Klimawandel extrem

09. März 2012 10:55; Akt: 09.03.2012 13:54 Print

Ein ganzes Land zügelt die Insel

von Ralf Meile - Der Pazifik-Staat Kiribati geht unter. Die Regierung will deshalb ein Stück Land auf Fidschi kaufen. Mehr als 100 000 Menschen sollen umziehen.

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Ob es das sagenumwobene Atlantis wirklich gegeben hat, bleibt wohl für immer ein Rätsel. Doch die Geschichte vom Untergang eines Inselreichs ist aktueller denn je. Weil der Meeresspiegel steigt, droht der Pazifik-Staat Kiribati zu versinken. Die Regierung plant deshalb, die gesamte Bevölkerung nach Fidschi umzusiedeln.

Sein Kabinett habe diesem Vorhaben zugestimmt, sagte Kiribatis Präsident Anote Tong am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Sein Plan sieht vor, auf der Fidschi-Hauptinsel Viti Levu ein grosses Stück Land zu kaufen. Andere Ideen verwarf Tong, darunter die Konstruktion von schwimmenden Inseln.

Neue Heimat weit entfernt

Kiribati ist riesig und winzig zugleich. Sein Territorium ist mit mehr als fünf Millionen Quadratkilometern halb so gross wie ganz Europa. Der überwiegende Teil ist jedoch Meer. Kiribatis 32 Atolle bringen es gemeinsam auf gerade 800 Quadratkilometer, eine Fläche, die den Kantonen Solothurn oder Neuenburg entspricht.

Während Solothurner höchstens über häufigen Nebel klagen, haben die laut der jüngsten Volkszählung 103 500 I-Kiribati – so werden die Einwohner genannt – grössere Sorgen. Ihr Land geht unter. Jahr für Jahr steigt der Meeresspiegel. Und weil die Atolle flacher als Holland sind, gehen sie früher oder später unter.

An diesem Tag X soll Kiribati bereit sein – und das Volk nicht mehr in seiner Heimat. Auf Viti Levu soll mehr als 2000 Kilometer von Kiribati entfernt ihr neues Zuhause entstehen.

Gebildete Einwanderer, keine Flüchtlinge

«Wir wollen nicht auf einen Schlag mit allen 100 000 I-Kiribati umziehen», erläutert Präsident Tong sein Vorhaben dem Fernsehsender «Fiji One». Seine Vision sei es, dass Fidschi nicht Flüchtlinge erhalte, sondern Immigranten; gut ausgebildete Menschen, die sich der neuen Umgebung anpassen und dort arbeiten könnten.

Tongs Regierung hat deshalb ein Ausbildungsprogramm lanciert, «Education for Migration» heisst es. Bereits studieren junge I-Kiribati an der University of South Pacific – die sich sinnigerweise auf Fidschi befindet. «Diese Jungen bereiten sich gut auf eine Umstellung vor», sagt Dozent Dr. Alumita Durutalo dem «Sydney Morning Herald». Die Studenten aus Kiribati seien sich bewusst, dass der Tag eines endgültigen Umzugs komme. «Sie sind dazu bereit. Auch wenn das für sie bedeutet, dass sie ihre Lebensweise, ihre Kultur ein Stück weit aufgeben müssen.»

Noch keine Stellungnahme Fidschis

Zunächst muss Kiribatis Parlament den Kauf ebenfalls noch bewilligen. Präsident Tong beabsichtigt, für rund 10 Millionen Franken ein 23 Quadratkilometer grosses Ackergrundstück - etwa die Fläche des Walensees - zu kaufen. Er hofft, die Zustimmung des Parlaments noch im April zu erhalten.

Anschliessend will er das Gespräch mit Fidschi suchen. Eine Regierungssprecherin hat für nächste Woche eine erste Stellungnahme angekündigt. Laut BBC-Informationen hofft Fidschi, dass auch andere Nationen in der Region I-Kiribati aufnehmen, namentlich Australien und Neuseeland. Auf internationale Unterstützung hofft auch Tong. «Die Welt muss erkennen, dass der Klimawandel existiert und Länder wie unseres davon betroffen sind.»

«Wir wissen, dass wir nur verlieren können»

Auf dem neuen Grundstück Kiribatis auf Fidschi sollen in einem ersten Schritt einige hundert Bauern und Handwerker leben, so der Plan. Weil die Ackerflächen in ihrer Heimat verschwinden, sollen sie Früchte und Gemüse anbauen und Vieh züchten, damit auch Fleisch nach Kiribati exportiert werden kann. Der in das Geschäft involvierte Makler Colin Sibary berichtet der BBC, dass auch geplant sei, Land abzubauen: «Damit wollen sie dann Dämme errichten.»

Kiribatis Präsident Anote Tong ist sich bewusst, dass diese Bauten nicht für die Ewigkeit sein werden. «Der Klimawandel ist unser täglicher Kampf, und wir wissen, dass wir ihn nur verlieren können.» Atlantis ist kein Mythos mehr.


Präsident Tong erklärt den Bewohnern von Fidschi seine Pläne. (Quelle: fijitv.info)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Graf Seismo am 09.03.2012 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ooooder! Ich habs, macht mit!!!

