155 Tonnen Kokain geschmuggelt?

04. November 2018 13:56; Akt: 04.11.2018 15:22 Print

Drogenboss «El Chapo» muss vor Gericht aussagen

Bald zwei Jahre harrt Joaquín Guzmáns in einem Gefängnis in New York aus. Am Montag wird ihm der Prozess gemacht. Er könnte als der teuerste in der Geschichte der USA eingehen.

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Unter seiner Führung soll das mexikanische Sinaloa-Kartell von 1989 bis 2014 unter anderem insgesamt 154'626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt haben. Der Geschworenen-Kandidat, der ein Autogramm von «El Chapo» wollte, wurde von der Liste gestrichen. Die Ehefrau von Drogenbaron Joaquín Guzmán äusserte sich am 17. April 2018 erstmals zum Gesundheitszustand ihres Mannes. «Seit 15 Monaten darf ich ihn nicht sehen. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil ich weiss, dass er psychisch angeschlagen ist», sagte die ehemalige Schönheitskönigin in New York. Joaquín Guzmán soll an Gedächtnisschwund und Depressionen leiden, sagt auch sein Anwalt. Dies aufgrund seiner Isolationshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017). Daher fordert er eine psychologische Untersuchung seines Mandanten. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen nichts einzuwenden, lehnt aber einen persönlichen Arztbesuch aus Sicherheitsgründen ab. (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017) Er war der mächtigste Drogenboss der Welt: «El Chapo» wird in Mexiko-Stadt von mexikanischen Soldaten eskortiert. (8. Januar 2016) In diesem Flugzeug der mexikanischen Luftwaffe wurde Guzmán in die USA geflogen. (19. Januar 2017) Soldaten überwachen den Transfer am Flughafen von Ciudad Juárez. Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis von Ciudad Juárez. Bei Guzmáns Verhaftung stürmt ein Kommando der mexikanischen Armee eine Wohnung in der Stadt Los Mochis, Sinaloa. (AP) Wieder hinter Gittern: Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. (AP) Vor seiner Verhaftung hatte sich der Drogenboss auf eine Liebelei mit der in den USA lebenden mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo eingelassen. Die Nachrichten, die er mit ihr austauschte, sollen die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. (AP/ Matt Sayles) Chapo Guzmáns Heimatort: Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. (AP/Fernando Brito) Für einen Teil der mexikanischen Bevölkerung ist Chapo Guzmán ein Held – und allemal besser als die korrupte Kaste der Politiker. (AP/Rebecca Blackwell) Blick in den Fluchttunnel, durch den «El Chapo» 2015 aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez González (2.v.r.) schaute sich am Tag nach der Flucht den Eingang zum Fluchttunnel an.

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Joaquín «El Chapo» Guzmán war einer der berüchtigsten Drogenbosse Mexikos. Ab Montag wird ihm in New York unter strengsten Sicherheitsmassnahmen der Prozess gemacht. «El Chapo», der in seiner Heimat schon zwei Mal spektakulär aus dem Gefängnis entkam, muss sich unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten. Geht es nach der US-Justiz, muss er den Rest seines Lebens in einem Hochsicherheitsgefängnis verbringen.

Jahrelang hat die Staatsanwaltschaft Unterlagen für die Anklage gegen Guzmán gesammelt. Elf Anklagepunkte werden ihm zur Last gelegt. Das mexikanische Sinaloa-Kartell als «grösste Drogenschmuggelorganisation der Welt» habe unter seiner Führung von 1989 bis 2014 insgesamt 154'626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt, darüber hinaus auch Heroin, Crystal Meth und Marihuana, heisst es in der Anklage. Damit soll es 14 Milliarden Dollar verdient haben.

117'000 Audioaufnahmen

Der 61-jährige Guzmán, der aufgrund seiner geringen Körpergrösse «El Chapo» (zu deutsch: «der Kurze») genannt wird, plädiert auf nicht schuldig. Doch die US-Justiz hat belastendes Material gesammelt, das inzwischen mehr als 300'000 Seiten und mindestens 117'000 Audioaufnahmen umfasst. Für die Durchsicht dieses Materials forderten die Verteidiger des mächtigen Drogenbosses schon mehrfach mehr Zeit und erreichten, dass der Prozess verschoben wird.

Geschworene bleiben anonym

Das auf vier Monate angesetzte Mammutverfahren vor einem Bezirksgericht in Brooklyn findet hinter verschlossenen Türen statt. Die zwölf Geschworenen und ihre sechs Ersatzkandidaten werden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ausgewählt – wie es nur in Prozessen gegen die gefährlichsten Angeklagten der Fall ist.

Die Geschworenen bleiben anonym und werden an jedem Prozesstag von Sicherheitsbeamten ins Gericht eskortiert.
Auch einstige Geschäftspartner Guzmáns, frühere Handlanger und Rivalen, die Informanten und Zeugen in dem Verfahren sind, stehen unter Schutz. Viele haben im Rahmen des Zeugenschutzprogramms mit einer neuen Identität bereits ein neues Leben begonnen. Inhaftierte Informanten sind in Spezialflügeln untergebracht, um sie vor Repressalien zu schützen.

Prozess kostet mehr als 50 Millionen Dollar

Das Verfahren hängt in höchstem Masse von ihren Aussagen ab. Denn niemand habe Fotos davon, wie Guzmán Kokain in die USA geschleust und dafür «Koffer mit Geld» entgegengenommen habe, sagt der Anwalt Rob Heroy, der bereits mehrere mexikanische Drogenbarone vor Gericht vertreten hat.

Der Jurist schätzt, dass das Verfahren den Steuerzahler wegen der hohen Sicherheitsvorkehrungen und der Schutzprogramme für die Zeugen «mehr als 50 Millionen Dollar» kostet. Wahrscheinlich gehe der Prozess als der teuerste in die Geschichte der USA ein.Der Drogenhandel in die USA werde mit dem Verfahren jedoch nicht gestoppt.

Guzmán darf seine Frau nicht sehen

Guzmán sitzt in New York in Einzelhaft, seit er im Januar 2017 von Mexiko an die USA ausgeliefert wurde. Der einstige Drogenboss verbringt 23 Stunden am Tag in seiner Zelle und darf nur seine drei Anwälte und seine beiden Töchter als Besucher empfangen. Die siebenjährigen Zwillinge sind dabei durch eine dicke Glasscheibe von ihm getrennt.

Seine Frau, die 29-jährige ehemalige Schönheitskönigin Emma Coronel, darf ihn dagegen nicht besuchen. Sie verfolgte aber alle Anhörungen vor Prozessbeginn und warf ihrem Mann von der Zuschauertribüne Küsse zu.

(bee/afp)