07. April 2005 17:23; Akt: 07.04.2005 17:26 Print

Ehefrau getötet - Klinik statt Zuchthaus

Das Kreisgericht Biel-Nidau hat einen 30-jährigen Mann schuldig gesprochen, seine Ehefrau mit einem absichtlichen Autounfall getötet zu haben.

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Statt ins Zuchthaus muss der psychisch kranke Angeklagte in eine Klinik. Fünf Jahre Zuchthaus wegen vorsätzlicher Tötung, aufgeschoben zugunsten einer stationären psychotherapeutischen Massnahme - so lautet das Urteil, welches das Kreisgericht Biel-Nidau nach drei Prozesstagen am Donnerstagmorgen bekannt gab. Der Angeklagte hatte angegeben, er habe einer Maus auf der Fahrbahn ausweichen wollen.

Erweiterten Selbstmord beabsichtigt

«Es handelt sich um ein erweitertes Suizid, wobei es im Fall des Angeschuldigten beim Versuch blieb», erklärte Gerichtspräsident Markus Gross in der Urteilsbegründung. Der Mann habe es nicht verkraftet, dass sich seine Frau nach sieben Ehejahren von ihm trennen wollte.

Für die Insassen der beiden Personenwagen mit denen der Angeklagte auf der Autostrasse A6 zwischen Lyss und Studen absichtlich kollidierte, sei der Albtraum jedes Autofahrers wahr geworden. Zwei der Opfer müssten mit bleibenden Beeinträchtigungen rechnen, ein weiteres leide an einem Schleudertrauma.

In diesen Fällen erkannte das Gericht auf versuchte Tötung. Beim ersten, frontal angesteuerten Wagen habe der Täter mit tödlichen Verletzungen rechnen müssen. Beim folgenden Fahrzeug habe er sie in Kauf genommen, denn nachmittags auf einer Autostrasse seien Folgekollisionen wahrscheinlich.

Verminderte Zurechnungsfähigkeit

Laut dem psychiatrischen Gutachter waren sowohl die Einsicht ins Unrecht der Tat als auch die Fähigkeit danach zu handeln in starkem Grad herabgesetzt: Die psychischen Störungen seien durch die bevorstehende Trennung verstärkt worden. Das Gericht nahm somit eine schwere Verminderung der Zurechnungsfähigkeit an.

«Wir haben dem etwas mehr Rechnung getragen als der Staatsanwalt», erläuterte der Gerichtspräsident. Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre Zuchthaus beantragt, der Anwalt der Eltern der getöteten Frau siebeneinhalb Jahre. Der Verteidiger hatte Freispruch verlangt, da kein Vorsatz vorliege.

Die Polizei und der verkehrstechnische Gutachter waren jedoch zum Schluss gekommen, dass der Personenwagen kontrolliert sechsmal gegen die Mittelleitplanke und nach deren Ende auf die Gegenfahrbahn gelenkt wurde. Zwei dahinter fahrende Automobilisten hatten ebenfalls diesen Eindruck.

Der Angeklagte ist in der Zeit des Bürgerkrieges in Beirut aufgewachsen und hat als Fünfjähriger seinen Vater verloren. Als Erwachsener führte ihn eine Odyssee durch verschiedene europäische Länder in die Region Bern, wo er nach der Heirat mit einer Schweizerin eingebürgert wurde.

Neben den massiven psychischen Problemen des Angeschuldigten hätten unterschiedliche Auffassungen über Religion, Erziehung des Sohnes, Ernährung und die Rolle der Frau das eheliche Zusammenleben schwierig gestaltet, sagte Gerichtspräsident Gross.

(sda)