnen keine Gefahr mehr aus»

Als strafmindernd wertete die Kammer allerdings, dass der Angeklagte inzwischen eine positive Entwicklung genommen habe. Er habe geheiratet, sei Vater geworden und nehme weder Alkohol noch Drogen zu sich. «Derzeit geht von Ihnen keine Gefahr mehr aus», betonte Rösch. Daher sei eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren angemessen. Darin enthalten ist eine bereits verbüsste frühere Strafe von fünf Jahren.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert, die Verteidigung auf Freispruch mangels Beweisen plädiert. Beide Seiten wollen prüfen, ob sie gegen das Urteil in Revision gehen.

(ap)