«News of the World»-Skandal

20. Juli 2011 19:05; Akt: 21.07.2011 15:49 Print

Ein Wolf im Schafspelz

von Karin Leuthold - Wendi Deng, die junge Ehefrau von Medienmogul Rupert Murdoch, gilt als «Püppchen mit Tigerkrallen». Letztere hat sie bei der Anhörung ihres Mannes im britischen Parlament eindrucksvoll demonstriert.

Szenen einer Ehe: Wendi Deng springt als Erste auf, als ihr Mann Rupert Murdoch angegriffen wird. (Video: YouTube.com/RussiaToday)
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Als er auf dem Weg ins Parlament war, hielt sie ihm liebevoll die Hand. Und sie reagierte blitzschnell, als sich der 26-jährige Jonathan May-Bowles ihrem Mann bedrohlich näherte. Wendi Deng sprang auf und stellte sich dem Angreifer in den Weg. Die Ehefrau von Medienzar Rupert Murdoch verpasste May-Bowles einen leichten Klaps auf den Kopf und verhinderte damit, dass der bekannte britische Komiker ihren in die Kritik geratenen Mann mit einer Schüssel voller Rasierschaum traf.

Diejenigen, die mit Mrs. Murdoch zu tun haben, dürften von ihrer Reaktion gar nicht überrascht sein: Die hübsche Chinesin ist in ihrem Umfeld für den fast magischen Mix aus Charme und heftigem Temperament bereits bekannt. Deng könne zart und sympathisch sein und gleichzeitig gierig und wild. Ein «Püppchen mit Tigerkrallen» oder ein Wolf im Schafspelz eben.

Von China in die USA mit etwas Hilfe

Es war Dengs masslose Gier, die sie vor 24 Jahren vom maoistischen China in die USA brachte. Ihre Eltern, Ingenieure im kommunistisch regierten Land, hatten mehr Privilegien als andere. Deng wuchs in einer grösseren Wohnung auf als der Rest des gemeinen Volkes. Schon in jungen Jahren muss die Chinesin allerdings gemerkt haben, dass sie sich ihren grossen Traum von Reichtum und Macht nur im Mekka des Kapitalismus, den USA, würde erfüllen können.

Den Schritt dorthin ermöglichte ihr Jake Cherry. Der 50-Jährige war für UNICEF in China unterwegs, als er die 18-jährige Studentin Deng kennen– und liebenlernte. Cherry besorgte ihr ein Studentenvisum für Los Angeles und nahm sie bei sich zu Hause auf. Deng wohnte eine Zeitlang bei den Cherrys – bis Joyce Cherry Bilder entdeckte, die ihr Mann von Deng in einem Hotelzimmer in Guangzhou gemacht hatte. Die 42-Jährige warf sogleich beide aus dem Haus; daraufhin heiratete Jake Cherry Deng. Die Ehe hielt genau zwei Jahre und sieben Monate – genau so lange, wie Deng benötigte, um an die Green Card zu kommen.

Gemäss einer Kurzbiografie, die der Journalist Eric Ellis in der Zeitschrift «The Monthly» veröffentlichte, soll der Ex-Mann später zugegeben haben, dass die Ehe «nur vier oder fünf Monate» hielt. Kurz nach der Hochzeit habe er entdeckt, dass seine Frau eine Affäre mit dem blutjungen David Wolff hatte. Und weil es Deng immer verstanden hat, aus ihren Liebesbeziehungen Profit zu schlagen, liess sie sich von Wolff ein Masterstudium an der Universität Yale finanzieren. Als Wendi Deng ihr Wirtschaftsdiplom erlangt hatte, beendete sie die Romanze.

«Ich bin Wendi, die Praktikantin»

Wendi Deng wusste, wie sie mit Charme und Intelligenz sozial aufsteigen konnte. Auf einem Flug traf sie im Jahr 1996 zufällig Bruce Churchill, Geschäftsführer des Hong Konger StarTV, eines Medienpartners von News Corporation. Prompt erhielt Deng eine Praktikumsstelle beim Sender. Doch damit war sie noch lange nicht zufrieden: Als ihr eines Tages der Direktor der Firma, Robert Bland, über den Weg lief, machte sie erneut von ihren Waffen Gebrauch. Kokett zupfte sie an ihrem Haarschwanz und sagte: «Hallo Robert, ich bin Wendi, die Praktikantin.» Laut Ellis' Biografie erzählten ihre ehemaligen Kollegen, wie ihre Anmache beim Chef ankam: «An dem Tag wussten wir, auf was sie aus war.» Übrigens: Ellis' Artikel sollte im «Wall Street Journal», einem Produkt der News Corporation, erscheinen. Als Wendi Deng davon Wind bekam, liess sie dessen Veröffentlichung verbieten. Schliesslich wurde er in «The Monthly» publiziert.

Im Jahr 1998 waren die Gerüchte um Dengs Ehrgeiz nicht mehr zu stoppen. Doch die Chinesin hüllte sich in Schweigen – sie hatte bereits Rupert Murdoch kennen gelernt. Fast wie in einem Mythos gibt es verschiedene Versionen dieses ersten Treffens – und beide tönen leicht hollywoodmässig: Während einige behaupten, Deng habe Murdoch mit einem spektakulären Businessplan überrascht, versichern andere, sie habe an einer Party absichtlich Rotwein auf Murdoch geschüttet.

Scheidung nach 31 Jahren

Tatsache ist, dass sich Rupert Murdoch von seiner Ehefrau Anna, mit der er 31 Jahre lang verheiratet war, scheiden liess. 17 Tage später, am 25. Juni 1999, heiratete der damals 68-Jährige die halb so alte Wendi Deng. Murdoch sollte später klarstellen, er sei seiner Ex-Frau nie untreu gewesen. Die neue Ehe brachte zwei Kinder hervor – oder, anders gesagt, zwei weitere Erben.

Aus dem inneren Kreis der Murdochs heisst es, der Medienmogul fühle sich in Dengs Nähe glücklich. «Er strahlt jedes Mal, wenn sie durch die Tür kommt.» Er sei von ihrer Intelligenz fasziniert. Die junge Frau habe ihren Mann auf eine Soja-Diät gesetzt und ein strenges Fitness-Programm verordnet. Der Magnat lasse sich alles gefallen, behaupten die Quellen. Er wolle um jeden Preis jung erscheinen.