Frauenmord

08. Februar 2011 13:36; Akt: 08.02.2011 13:50 Print

Ein Fall für Miss Marple

Ein verzwickter Mordfall an einer Geschäftsfrau beschäftigt im französischen Montpellier das Gericht. Trotz Geständnis des Gärtners wäre der Richter wohl froh um die Hilfe von Miss Marple.

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Miss Marple: Beim Prozess in Montpellier wäre ihre Mithilfe sicher nützlich.

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Die britische Krimiautorin Agatha Christie hätte sich die Handlung nicht besser ausdenken können: Der Mörder ist der Gärtner, ein Adeliger hilft ihm bei der Tat, der Ehemann des Opfers spielt eine zwielichtige Rolle und die Tatwaffe liegt im Fluss.

Drei Jahre nach dem Mord an Bernadette Bissonnet, der Frau eines Geschäftsmannes, muss ein Gericht im südfranzösischen Montpellier am Mittwoch oder Donnerstag sein Urteil fällen. Trotz des Geständnisses des Gärtners dürfte dies nicht leicht sein.

Verarmter Graf als Gehilfe

Méziane Belkacem, der in der Villa des Ehepaars Bissonnet gelegentlich Hilfsarbeiten in Haus und Garten erledigte, gab den Mord bereits zu. Sein Gehilfe war der verarmte Graf Amaury d'Harcourt, der nach eigenen Angaben die Tatwaffe im Fluss verschwinden liess.

Beide behaupten, den Mordauftrag vom Ehemann der Frau, Jean-Michel Bissonnet, erhalten zu haben. Der pensionierte Geschäftsmann ist durch Büroimmobilien reich geworden. Der 63-Jährige sei von seiner fünf Jahre jüngeren Gattin «genervt» gewesen und habe für die Tat 30000 Euro geboten. Dadurch habe er eine Scheidung und den Verlust der gemeinsamen Villa vermeiden wollen.

Ehemann bestreitet

Es war Jean-Michel Bissonnet, der nach eigenen Angaben seine Frau am Abend des 11. März 2008 leblos und blutüberströmt in der Villa fand. «Mein Leben lang wird mir dieses Bild vor Augen bleiben», sagt der Angeklagte während des Prozesses.

Dass er seine Frau Bernadette umbringen liess, bestreitet er vehement. Sie hätten ein «traumhaftes Leben» gehabt. «Ich habe niemals, niemals, niemals Bernadettes Tod gewollt. Sie fehlt mir jeden Tag», versichert er unter Tränen seinen beiden Söhnen.

Freude an allem verloren

Florent und Marc Bissonnet stehen hinter ihrem Vater. Seine Eltern seien «füreinander geschaffen» gewesen, sagt der 30-jährige Florent.

Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Marc wirft der Justiz vor, ihm nach dem Tod seiner Mutter nun auch noch den Vater zu nehmen. «Ich habe meine Mutter verloren, ich habe meinen Vater verloren, ich habe mein Leben verloren, meine Freude an Weihnachten, den Geburtstagen», sagt er.

Gärtner und Graf ohne Geld

Wie sein Vater glaubt Marc Bissonnet, dass D'Harcourt hinter dem Mord steht. Der 85-Jährige sei ein Lügner, sagte er. Jean- Michel Bissonnet ist sogar davon überzeugt, dass der Adlige, der ihm jahrelang ein väterlicher Freund war, die Todesschüsse abgab und nicht sein Gärtner.

«D'Harcourt hat bereits hunderte Wildschweine erschossen, für ihn ist Schiessen ganz normal», sagt der Angeklagte. Der Graf habe genauso wie sein Gärtner Belkacem finanzielle Probleme gehabt. Beide hätten versucht, in die Villa einzubrechen und dabei seine Frau erschossen.

Offene Rechnung des Ehemann

Doch auch Bissonnets Aussagen sind nicht über alle Zweifel erhaben. Immerhin telefonierte er laut Gericht zwei Tage vor dem Verbrechen fünf Minuten lang mit seinem adligen Freund, obwohl er ein solches Telefonat bestritten hatte.

Und erst ein halbes Jahr nach der Tat fiel ihm wieder ein, dass der Graf ihn um 30000 Euro gebeten habe - neben den 15000 Euro, die er ihm bereits schuldete. Seine Frau soll sich der finanziellen Hilfe widersetzt haben.

Der Bruder von Bernadette Bissonnet beschuldigt den Ehemann der «unerträglichen Lüge». Die Gerichtspsychiater bescheinigen dem 63-Jährigen ein «egozentrisches» Verhalten.

Das Gericht steht nun vor der schweren Aufgabe, ein Urteil in einem Fall zu finden, in dem am Ende des Prozesses alles genauso verworren ist wie am Anfang. Und den vielleicht nur Agatha Christies Heldin Miss Marple aufklären könnte.

(sda)