28. März 2008 13:50; Akt: 28.03.2008 14:11 Print

Entstellte Französin schluckte «Dignitas-Mittel»

Chantal Sébire brachte sich mit einer Überdosis Pentobarbital um. Das Mittel, das regelmässig von Dignitas zur Sterbehilfe verwendet wurde, ist in französischen Apotheken nicht erhältlich. Haben die Schweizer Sterbehelfer das Mittel geliefert?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der zuständige Staatsanwalt von Dijon, Jean Pierre Alacchi, sagte am Donnerstag vor den Medien, er werde weiter im Fall Sébire ermitteln, um zu klären, woher die 52-Jährige das Barbiturat erhalten hatte. «Im Magen von Frau Sébire fanden die Forensiker die dreifache Dosis von Pentobarbital, die ein Mensch vertragen kann.» Sébires Familie hatte die Autopsie ihrer Leiche abgelehnt.

Woher hat sie das Medikament?

Die 52-jährige Französin, die vor acht Jahren an einer seltenen Tumorart erkrankte, war seit Oktober 2007 blind und verliess ihr Haus nicht mehr. Das Medikament, das zu ihrem Tod führte, werde nur in der Tiermedizin verwendet und sei nicht in den Apotheken erhältlich, schreibt die französische Zeitung «Le Monde».

Nun stellt sich die Frage, woher Sébire die Droge hatte. «Ich verliere die menschliche Dimension des Falles nicht aus den Augen, aber die Justiz muss ihren Lauf nehmen. Ich will keinen Schuldigen finden, wir müssen aber wissen, was passiert ist, weil das Gesetz das fordert», sagte Alacchi weiter.

Pentobarbital, die Droge von Dignitas

Chantal Sébire hatte Mitte März in einem Interview mit RTL bekundet, sollte ihr Gesuch auf Sterbehilfe abgelehnt werden, würde sie in die Schweiz reisen, um «in Würde» zu sterben. Am 17. März erlitt die Französin vor dem Landgericht in Dijon eine herbe Niederlage, zwei Tage später fand ihre Tochter sie tot in der Wohnung in Plombières auf.

Bald wurde spekuliert, ob Sébire sich nach der Ablehnung ihres Gesuchs mit der Sterbehilfeorganisation Dignitas von Ludwig A. Minelli in Verbindung gesetzt habe. Diese Spekulation verstärkte sich, als am Donnerstag bekannt wurde, dass die Droge Pentobarbital – die auch Dignitas für ihre Todescocktails verwendet - im Spiel war. Doch Dignitas schweigt und nahm bei einer Anfrage von 20minuten.ch keine Stellung zum Fall.