    Wir adoptieren den Staat Kiribati und grunden einen neuen Kanton!! Kaufen Griechenland eine Mittelmeerinsel ab und siedel die Kiribatis um. Dann hat die Schweiz eine eigene Ferien Insel. Die Menschen leben vom Tourismus und Wir mussen nur noch die 6 Wochen Ferien annehmen! Wir retten zwei Staaten gleichzeit und bekommen dafür Strand und Sonne. Also, am Sonntag die 6 Wochen Ferien annehmen!!!! ;)

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  • Brum am 09.03.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Insel

    Gibt es kein Land die eine grössere Insel, wo alle Platz haben und höher ist, denen übergeben würde, dass dieser Staat für sich weiter existieren kann? Voll umfänglich einfach an einem neuen Ort!!!

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  • Dareos am 09.03.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die Erde verlor einen Atlantik

    "Forscher der Universität Kopenhagen und der Stanford University in Kalifornien haben nun herausgefunden, dass die Erde über die Jahrmillionen bis zu einem Viertel ihres Wassers verloren hat." -> So viel zur Diskussion ob die Subduktions-Platte oder der vermeindlich steigende Meeresspiegel Schuld am möglichen Untergang von Kiribatis.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ölian am 10.03.2012 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    ohne Mensch wirds auch wärmer

    Das Klima wird ja auch ohne Mensch wärmer, einfach etwa halb so schnell, das heisst: bis es zwei Grad wärmer ist dauert einfach 50 Jahre länger als ohne Mensch. Damit sind doch die Probleme genau dieselben und wir können uns die CO2 Diskussion sparen. Öl? Es hat solange es hat

  • klimokrat am 10.03.2012 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    seit 150 Jahren steigt Meeresspiegel

    wieso gibt es diese Inseln überhaupt noch. Das klima erwärmt sich doch schon seit 150 Jahren. Die Gletscher schmelzen seit 150 Jahren aber die Inseln sind immer gleich viel über dem Wasser

  • Regula Regner am 10.03.2012 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch hat nichts damit zu tun?

    Und was wäre, wenn der Mensch tatsächlich unschuldig am Klimawandel ist? Das änderte nichts an der Tatsache, dass der Meeresspiegel steigt. Oder sollen die Einwohner von Kiribati zuhause bleiben, weil der Meeresspiegel "nur aus natürlichen Gründen" steigt?

  • Tenzin Nima am 09.03.2012 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildliche Reaktion

    Sehr vorbildliches Programm, das hier die Regierung Kiribatis auf die Beine gestellt hat. Auch viele andere Staaten werden in den kommenden Jahren spurlos im Meer verschwinden. Der Mensch ist hierbei machtlos. Die einzige Möglichkeit die Folgen zu mindern, liegt darin, die Leute auf ihr späteres Umfeld einzustellen. Eine gute Ausbildung erleichtert dies ohnehin.

  • Graf Seismo am 09.03.2012 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ooooder! Ich habs, macht mit!!!

    Wir adoptieren den Staat Kiribati und grunden einen neuen Kanton!! Kaufen Griechenland eine Mittelmeerinsel ab und siedel die Kiribatis um. Dann hat die Schweiz eine eigene Ferien Insel. Die Menschen leben vom Tourismus und Wir mussen nur noch die 6 Wochen Ferien annehmen! Wir retten zwei Staaten gleichzeit und bekommen dafür Strand und Sonne. Also, am Sonntag die 6 Wochen Ferien annehmen!!!! ;)

    • Sisi Kaiser am 09.03.2012 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      Jaaaaaaa, ich mache mit

      Die Idee gefällt mir auch :-).

    • Xoff Pardey am 10.03.2012 07:15 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist mal eine gute Idee

      Graf Seismo, das ist eine wirklich gute Idee! Ich mache mit.

    • Peter Meier, Student am 10.03.2012 09:25 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Vorschlag !!!

      Das ist doch mal ein guter Vorschlag! Das muesste man ernsthaft in Erwaegung ziehen!

    • pasquale am 10.03.2012 10:28 Report Diesen Beitrag melden

      daaa simmer dabeii !!

      super idee :D

    • Gerhard B. am 10.03.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

      Find ich absolut genial ...

      ... diese Idee. Und mal ehrlich, so abwegig wäre das eigentlich gar nicht! Wäre sicher mit relativ geringem finanziellen Aufwand zu machen und alle würden einen Nutzen daraus ziehen.

    • Peter am 10.03.2012 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Genau, den Mont Blanc als Isle de Blanc

      Wir brauchen keine Insel zu kaufen, nur den Mont Blanc, da ja angeblich der Meerespiegel steigt, wird dieser bald wie eine Insel aus dem Meer raus ragen. Was mich nur wundert, von welchem Planeten kommt das ganze Wasser denn her, selbst wenn all das Eis schmilzt, werden wir keinen Meerespiegelanhebung um etliche Meter erleben! Schaut euch doch mal den Globus etwas genauer an. Wie viel Wasser/Eis brauche ich, um nur schon den Atlantik um 5cm anzuheben, geschweige denn den Pazifik?

    • Ottodiesel am 10.03.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Macht den Fremden

      Der "Kanton" wäre ein bisschen weit weg. Zudem kann ich mir nicht Vorstellen das diese Bewohner sich mit einem fremden Volk indendifizieren kann. Schon gar nicht von uns "Regieren" lassen. Die wollen sicher auch frei sein!

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