01. März 2008 06:15; Akt: 02.03.2008 08:34 Print

Emma wütet mit 224 km/h in den Alpen

Abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume und verspätete Flugzeuge: In der ganzen Schweiz hielt Sturmtief Emma die Feuerwehren auf Trab und brachte ein Wetterchaos. Die Spitzengeschwindigkeit des Sturms betrug 224 km/h. In der Schweiz wurden zwei Menschen verletzt.

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Die heftigsten Orkanböen wurden bei der auf 2850 MüM liegenden SAC-Konkordiahütte im Aletschgebiet gemessen: Mit 224 Stundenkilometern jagte hier Emma die Winde über den Gletscher. (Bild: Meteocentrale.ch) Stundenlanges Warten auf dem Zürcher Flughafen: Wegen Emma wurde 19 Flüge annulliert. (Bild: Mobile-Reporter) Beim Römerhof in Zürich fegte Emma ein Gerüst weg. (Bild: Mobile-Reporter Peter Meier) Beim Römerhof in Zürich fegte Emma ein Gerüst weg. (Bild: Mobile-Reporter Peter Meier) Am Bellevue in Zürich (Bild: Mobile-Reporter Mario) Umgestürzter Baum beim Bellevue in Zürich. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Umgestürzte Bäume beschäftigten die Feuerwehren in der ganzen Schweiz. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) In Wädenswil ZH wurde ein Autofahrer verletzt, als er mit seinem Lieferwagen in einen Baum raste. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) An den Anlegestellen des Zürichsees kenterten mehrere Boote (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Taucher der Zürcher Seepolizei im Einsatz nach den Sturmschäden. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Mehrere Schiffe wurde losgerissen und machten sich selbständig. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Der Fährbetrieb musste eingestellt werden. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Kein Segelwetter: Sturmwarnungen warnen Hobbykapitäne davor, während des Sturms in See zu stechen. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Sturmtief Emma lässt am Samstag den Zürichsee schäumen. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt) Während in den Alpen teils Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h zu messen waren, war es anderswo nur etwas windig, wie hier in Meggen LU. Nicht so im Kanton Thurgau, wo Emma besonders stark blies: Zwischen Sulgen und Opfershofen erfasste eine Windböe den Anhänger eines Fahrzeuges. (Bild: Kantonspolizei Thurgau) Eine umgekippte Signalanlage liegt auf der Bahnstrecke Berg-Altishausen. (Bild: Kantonspolizei Thurgau) Ein Mann guckt in Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) durch das Dach seines beschädigten Hauses. (Bild: Keystone/EPA/Julian Stratenschulte) Überflutungen in Blankenese, Hamburg. (Bild: REUTERS/Morris Mac Matzen) Der Wintersturm entwurzelte zahlreiche Bäume, hier in Oberursel bei Frankfurt am Main. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst) Zum Glück spielte hier kein Kind: Ausgerechnet auf einen Spielplatz stürzten Teile eines Hausdachs, das vom Sturm im sächsischen Weisswasser herabgerissen wurde. (Bild: Keystone/AP/Thomas Mucha) In Butzbach bei Frankfurt am Main wurde ein Asylbewerberheim Opfer des Orkans: Das Dach wurde 20 Meter weit weggeblasen. Verletzt wurde niemand. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst) Es entstand Sachschaden in der Höhe von 200 000 Euro. Die Bewohner wohnen jetzt in einer Turnhalle. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst) Kampf gegen den Sturm auf der Nordseeinsel Norderney. (Bild: Keystone/EPA/Elibertus Stürenberg) Vom Sturm gebeugte Bäume bei Freiburg. (Bild: Keystone/EPA/Patrick Seeger) Im österreichischen Lofer sichern Feuerwehrleute ein beschädigtes Dach, das vollends abzureissen droht. (Bild: Keystone/AP/Kerstin Joensson) In St. Pölten, Österreich, wurde ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen. (Bild: Reuters/St.Pölten-Stadt) Vom Winde verweht wurde in St.Pölten auch das Zelt, das für eine ÖVP-Veranstaltung aufgestellt worden war. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst) Bis am Samstagnachmittag wurden aus Deutschland, Österreich und Tschechien acht Tote gemeldet - obwohl der Orkansturm schwächer als prognostiziert über Europa fegte. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst)

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Das Sturmtief Emma hat in der Nacht auf Samstag die Schweiz erreicht. Emma liess in den Bergen Orkanböen bis maximal 224 km/h, gemessen auf der SAC Konkordiahütte am Aletschgletscher, blasen. Die Seilbahn-Bergstationen Crap Sogn Gion (2566m) ob Laax sowie auf dem Kleinen Matterhorn (3883m) ob Zermatt verzeichneten 193, bzw. 191 km/h.

Ähnliche hohe Windgeschwindigkeiten wurden beim letzten Orkan Kyrill Mitte Januar 2007 gemessen. Damals stürzte ein Zug der Appenzellerbahn vor dem Bahnhof Wasserauen um. Beim Hauptsitz von Meteoschweiz am Zürichberg wurden 133 km/h registriert. In Basel-Binningen wurden mit 119 km/h die höchsten Windgeschwindgkeiten seit dem Jahr 2003 gemessen.

