Europäische Union

03. Dezember 2018 10:04; Akt: 04.12.2018 13:56 Print

Ende der Zeitumstellung kommt erst 2021

Erst war von einer Abschaffung der Zeitumstellung im Jahr 2019 die Rede. Nun soll diese um zwei Jahre nach hinten verschoben werden.

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Eingeführt wurde die Sommerzeit 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Gedanken, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Die Schweiz führte die Sommerzeit 1981 ein, um sich den Nachbarländern anzupassen. Vorher war sie in einer Volksabstimmung abgelehnt worden. Fachleute zweifeln mittlerweile am Nutzen: Zwar schaltet man im Sommer abends seltener das Licht an, ... ... dafür wird im Frühling und im Herbst in den Morgenstunden mehr geheizt. Laut einer Studie des deutschen Büros für Technikfolgenabschätzung von 2015 liegt die Einsparung bei weniger als 0,03 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs. Der Rückgang der für Beleuchtung nötigen Energie liegt bei 0,21 Prozent. Zudem führt es zu gesundheitlichen Problemen, wenn an der Uhr gedreht wird. Man sagt, im Durchschnitt benötigen Menschen ein bis zwei Tage, bis die innere Uhr wieder richtig tickt. Müdigkeit, ... ... verminderte Leistungsfähigkeit und ... ... vermehrte Herzinfarkte sind die Folge. Ein Schlafforscher nannte das einst «Jetlag unter erschwerten Bedingungen». Doch nicht jeder ist nach ein bis zwei Tagen wieder im Rhythmus. Vor allem ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit Schlafstörungen tun sich damit eher schwer – die Eingewöhnungsphase kann bei ihnen bis zu sieben Woche dauern. Auch das Schlaganfallrisiko und ... ... die Infektanfälligkeit sind in den Tagen nach der Umstellung erhöht. Zudem ... ... wurde nach der Umstellung im Frühling eine erhöhte Fehlgeburtenrate bei künstlich befruchteten Frauen festgestellt. Der Körper wird während der Sommerzeit von der Natur zum selben Stand der Sonne fit gemacht, auch wenn er eine Stunde eher geweckt wird. Das liegt daran, dass die Wirkung des Stresshormons Cortisol nicht der veränderten Uhrzeit, sondern dem Sonnenaufgang folgt. Nach der Zeitumstellung im Frühling schläft man in den ersten Tagen durchschnittlich 40 bis 50 Minuten weniger. Zudem schläft man nach der Umstellung sowohl im Herbst wie im Frühling deutlich unruhiger. Nach der Umstellung im Herbst werden sprunghaft mehr Winterdepressionen diagnostiziert. Das liegt wohl daran, dass dadurch der Winter schlagartig fassbar wird, was eine Art psychologischen Schock auslösen kann. Die Menstruation kann bei Frauen, die nicht hormonell verhüten, bis zu zehn Tage später einsetzen. Die Verschiebung des Zyklus kann bis zu drei Monate andauern. Da sich Wildtiere am Sonnenlicht orientieren und keine Zeitumstellung kennen, kommt es bis zu vier Wochen nach der Zeitumstellung zu überdurchschnittlich vielen Wildtierunfällen. Mehrere Studien haben zudem ergeben, dass am Montag nach der Zeitumstellung generell mehr Unfälle passieren. Schuld daran: Der Sekundenschlaf, die morgendliche Dunkelheit und die verwirrte innere Uhr. Doch nicht nur der Mensch, auch das Vieh hat Mühe mit der Zeitumstellung. Eine Kuh kann nicht einfach eine Stunde später gemolken werden, wenn bereits 20 bis 25 Liter Milch im Euter warten. Sonst drohen Euterentzündungen. Die Bauern behelfen sich damit, dass sie die Melkzeit bereits ein paar Tage vor der Sommerzeit schrittweise nach vorne verlegen. Das funktioniert.

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Die Abschaffung des jährlichen Wechsels von Sommer- auf Winterzeit in der EU kommt nicht im nächsten Jahr. «Frühestens 2021 ist es so weit, dass die Zeitumstellung beendet wird», sagte der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer am Montag.

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Österreich führt derzeit den Vorsitz der EU-Länder. Sein Land wäre für eine sehr rasche Abschaffung der Zeitumstellung gewesen, sagte Hofer am Montag vor Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Doch andere Länder hätten damit Probleme gehabt. Deshalb habe Österreich als Kompromiss die Verschiebung vorgeschlagen.

Staaten sollen selber wählen können

«Hätten wir darauf bestanden, das sofort zu machen, wäre der Vorschlag gescheitert und die Zeitumstellung wäre nicht zu beenden gewesen», sagte Hofer. In den EU-Staaten – und in der Schweiz – werden seit 1996 am letzten Sonntag im März sowie am letzten Sonntag im Oktober die Uhren jeweils eine Stunde umgestellt.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, schon ab 2019 nicht mehr an der Uhr zu drehen. Die Staaten sollen stattdessen wählen können, ob sie künftig immer Winter- oder Sommerzeit haben wollen. Probleme macht nun die Koordinierung zwischen den Ländern: Es gelte, einen «Zeit-Flickenteppich» zu verhindern, sagte Hofer.

Die EU-Verkehrsminister beraten am Montag über einen Fortschrittsbericht zur Zeitumstellung. Entscheidungen werden noch keine getroffen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jeremios am 03.12.2018 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch EU

    Typisch EU anstatt eine Einheitsentscheidung zu fällen soll wieder jeder Staat selber entscheiden. Genau darum funktioniert diese Staatengebilde nicht!

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  • Pheebo am 03.12.2018 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar Normalzeit

    Macht es einfach so, wie es war und richtig ist.

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  • Knoten Fredi am 03.12.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei uns kein Wunder.

    hätte mich enorm überrascht, wenn die EU wenigstens dass auf die Reihe gebracht hätten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Penumbra Noctis am 06.12.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Normalzeit

    Es heisst uebrigens "Normalzeit", nicht Winterzeit.

  • markus am 04.12.2018 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder staat soll selber entscheiden?

    So war es vor der EU, nur viel güstiger.

  • Don Höfi am 04.12.2018 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeitumstellung

    Hauptsache die Zeit läuft das ist wohl das wichtigste.

  • Thomas am 04.12.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein richtig und falsch!

    Es gibt keine richtige oder falsche Zeit. Das ist alles eine Erfindung der Menschen und reine Definition!

  • Marie Hofer am 04.12.2018 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht 1973

    Die Sommerzeit MESZ wurde 1980 eingeführt, in der Schweiz 1981 (nicht 1973). Es zeichnete sich rasch ab, dass damit kaum Energie gespart werden kann. Hingegen schätze ich die schönen, hellen Abende in der Sommerzeit sehr und würde ein Abschaffen der MESZ daher sehr bedauern.