Tödliche Bewerbung

04. Dezember 2011 08:33; Akt: 04.12.2011 14:43 Print

Ein Job-Angebot, drei Verlierer und die Mordlust

Drei Männer, die in den letzten Wochen in Ohio auf eine mysteriöse Jobanzeige geantwortet hatten, verschwanden kurz darauf spurlos. Nun wurden die zwei Täter verhaftet. Über ihr Motiv rätselt das FBI.

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Richard J. Beasley wurde am Donnerstag verhaftet und angeklagt. (Bild: AP/Tony Dejak)

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Die Männer, die sich Anfang November auf einer geheimnisvollen Stellenanzeige auf dem Portal «Craiglist» meldeten, hatten eines gemeinsam: sie alle waren verzweifelt. Ihre Ehen waren in die Brüche gegangen, sie waren arbeitslos und auch nicht mehr die Jüngsten. Für diese Männer kam ein Jobangebot für 300 Dollar im Monat, um eine Farm in Ohio zu betreuen und ein paar Rinder zu hüten, gerade richtig.

Doch ihre Verzweiflung wurde ihnen zum Verhängnis: Kurz nachdem sie die Stelle antraten, hörte ihre Verwandtschaft nichts mehr von ihnen. Die besorgten Angehörigen meldeten dies dem FBI, das eine Untersuchung einleitete, als sich im Laufe des Monats die Fälle häuften. Den wichtigsten Hinweis gab ihnen der 48-jährige Scott Davis, der bei seiner Ankunft an der mysteriösen Farm am Arm angeschossen wurde. Davis konnte jedoch fliehen.

Der alte Mann und sein Lehrling

Das Ermittlungsbüro fand heraus, dass das Grundstück eigentlich einem Bergwerk-Unternehmen gehörte. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten die Leiche des 51-jährigen David Pauley, der sich ebenfalls über Craiglist für eine Stelle auf der Farm beworben hatte. Vergangene Woche fand das FBI die Leiche des vermissten Timothy Kern. Auch er hatte seiner Familie erzählt, er reise nach Ohio, um eine neue Stelle anzutreten.

Am Donnerstag konnten schliesslich der 52-jährige Richard J. Beasley und der 16-jährige Brogan Rafferty festgenommen werden. Beide Männer wurden der Entführung und des Betrugs angeklagt. Sekundarschüler Rafferty soll dabei wie ein Erwachsener behandelt werden. Beasley seinerseits hat ein dickes Kriminaldossier mit Anzeigen wegen Prostitution und Drogenhandel.

Es könnte weitere Opfer geben

Über die Motive des kriminellen Duos rätseln die Ermittler immer noch: Eine Theorie ist, dass die hilflosen Opfer bei ihrer Ankunft ausgeraubt werden sollten. Doch allzu logisch ist das nicht: Die arbeitslose Männer werden kaum mit viel Bargeld an ihr Bewerbungsgespräch angetreten sein. Eine weitere These: Beasley und Rafferty schossen aus Spass auf die Männer. Dafür spricht, dass die meisten eingeladenen Bewerber angaben, nicht viel Kontakt zu ihrer Familie zu haben. Sie würden nicht vermisst werden, könnte der Hintergedanke der Banditen gewesen sein.

Die Mütter der beiden Festgenommen wollen nichts von einer kriminellen Tat ihrer Sprösslinge wissen. Carol Beasley sagte gegenüber der Zeitung «The New York Times» ihr Sohn sei unschuldig. Er habe «Hunderte Stunden für wohltätige Zwecke gearbeitet.» Sie hoffe, das Gericht sehe das auch so. Yvette Rafferty, die Mutter des 16-Jährigen, zweifelt, dass ihr Sohn in die Mordfälle involviert sei. Und wenn, «dann nur, weil er von jemanden bedroht worden ist.» Richard J. Beasley sei ein guter Freund der Familie, der ihren Sohn fast als eigenen betrachtet hat.

Das FBI vermutet, dass im Laufe der Ermittlungen weitere Leichen auf dem Gelände der Farm auftauchen könnten. «Es haben sich über 100 Menschen auf die Craiglist-Anzeige gemeldet», gab das Büro bekannt.

(kle)