05. April 2005 16:16; Akt: 05.04.2005 16:19 Print

Elternmörder tötete im Kokainrausch

«Ich wollte ihr Leiden beenden», sagte der 28-Jährige dem Gericht am zweiten Prozesstag unter Tränen zu seinem Entschluss, nach den Keulenschlägen gegen seine Eltern die Tat mit einem Küchenmesser zu vollenden.

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Der 28-jährige Mann, der am 30. Januar 2004 in Magliaso seine Eltern brutal umgebracht hat, tötete im Kokainrausch. Zudem ist der Täter auch psychisch krank, wie der psychiatrische Gutachter am Dienstag vor dem Geschworenengericht in Lugano darlegte.

«Ich wollte ihr Leiden beenden», sagte der 28-Jährige dem Gericht am zweiten Prozesstag unter Tränen zu seinem Entschluss, nach den Keulenschlägen gegen seine Eltern die Tat mit einem Küchenmesser zu vollenden. Zuvor habe er sich bekreuzigt und gewünscht, dass sowohl seine Eltern wie auch er tot wären. Der Anlass zum Tötungsdelikt an seinen Eltern scheint nichtig. Als der Vater den Sohn an jenem Abend anherrschte, den über alles geliebten Hund im Garten zu lassen, schnappte der mörderische Mechanismus offenbar ein. Mit dem Baseballschläger in der Hand vom Garten zurückkommend habe es in seinem Kopf gehämmert: ich tue es - nein ich tue es nicht, und schliesslich habe er zugeschlagen, schilderte der Angeklagte den Tathergang.

Nach dem Tötungsdelikt fuhr der junge Mann nach Lugano, um sich dort eine weitere Dosis Kokain zu beschaffen, und kehrte zurück ins Wohnhaus, wo die toten Eltern lagen. Dort wollte er sich mit einer Waffe aus der Sammlung seines Vaters erschiessen, schaffte es jedoch nicht, abzudrücken. Das Kokain gab ihm schliesslich den Mut, zurück nach Lugano zum Polizeikommando zu fahren und sich zu stellen.

Der am Dienstag angehörte psychiatrische Gutachter bezeichnete den Angeklagten als paranoisch schizophren, in sich gekehrt, wenig intelligent und gefühlsarm. Er sei jemand, der nur noch für die Drogenbeschaffung lebe und unter der Verachtung des Vaters und der erstickenden Kontrolle der Mutter leidet. Der junge Mann sei immer nur wegen seiner Drogensucht behandelt worden, dabei liege sein Problem weit tiefer, erklärte der Gutachter. Dass die ratlosen Eltern um die Weihnachtszeit 2003 beschlossen hätten, den Sohn im kommenden Jahr in eine Drogengemeinschaft in der Westschweiz zu schicken, habe dieser noch heute nicht verwunden. Der Gutachter bestätigte eine stark verminderte Zurechnungsfähigkeit zur Tatzeit. Zwar sei dem Angeklagten bewusst gewesen was er tue, er sei jedoch ausser Stande gewesen, sich unter Kontrolle zu bringen und von der Tat abzusehen. Bei der Beurteilung des Angeklagten muss der Gerichtshof laut Gutachter ferner bedenken, dass ein Rückfall in einen ähnlichen Zustand möglich ist.

Nach dem Tötungsdelikt verbrachte der Sohn fast 24 Stunden bei seinen toten Eltern im Einfamilienhaus, bevor er sich bei der Polizei stellte.

(ap)