Kurzzeitige Sturmspitzen

Patrick Hächler von MeteoSchweiz wies darauf hin, dass es sich bei den Windspitzen um Sekundenwerte handle. Die Beaufort-Skala, die bei Windgeschwindigkeiten ab 118 km/h von Orkan spricht, betreffe aber Durchschnittswerte von zehn Minuten. Von Orkanböen sollte deshalb eigentlich erst bei Sekundenspitzen ab rund 150 km/h gesprochen werden.

Zürich: LKW-Fahrer rast in Baum

Innerhalb von zwei Stunden gingen bei der Kantonspolizei Zürich 32 Schadensmeldungen im Zusammenhang mit den heftigen Windböen ein.
Die Meldungen betrafen vorwiegend umgewehte Bauabschrankungen sowie umgestürzte Bäume. Am Zürichsee rissen sich mehrere Schiffe los.

Der gravierendste Unfall in Zürich ereignete sich in Wädenswil ZH, wo eine Person verletzt wurde. Der Lenker eines Lieferwagens prallte gegen einen Baum, der kurz davor auf die Strasse gestürzt war. Sein Mitfahrer, der keinen Sicherheitsgurt trug, zog sich dabei Kopfverletzungen zu und musste ins Spital gebracht werden.

So stürzten Bäume auf die Autobahnen A1 bei Bertschikon und die A3 bei Thalwil, wodurch je ein Fahrstreifen blockiert wurde. In Wallisellen und Glattbrugg wurden parkierte Fahrzeug von umgestürzten Bäumen beschädigt. In Horgen ZH wurde ein Blechdach auf die Geleise der SBB geweht. Ein Zug der Linie S8 fuhr dagegen - dadurch kam es im Zugsverkehr zu geringfügigen Verspätungen.

Feuerwehrmann in St.Gallen verletzt

Orkanartige Sturmböen sind auch über Teile des Kantons St. Gallen hinweggezogen. Besonders im Raum Fürstenland in Richtung Toggenburg und St. Gallen mussten Polizei und Feuerwehr mehrmals ausrücken.

In einem Einkaufszentrum in der Stadt St.Gallen lösten sich Deckenelemente und wurden auf die Zürcher Strasse geweht. Dabei wurde ein Fahrzeug beschädigt. Aus Sicherheitsgründen war die Zürcher Strasse für den Verkehr zeitweise gesperrt. Dadurch entstand ein grösserer Rückstau in Richtung Gossau.

Bei den Sicherungsarbeiten ist ein Feuerwehrmann leicht bis mittelschwer verletzt worden. Der Mann hängte zusammen mit Kollegen in der Eingangshalle der neuen Shopping Arena ein Baustellennetz auf. Dieses sollte Schutz gegen die Zürcher Strasse bieten. Bei den Arbeiten mit einem Hubretter wurde der Feuerwehrmann mit dem Kopf und der Hand eingeklemmt.

Thurgau: Emma bläst Anhänger um

Mehrere Bäume im Thurgau umgestürzt
Der Wintersturm Emma hat bei der Kantonalen Notrufzentrale Thurgau bis am Mittag zu rund 20 Schadensmeldungen geführt. Die meisten davon betrafen umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, weggewehte Plakatwände und Baustellenabsperrungen.

Zahlreiche Bäume mussten gesichert werden, die in Schräglage gerieten und umzustürzen drohten. Vereinzelt fielen auch Ziegel von Dächern. Dabei wurde ein Fahrzeug leicht beschädigt.

Wegen der umgestürzten Bäume kam es an verschiedenen Orten zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen. Zwischen Sulgen TG und Opfershofen TG erfasste eine Windböe den Anhänger eines Fahrzeuges, worauf dieser kippte. Der Lenker blieb unverletzt.

Abgedeckte Dächer im Aargau

Auch im Aargau hat der Wintersturm viele Bäume entwurzelt, Dächer beschädigt und mehrere Baugerüste und Abschrankungen weggeblasen. Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei verzeichnete bis Samstagmittag 39 Notrufe. Verletzt wurde niemand.

In allen Regionen seien gesamthaft 19 Bäume auf die Strasse gefallen, wie die Polizei mitteilte. Die umgestürzten Bäume mussten von Forstämtern und Feuerwehren weggeräumt werden.

Die Feuerswehren von Birr, Wohlen und Schafisheim mussten ausrücken, weil Dächer vom Sturm abgedeckt wurden. Auch wurden im ganzen Kantonsgebiet Abschrankungen und Reklametafeln bechädigt, heruntergerissen oder weggeblasen.

Zahlreiche Einsätze in Basel

Emma hat auch im Kanton Basel-Landschaft die Polizei und die Feuerwehr auf Trab gehalten, wo dutzende Meldungen eingingen.

Dabei handelte es sich um umgestürzte Bäume, beschädigte Dächer durch heruntergefallene Ziegel sowie umgestürzte Bauabschrankungen und Plakattafeln.

In vielen Baselbieter Gemeinden standen die Feuerwehren für Räumungsarbeiten im Einsatz. Verletzt wurde niemand und die Schäden hielten sich in Grenzen. Auch zu Verkehrsproblemen kam es hier nicht.

Wald meiden, Gegenstände sichern

Die Behörden Empfehlungen an die Bevölkerung in besonders exponierten Lagen ab. Lose Gegenstände seien rund um das Haus windgeschützt zu versorgen oder zu sichern, Waldränder, exponierte Bäume und den Aufenthalt im Wald zu meiden und Baugerüste mobile Reklameeinrichtungen und Dekorationen zu sichern.

(SDA/AP/Meteoschweiz)