Sierra Leone

21. September 2014 21:44; Akt: 22.09.2014 13:08 Print

Ebola-Helfer entdecken 70 Leichen

Die Ausgangssperre in Sierra Leone könnte womöglich verlängert werden. Bei der Suchaktion haben die Behörden bisher weitere 22 Opfer der Ebola-Seuche gefunden.

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Die Schweiz will mit Armee-Helikoptern in den Ebola-Einsatz, aber nur mit einem militärischen Partner. In Madrid steht ein Flieger der Air France aus Paris mit 183 Passagieren an Bord unter Quarantäne. Ein Passagier aus Nigeria hatte über Schüttelfrost und Fieber geklagt. Am 12. Oktober wurde bekannt, dass sich ein Pfleger beim US-Patienten Eric Duncan mit Ebola infiziert hat. Am 9. Oktober landete ein Ebola-Patient in Leipzig. Der UN-Mitarbeiter wird in der Spezialklinik St. Georg behandelt. Der Liberianer Thomas Eric Duncan steckte sich in Monrovia bei einer schwangeren 19-Jährigen an. Ashoka Mukpo, freischaffender Kamermann für den US-Nachrichtensenders NBC, ist in Liberia an Ebola erkrankt. Das Medienunternehmen NBC News bestätigte am 3. Oktober, dass einer ihrer Mitarbeiter in Liberia positiv auf Ebola getestet wurde. Er werde zur Behandlung in seine Heimat ausgeflogen. Aus Angst vor der Verbreitung der Ebola-Epidemie wird über ein Flugstopp in die betroffenen Länder nachgedacht werden. Die UN rät jedoch davon ab. Am 30. September wurde der erste Ebola-Fall in den USA bekannt. Der Mann wurde ins Presbyterian Hospital in Dallas gebracht. Die Regierung von Sierra Leone hat am 25.9.2014 1,2 Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt, um die Ebola-Epidemie einzudämmen. Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan sagte am 24. September, dass Nigeria frei von Ebola sei. Ein Ebola-Opfer wird in Liberia mit Desinfektionsmittel eingesprüht. Die Grafik zeigt, wie Ebola sich rasend schnell ausbreitet: Die Kurven, die die Anzahl Ebola-Fälle in den Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone darstellen, verlaufen immer steiler. Doch auch Nigeria und der Senegal sind bereits betroffen. Insgesamt sind bis Mitte September über 2400 Menschen gestorben. Die Ebola-Epidemie breitet sich aus. Am vermeldet Senegal den ersten Ebola-Erkrankten. , Ende August 2014: Über 400 Menschen sind bereits an Ebola gestorben. Tote bleiben auf den Strassen der Hauptstadt Monrovia liegen, die Ebola-Einheiten der Behörden kommen mit dem Abholen nicht nach. Der Gang zum Markt ist gefährlich, in Menschenansammlungen ist die Gefahr einer Ansteckung grösser. Vor den Spitälern stehen Polizisten und Soldaten. Sie hindern Ebola-Patienten an der Flucht und schlagen Angriffe von Menschen zurück, die ihre Verwandten «befreien» wollte. Trotzdem flohen am 16. August 2014 Dutzende Infizierte aus einem Spital. Spitalmitarbeiter in ihrer Arbeitskluft. Hier kann man sich die Hände desinfizieren. Spitalmitarbeiter helfen einander beim Anziehen. Stiefel und Schutzhandschuhe werden nach der Reinigung zum Trocknen aufgehängt. Derselbe Anblick im nördlichen : Handschuhe und Stiefel von Mitarbeitern einer Ebola-Klinik. «Ebola ist real» - auch wenn viele Menschen in den betroffenen Ländern das nicht glauben wollen. Manche vermuten, die Regierung wolle mit der Krankheit Geld machen. Die Helfer stehlen den Kranken ihre Organe, lautet eine der Horrorgeschichten, die man sich hier erzählt. Ein Spitalmitarbeiter checkt seinen Schutzanzug in einem Spiegel. Viele Patienten geraten bei der Diagnose in Panik. So sehen die Krankenschwestern in der östlich von Liberia gelegenen aus. Eine Isoliationsstation in der Elfenbeinküste. Auch , westlich von Liberia gelegen, ist von der Ebola-Epidemie betroffen. Hier eine Klinik in Kailahun. Sogar Särge werden desinfiziert.

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Während der dreitägigen Ausgangssperre in Sierra Leone haben Helfer in und um die Hauptstadt Freetown bis zu 70 Leichen entdeckt. Die 60 bis 70 Toten seien von den Freiwilligenteams beerdigt worden, sagte die stellvertretende Leiterin der Gesundheitsdienste, Sarian Kamara, am Sonntag.

Bis zum Sonntagmorgen seien zudem 22 neue Fälle von Ebola-Erkrankten gemeldet worden. Die 72-stündige Ausgangssperre sollte am Sonntag enden.

Das westafrikanische Land erwägt aber eine Verlängerung der Massnahme. «Es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Quarantäne ausgeweitet wird», sagte Stephen Gaojia, Leiter der zuständigen Notfallzentrale, am Sonntag nach einem Treffen mit Präsident Ernest Bai Koroma.

Bloss PR-Aktion?

Experten und Nichtregierungsorganisationen bezweifelten, dass es den insgesamt 30'000 Helfern gelungen sei, in nur drei Tagen alle 1,5 Millionen Haushalte zu erreichen. Die Helfer sollten den Menschen Seife und Informationen zur Vermeidung einer Ansteckung bringen.

Kamara sagte, mit der Ausgangssperre sei man «auf dem Weg», das gesteckte Ziel zu erreichen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete die vielfach kritisierte Massnahme der Regierung dagegen als «PR-Aktion».

Mehr Behandlungsplätze in Liberia

Von den insgesamt mehr als 2600 Ebola-Toten in Westafrika stammt mehr als die Hälfte aus Sierra Leones Nachbarland Liberia. Dort kündigte die Regierung an, die Behandlungskapazitäten in der Hauptstadt Monrovia deutlich zu erhöhen.

«Menschen werden abgewiesen, weil es keinen Platz gibt», sagte Informationsminister Lewis Brown am Sonntag. Deshalb werde die Anzahl der Betten bis Ende Oktober von 250 auf 1000 erhöht. Der aktuelle Erreger des hämorrhagischen Fiebers führt in etwa jedem zweiten Fall zum Tod.

Stammesführer in Aufklärungskampagnen einbinden

Der Gesundheitschef des liberianischen Bezirks Bomi nordwestlich von Monrovia machte auch das Festhalten an Traditionen für die anhaltende Ausbreitung der Seuche verantwortlich. «Die Religion schreibt vor, die Körper zu baden, bevor sie die Gesundheitsteams holen», sagte Gabriel Gorbee Logan.

Bis die Gesundheitsteams ein Dorf erreichen würden, hätten sich oft schon die nächsten Bewohner infiziert. Die Behörden versuchen deshalb nun, Stammesführer und religiöse Autoritäten in ihre Aufklärungskampagnen einzubinden.

(sda)