Ungeklärte Vaterschaft

04. April 2019 09:30; Akt: 04.04.2019 10:53 Print

Eineiige Zwillingsbrüder müssen für Kind bezahlen

Da bei eineiigen Zwillingen eine Vaterschaft kaum zu beweisen ist, wollten zwei Männer sich vor ihrer Verantwortung drücken. Ein Richter liess das aber nicht gelten.

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Der Schuss ging für Fernando und Fabricio* nach hinten los. Die eineiigen Zwillinge aus Cachoeira Alta im brasilianischen Bundesstaat Goiás meinten, mit einem Trick sich ihrer Elternverantwortung entziehen zu können. Doch nun werden die beiden dafür bestraft.

Fernando und Fabricio nutzten ihr exakt gleiches Aussehen, um verschiedene Frauen zu treffen. Kurz nachdem Fernando die 25-jährige Valeria* bei einer Party kennen gelernt hatte, soll auch Fabricio sich einige Male mit ihr getroffen haben. «Fernando erzählte mir damals schon, dass er einen Zwillingsbruder hat. Doch zu jenem Zeitpunkt machte ich mir keine Gedanken darüber», sagte Valeria dem brasilianischen Portal O Globo. Auch nicht, als ihr Freund sie ab und zu mit einem gelben Motorrad abholte, das eigentlich Fabricio gehörte.

«Böse Absichten» seien klar, meint der Richter

Als Valeria schwanger wurde und Fernando darüber informierte, erzählte dieser, dass auch sein Bruder etwas mit ihr gehabt habe. Nachdem das Kind zur Welt gekommen war, stellte Valeria im Jahr 2017 Anspruch auf Unterhaltszahlungen. Aber an wen? Fernando behauptete, Fabricio sei wohl der Vater des Kindes, sein Bruder machte Fernando dafür verantwortlich.

Ein DNA-Test brachte keine Lösung des Problems, weil das Genom von eineiigen Zwillingen identisch ist. Tatsächlich zeigte der Test, dass sowohl Fernando als auch Fabricio mit 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit der Vater von Valerias Tochter seien. Man hätte noch eine spezifischere Untersuchung durchführen können, doch auch dieser Test wäre nicht schlüssig, da eine der untersuchten Personen Genmutationen aufweisen müsste. Zudem kostet der sogenannte Twin-Test umgerechnet über 15'000 Franken, und keine der Parteien konnte sich das leisten.

Darum hat Richter Filipe Luís Peruca nun entschieden, dass beide Männer Alimente an Valerias Kind zahlen müssen. «Es ist offensichtlich, dass die beiden seit der Pubertät die Tatsache, dass sie eineiige Zwillinge sind, zu ihren Gunsten ausgenutzt haben. Unter anderem, um Frauen aufzureissen oder um sich betrügerisch zu verhalten», sagte der Richter. Dass sie sich in Bezug auf die Vaterschaft gegenseitig die Schuld zuwiesen, sei ganz klar «ein feiges Verhalten mit bösen Absichten» gewesen.

* Die Familiennamen der Protagonisten dieser Geschichte werden von der brasilianischen Justiz geheim gehalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 04.04.2019 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Das ist mal ein richtiges Urteil! Die Richter mit ihren Entscheiden in der Schweiz könnten sich ein Stück davon abschneiden...

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  • justice am 04.04.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Entscheidung

    100% Richtige Entscheidung des Richter's

  • Tscheyar am 04.04.2019 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Salomonisches Urteil

    Ein weiser Richter. Hut ab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Smokey Joe am 05.04.2019 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die frag der aktuellen fragen

    Ob die im Verkehr auch Cannabis konsumierten xD

    • marko 34 am 05.04.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Smokey Joe

      Schrecklich

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  • Branding am 04.04.2019 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Markieren

    Man hätte zum Schutz, weiterer Frauen, noch ein Namenstattoo anordnen sollen.

    • Azmodon am 05.04.2019 01:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Branding

      Oder so ein Barcode am Nacken wie beim Hitman :-)

    • marko 34 am 05.04.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Branding

      Schrecklich

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  • Zwil Ling am 04.04.2019 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Geteilte Freude

    ist doppelte Freude.

  • Jurist am 04.04.2019 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ein solches Urteil...

    wäre nach Schweizerischer Rechtsordnung nicht denkbar

    • ManuB am 05.04.2019 02:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jurist

      Aber sicher. In der CH wird man auch zu Unterhalt verdonnert obwohl man gar nicht der Vater ist. Beweise werden "nicht anerkannt"

    • Fred am 05.04.2019 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jurist

      Bin ich mir nicht so sicher. Anderes Beispiel: Am Tatort findet man zwei pot. Täter. Es ist einwandfrei klar, dass einer der beiden der Täter ist und beide die Absicht hatten die Tat zu begehen, was von den beiden auch nicht bestritten wird. Sie sagen einzig nicht welcher der beiden geschossen hat. Gibt's dann einen Freispruch?

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  • ThisIs(nt)AMansWorld am 04.04.2019 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht so schockiert, liebe Frauen

    An alle Frauen die hier so geschockt reagieren wie Männer so etwas machen können. Schauen sie sich mal die statistik zu Kuckuckskindern alleine in der Schweiz an. Und diese Frauen entziehen sich wirklich der Verantwortung und werden vom Staat sogar noch geschützt (kein Vaterschaftstest ohne Zustimmung der Mutter oder richterlicher Anordnung). DAS ist eine grössere Sauerei, da die meisten Frauen sich bewusst gegen den Test wehren und zum teil auch bewusst einen falschen Vater eintragen lassen

    • Emma am 04.04.2019 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ThisIs(nt)AMansWorld

      Das eine hat mit dem anderen gar rein nichts zu tun. Es gibt verschiedene Frauen wie es verschiedene Männer gibt. Grundsätzlich geht es darum die Kinder zu schützen und ihnen ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen.

    • Lisa am 04.04.2019 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ThisIs(nt)AMansWorld

      Nur gut dass die Männer nicht schwanger werden können. Das gäbe ja noch viel mehr kuckuckskinder.

    • ManuB am 05.04.2019 02:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Emma

      "Die Kinder zu schützen" am besten mit 2000 Stutz im Monat obwohl der richtige Vater eigentlich bekannt ist. So läuft das hier...

    • Oldman am 05.04.2019 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ThisIs(nt)AMansWorld

      Ich gebe Ihnen völlig Recht. Es sollte unter Strafe gestellt werden, dem Zivilstandsamt einen falschen Vater anzugeben.

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