21. April 2005 17:14; Akt: 21.04.2005 17:18 Print

Eltern verlieren Justizkampf um das Leben ihres Kindes

Im Kampf um das Leben ihrer kleinen Tochter haben die Eltern der schwerkranken Charlotte in Grossbritannien erneut eine juristische Niederlage erlitten.

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Das Oberste Gericht in London bestätigte im Berufungsprozess am Donnerstag ein Urteil vom Oktober, wonach die Ärzte das Mädchen beim nächsten Atemstillstand sterben lassen dürfen. Die heute 18 Monate alte Charlotte war drei Monate zu früh auf die Welt gekommen und bei ihrer Geburt nur 13 Zentimeter gross und 450 Gramm schwer.

Berufung angekündigt

Der Anwalt der Eltern erklärte, seine Mandanten seien «sehr enttäuscht» von dem Urteil. Er kündigte erneut Berufung an. Der Vorsitzende Richter Mark Hedley entschied, im Falle eines erneuten Atemstillstandes dürften die Ärzte im Spital von Portsmouth zwar helfend eingreifen, das Mädchen aber nicht künstlich beatmen.

Er habe zum jetzigen Zeitpunkt eine Entscheidung gefällt, um einen Konflikt zwischen Ärzten und Eltern in dem Moment zu vermeiden, wo das Kleinkind möglicherweise eine lebensgefährliche Krise erleide.

Richter Hedley anerkannte zugleich, dass sich Charlottes Zustand in den vergangenen Monaten leicht gebessert habe. Er freue sich, dass das Mädchen den Winter überlebt habe und inzwischen auf laute Geräusche reagiere sowie zumindest ansatzweise die Bewegung eines bunten Spielzeugs verfolgen könne.

Das Leben des kleinen Mädchens könne deshalb nicht länger als unerträglich bezeichnet werden, sagte Hedley. Dennoch habe ihn die Mehrheitsmeinung der Ärzte überzeugt, wonach Charlotte unheilbar krank sei. Ihr Kopf sei mit eineinhalb Jahren so klein wie der eines Neugeborenen.

Überprüfung möglich

Der Richter, ein gläubiger Christ wie die Eltern, betonte, er werde sein Urteil zum gegebenen Zeitpunkt - möglicherweise im Oktober - nochmals auf den Prüfstand stellen.

Der Anwalt der Eltern, Richard Stein, begrüsste im Namen der 23 Jahre alten Mutter und ihres zehn Jahre älteren Mannes ausdrücklich die Möglichkeit, in Berufung zu gehen.

Charlotte hat das Spital seit ihrer Geburt im Oktober 2003 nie verlassen können. Sie lebt in einem Brutkasten, wird mit Sauerstoff versorgt und über eine Sonde ernährt. Das Mädchen, das neben schweren Atem- auch Nieren- und neurologische Probleme hat, musste bereits mehrmals wiederbelebt werden.

(sda)