Facebook für Leihmütter

07. Juli 2014 07:06; Akt: 07.07.2014 08:34 Print

Eine Kontaktbörse für den Kinderwunsch

Eine Holländerin will kinderlosen Paaren unter die Arme greifen. Wer zahlt, soll über eine Online-Plattform Kontakte zu Samen- und Ei-Spendern erhalten.

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Boekhorst will kinderlosen Paaren helfen, ihren Baby-Wunsch zu erfüllen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Nach der Online-Partnersuche kann nun auch der Kinderwunsch über das Internet erfüllt werden: Seit Freitag ist die Website Dnzza.nl online. Eveline te Boekhorst will dort Kontakt zwischen kinderlosen Paaren und Samen-, Ei-Spendern oder Leihmütter herstellen. Auf diese Weise sollen alleinstehende, unfruchtbare oder homosexuelle Paare zu ihrem Kinderglück finden.

Über Boekhorst Website sollen Spender und Empfänger vermittelt werden, indem sie persönliche Profile anlegen. Die Nutzer können mit individuellen Suchkriterien wie Augen- oder Haarfarbe den passenden Spender finden. Um Boekhorsts Dienstleistung nutzen zu können, müssen Interessenten ein Abo lösen. Je nach Laufzeit kostet der Dienst umgerechnet zwischen 45 und 115 Franken. Auch Schweizer können von dem Angebot ab sofort Gebrauch machen.

Bisher ist es in der Schweiz nur heterosexuellen Paaren, bei denen der Mann unfruchtbar ist, erlaubt, Samenspenden für die künstliche Befruchtung zu verwenden. In Holland gelten ähnliche Gesetze. Dessen ist sich Boekhorst bewusst: «Kommerzielle Spenden sind in den Niederlanden zwar nicht erlaubt, wohl aber in Ländern wie Russland und Spanien.» Die Holländerin stellt jedoch klar, dass sie lediglich den Kontakt unter den Betroffenen herstellen will. «Was sie untereinander abmachen, ist ihre Sache», so die Holländerin. Sie ist sich schon jetzt sicher, dass sie mit ihrer Kontaktbörse für Aufsehen sorgen wird.

Spezialisten sind skeptisch

Bei Christian De Geyter, Chefarzt für Reproduktionsmedizin am Frauenspital der Uni Basel, kommt die Idee aus Holland nicht gut an. Gegenüber der «Aargauer Zeitung» meint der Spezialist: «Das ist eine Kontaktbörse, mit der jemand einfach Geld verdienen will.» Er glaubt nicht, dass das Angebot auf viel Interesse stossen wird. «Die Reproduktionsmedizin ist für die betroffenen Menschen eigentlich ein Tabuthema», so De Geyter. Die Vorstellung sei für ihn daher nicht realistisch, dass Paare beispielsweise mit wildfremden Leuten in Kontakt treten, welche eine Schwangerschaft austragen sollen.

Für Boekhorst könnte sich die Plattform dennoch zu einem lohnenden Geschäft etablieren. Gemäss dem Bundesamt für Statistik, hat sich die Zahl der Paare, welche sich ihren Kinderwunsch medizinisch erfüllen lassen, fast verdoppelt. Allein in der Schweiz reisen jährlich rund 1000 Frauen ins Ausland, um eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen.


(cho)