Wörter des Jahres

02. Dezember 2010 10:23; Akt: 02.12.2010 11:33 Print

Du bist echt hobbylos!

von Hermann-Luc Hardmeier - Der Nachfolger von «s'beschte wos je hets gits» steht fest. Auch das Wort des Jahres, das Unwort und der Satz des Jahres wurden bestimmt. Dabei kriegt die FIFA ihr Fett ab.

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Die Jury: Wolfgang Bortlik, Bänz Friedli, Hannes Hug, Michèle Roten, Daniel Quaderer, Steff La Cheffe (v.l.). (Bild: zVg)

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«Hobbylos» ist das Schweizer Jugendwort des Jahres. «Hä?», mag man sich fragen. Hat die Schweiz nicht mehr zu bieten? Eine spontane Umfrage von 20 Minuten Online unter Jugendlichen hat ergeben, dass dieser Ausdruck zwar existiere, «Du hesch kei Hobbys» jedoch viel häufiger gebraucht wird. Vorschläge für andere Jugendwörter werden von den Befragten schnell gefunden: «Du bisch voll de Cyril», im Bezug auf den Publikumsliebling Cyril aus der Sendung «Jung, Wild & Sexy» von 3+ oder «Brate», serbokroatisch für «Bruder», «Sahara» (die Wüste) als Bezeichnung für eine wüste/hässliche Frau, «wayne interessierts», für belanglose Inhalte, «Bögg» für unnötige Informationen oder Kreatives wie «Gömer uf Knipsike», für die Aufforderung eins Trinken zu gehen, stehen viel höher im Kurs.

Warum nicht kreativer?

Die Vorschläge für das Jugendwort konnten auf der Homepage der Jury www.chwort.ch eingereicht werden. Sind wirklich keine kreativeren Vorschläge eingegangen? «Es gab viele Vorschläge. Das Jugendwort muss aber nicht nur gut klingen, sondern auch einen Bezug zur Schweiz haben. Und es muss häufig in Gebrauch sein», so Jury-Mitglied Hannes Hug. In Deutschland wurde vor wenigen Tagen «Niveaulimbo» zum Jugendwort des Jahres gewählt. Dabei habe man das Gefühl, es sei von irgendwelchen Brillengrufties am Schreibtisch erfunden worden. In Deutschland steckt hinter dem Jugendwort der Langenscheidt Verlag. «Je griffiger die Wörter, desto höher dann die Umsatzzahlen für das Langenscheidt Jugendsprachlexikon», deutet Hannes Hug an.

Die Jury, in welcher übrigens auch die Musikerin Steff La Cheff sass, musste auch einige Vorschläge ablehnen. «Es gibt immer Spassvögel, die im bekifften Freundeskreis Dinge erfinden wie 'Furz-Filet-Fans' oder so was», sagt Hannes Hug. «Beleidigungen und Fäkalsprache schliessen wir aber von Anfang an aus.»

Streit in Deutschland

In Deutschland tobt wegen «Niveaulimbo», dem Sammelbegriff für sinkendes Niveau, bereits ein kleiner Sprachkrieg. Die Schweiz hat mit «s'beschte wos je hets gits» letztes Jahr einen Volltreffer eingefahren und den Nerv der Zeit getroffen. Dieses Jahr war die Jury vorsichtiger. Die Wahl fiel auf «hobbylos». «Das ist eine verbale Allzweckwaffe», sagt Jurypräsident Hannes Hug dazu. Immer wenn etwas genial, aber auch langweilig oder ermüdend ist, werde dies benutzt.

Auch das Wort des Jahres fällt auf den ersten Blick ein wenig enttäuschend aus. «Ausschaffung» wurde ausgewählt. Hannes Hug stellt fest, dass die Schweiz fest im Banne der SVP-Initiative und des Gegenvorschlags gestanden hätte in der zweiten Hälfte von 2010. Während man früher noch «Rückführung ins Heimatland» sagte, ist der Umgangston abwertender geworden. Jetzt will man nur noch ein Problem loswerden.

Auch die FIFA kriegt ihr Fett ab

Unwort des Jahres ist «Fifa-Ethikkommission». Laut Hannes Hug löst die Fifa ein hausgemachtes Problem mit einer hauseigenen Untersuchungskommission und das sei ein Widerspruch in sich selber. Angeblich habe es heftige Diskussionen gegeben, ob nicht «Verrichtungsbox» ein besseres Unwort sei. Damit werden die geplanten Sex-Kabinen beim Zürcher Strassenstrich bezeichnet. Die Fifa habe allerdings eine Strahlkraft über die Schweiz hinaus und sei deshalb gewählt worden.

