04. April 2005 16:43; Akt: 04.04.2005 16:45 Print

Ehefrau mit Autounfall umgebracht?

Vor dem Kreisgericht Biel-Nidau hat der Prozess gegen einen 30-jährigen Mann begonnen, dem die Anklage vorwirft, seine Ehefrau bei einem absichtlichen Autounfall getötet zu haben.

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Der Angeschuldigte bestreitet den Vorsatz. Der Unfall geschah am 19. Januar 2004 nachmittags auf der Autostrasse A6 zwischen Lyss und Studen. Kurz nach der Einfahrt Lyss Nord prallte der vom Angeklagten gelenkte Personenwagen sechsmal in die Mittelleitplanke. Nach deren Ende überquerte er die Sicherheitslinie und kollidierte frontal mit einem VW Golf.

Zweite Kollision war tödlich

Der folgende Wagen krachte in die rechte Vorderseite des unfallverursachenden Wagens. Dabei wurde die 28-jährige Ehefrau des Angeschuldigten auf dem Beifahrersitz getötet. Die übrigen Unfallopfer, unter ihnen der Angeklagte, wurden leicht bis schwer verletzt.

Die Anklage lautet auf vorsätzliche Tötung, eventuell schwere Körperverletzung, eventuell einfache Körperverletzung, eventuell grobe Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz. Die Eltern der Getöteten treten als Privatkläger auf.

Der Unfalldienst der Kantonspolizei und ein Gutachter sind zum Schluss gekommen, dass der Unfallwagen bewusst so gesteuert wurde. Dass er trotz der Abpraller und auch nach Verlust des linken Vorderpneus geradeaus fuhr und nicht an Geschwindigkeit verlor, deute auf Kontrolle durch den Fahrer hin.

Psychische Störungen

Der Angeschuldigte bestritt vor Gericht, bewusst gehandelt zu haben. Er habe «einem kleinen schwarzen Tier in der Grösse einer Maus» ausweichen wollen. Gegenüber der Polizei hatte er jedoch eingeräumt, dass «manchmal Dinge passieren, die ich nicht kontrollieren kann».

Er sei kein böser Mensch und habe seine Frau geliebt. Aber tief in sich spüre er «etwas Böses». Tatsächlich leidet der Angeschuldigte unter Verfolgungswahn. Zeitweise glaubte er, seine Frau und ein Cousin trachteten ihm nach dem Leben.

Trennung verlangt

Dass seine Frau nach sieben Jahren Ehe die Trennung verlangte, scheint den Vater eines Knaben vollends aus der Bahn geworfen zu haben. Einen Monat vor dem Unfall beanspruchte er notfallmässig den psychiatrischen Dienst des Inselspitals.

Die Schwiegereltern meinten, die Ehe ihrer Tochter mit dem aus dem Libanon stammenden, später in der Schweiz eingebürgerten Mann sei die Hölle gewesen. Nach der Heirat habe der Schwiegersohn ein zweites, brutales Gesicht gezeigt.

Tochter und Eltern hätten in ständiger Angst gelebt, dass der Mann seiner Familie etwas antue. Der Angeschuldigte sprach bloss von gelegentlichem Streit, «wie in jeder Familie». Tief getroffen habe ihn ein Seitensprung seiner Frau. Das Urteil ist für Donnerstag vorgesehen.

(sda)