Grossbritannien bizarr

25. Februar 2011 11:35; Akt: 25.02.2011 12:40 Print

Eisverkäufer bietet Glacé aus Muttermilch an

In einem Londoner Eisladen gibt es ab Freitag eine neue Art Glacé für Kunden, die Wert auf «organische und natürliche Lebensmittel» legen. Den Rohstoff liefern dabei junge Mütter.

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Der Londoner Glaceladen «Icecreamists» bietet ab Freitag Speiseeis aus Muttermilch an. Die neue Erfindung mit dem Namen «Baby Gaga» ist für Kunden gedacht, die speziellen Wert auf «organische und natürliche Lebensmittel legen», so der Erfinder. Dabei bezieht der Hersteller die Muttermilch bei Spenderinnen, die sich auf seine Anzeige im britischen Elternforum «Mumsnet» gemeldet hatten.

Die 35-jährige Victoria Hiley ist eine der 15 Spenderinnen. Hiley arbeitet mit Müttern, die Mühe damit haben, ihre Babys zu stillen. Nach der ersten Kostprobe war sie von der Idee begeistert: «Das Eis ist sehr lecker, es zergeht richtig auf der Zunge», schrieb sie. Mütter, die ihren Nachwuchs nicht selbst zur Brust nehmen, könnten durch das Glacé vom Stillen überzeugt werden.

Das Eis besteht neben der Hauptzutat auch aus Vanilleschoten und Zitronenschalen. «Baby Gaga» ist nur eine von rund einem Dutzend neuer Geschmacksrichtungen, welche bei den «Icecreamists» neu erhältlich sein werden. Wer dieses Gourmetabenteuer wagt, muss allerdings tief in die Tasche greifen: Eine Kugel kostet sage und schreibe 21 Franken.

Wer hats erfunden?

Das Londoner Unterfangen ist allerdings nichts Neues: Im September 2008 versuchte Hans Locher vom Restaurant «Storchen» in Iberg bei Winterthur seine Menükarte mit Muttermilch zu bereichern. Der Wirt selbst war nach der Geburt seiner Tochter auf den Geschmack gekommen. Doch nachdem der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter mit einer Anzeige gedroht hatte, krebste Locher zurück.

Die Meldung über die Idee des «Storchen»-Wirtes aber machte die Runde und stiess wenige Tage später in den USA auf Gehör - genauer bei den Tierschutzaktivisten von Peta. Vize-Präsidentin Tracy Reiman schien damals begeistert von der «innovative new idea from Switzerland». In einem Brief an den internationalen Glaceproduzenten «Ben & Jerry's» schlug sie vor, es dem Schweizer Wirt gleich zu tun und Glaces in Zukunft mit Muttermilch zu produzieren. «Ben & Jerry’s» begrüssten zwar Reimans Ansatz, stiegen aber nicht ins Geschäft ein. «Wir glauben, es ist immer noch das Beste, Muttermilch den Kindern zu verabreichen», lautete damals die Antwort.

(kle)