Der Satz des Jahres war in der Vergangenheit oft politisch angehaucht. Diesmal sollte dies nicht anders sein. Wikileaks sei Dank. Das Internetportal, das vertrauliche Infos über Diplomatenmeldungen und Militäreinsätze der USA veröffentlicht, bestimmt derzeit die Diskussion. Ausgewählt wurde eine Aussage des US-Botschafters Peter Coneway, als er unser Land für Washington einschätzte: «Die Schweiz ist eine frustrierende Alpendemokratie», ist somit Satz des Jahres. Obwohl Hug den Wikileaks-Skandal als Sturm im Wasserglas empfindet, sei es zurzeit das Topgesprächsthema und habe mit dieser Aussage auch die Schweiz erfasst. Wayne interessierts. Die Politiker sind doch eh alle hobbylos.

Was meinen Sie zu den Wörtern des Jahres? Was wären Ihre Vorschläge gewesen? Schreiben Sie es ins Talkback!

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NiiNu am 02.12.2010 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Satz vom Jahr!!

    Hei nei wo läbsch du?

  • Christoph B. am 06.12.2010 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hirnlos!

    Diese Facebook-Kultur und Sprache ist einfach nur Lachhaft...die Jugend ist am Verdummen.

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  • John Wayne am 02.12.2010 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Satz des Jahres

    !Kum scho Altää mach di Bligg! Was sonst???

Die neusten Leser-Kommentare

  • Christoph B. am 06.12.2010 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hirnlos!

    Diese Facebook-Kultur und Sprache ist einfach nur Lachhaft...die Jugend ist am Verdummen.

    • Sarina T. am 06.12.2010 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      Kreativ!

      Wir leben in einer Welt, die kalt und grau ist und in der schlimme Dinge passieren... Wieso wird die Jugend von heute gleich als "am Verdummen" bezeichnet, obwohl wir nur versuchen mit neuen Ideen den Alltag zu durchbrechen? Ich finde die Erwachsenen von heute übrigens ziemlich verklemmt... HEY, ihr wart auch mal JUNG :D

    • Jerôme am 02.01.2011 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher?

      Es sind nicht nur die Jungen, die ihr Umfeld gestalten, und erst recht nicht diejenigen, welche etwas daran ändern konnten. An ihnen jetzt dekonstruktive und ungerechtfertigte Kritik auszuüben, bestätigt die tatsächliche Herkunft der Dummheit unserer Gesellschaft.

    • Konstantin Opel am 11.01.2011 01:16 Report Diesen Beitrag melden

      Sind solche Kommentare Ihr Hobby?

      Herr B(locher?) Ich finde es schön dass Sie sich so rührend ausdrücken können gegenüber Ihren Nachfahren und der Zukunft der Gesellschaft in der Sie leben. Wir Jugendlichen reden untereinander gerne in "Slang" oder Jargon, wenn Ihnen dieses Wort mehr sagt als mein Strassenakzent. Es mag ja lachhaft klingen und Sie haben absolut recht! Wir Jugendlichen sehen dass Leben aber nicht so engstirnig wie Sie und auch wenn wir verdummen sind wir wenigstens glücklich.. Hobbylos Glücklich. Konstantin Opel (jaa ich bin im Telefonbuch XP)

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  • Holdrio am 05.12.2010 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gesprächskultur

    Solche Wörter des Jahres braucht es nicht.Die Jungen sollen zuerst einmal lernen miteinander ehrlich zu kommunizieren.

  • veLU am 05.12.2010 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    mein wort

    ich(18) muss gestehen, das ich hobbylos sehr oft verwende.. z.B. wenn die schule hausaufgaben gibt, ist das hobbylos, weil die denken, das wir sonst nichts besseres zu tun hätten... wayne kenn ich , brauch ich aber nicht. s beste wos je heds gids wird in passenden fällen gebraucht. z.B. starbucks kaffee isch s beste wos je heds gits.. aber mein absolutes TOP wort des jahres ist: ABARTIG. anstelle von super, oder mega. z.B, s konzärt esch abartig gsi. (also abartig geil). obwohl in meiner umgebung sollte OMG das absolute wort des jahres werden, da das wirklich alle dauernd brauchen, =D

  • Traurig am 03.12.2010 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    ??

    Die Wörter und Sätze sprechen für sich!!

  • K.Ritischer am 03.12.2010 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zürich

    Hans Hugentobler hat absolut recht: Es ist ein katastrophales Armutszeugnis für eine Jury, wenn derart wochen- bzw. tagesaktuelle Worter wie FIFA-Ethikkommission bzw. die frustrierende Alpenrepublik als Unwort bzw. Satz des Jahres gewählt werden! Peinlich, peinlich für die Schweiz im allgemeeinen und unsere Germanisten im besonderen.