Gefangen auf Sex-Insel

18. September 2019 12:52; Akt: 18.09.2019 12:52 Print

Epstein-Opfer wollte durch Hai-Gewässer flüchten

Eine junge Britin bringt neue, verstörenden Details über den verstorbenen US-Multimillionär zu Tage.

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Sarah Ransome erzählte vor einem Gericht in Manhatten von ihrer Gefangenschaft auf Epsteins Privatinsel Little Saint James. Sie hatte nach eigenen Angaben versucht, durch das Gewässer, in dem sich auch Haie befinden, zu entkommen. Weit kam sie aber nicht. Epstein habe auf der ganzen Insel Kameras installiert gehabt. Ein Team sei ausgesandt worden, um die Geflüchtete wieder zurückzubringen. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er sass in New York im Gefängnis. In der Nacht auf Samstag, den 10. August 2019, wurde der Unternehmer tot in seiner Zelle aufgefunden. Nachdem der Justizminister sehr bald von einem Suizid gesprochen hatte, liess ein Autopsiebericht Zweifel an dieser Version aufkommen. Gebrochene Knochen im Halsbereich deuten auch auf die Möglichkeit des Erwürgens hin. Diese Befunde heizten Spekulationen über den Tod Epsteins an. Epstein wolle ihr selbst nach seinem Tod Leid zufügen, sagte Jennifer Araoz (Mitte) vor Gericht. Dass sie dem Sexualverbrecher nicht vor Gericht entgegentreten könne, «zerfrisst meine Seele». (27. August 2019) Bereits zwei Wochen vor seinem Tod wurde Epstein in seiner Gefängniszelle in New York verletzt vorgefunden. Gemäss US-Medien entdeckten Wächter Epstein fast bewusstlos mit Blutergüssen am Nacken. Kurz vor seinem Tod soll er einen ersten Selbstmordversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein. Trotzdem stand Epstein zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter besonderer Beobachtung. Dies, weil das Sondersetting kurz zuvor aufgehoben worden war. US-Justizminister William Barr sprach von «schweren Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Epstein zählte früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

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Innert Sekunden hatte sich Sarah Ransome entschieden: Sie sprang auf ein unbewachtes Quad und bretterte damit in eine entlegene Ecke der rund 30 Hektar grossen Insel Little St. James. Von dort aus wollte sie zur Insel St. Thomas schwimmen.

Die Britin war nach eigenen Angaben eine Gefangene und Sexsklavin des verstorbenen US-Milliardärs Jeffrey Epstein. Monatelang harrte sie zusammen mit weiteren Frauen und Mädchen auf dessen Privatinsel aus. «Ich wurde dreimal am Tag vergewaltigt», so Ransome gegenüber dem «Telegraph».

Schwimmen, um zu entkommen, schien ihr einziger Ausweg zu sein – selbst wenn sich im Gewässer Haie tummelten. «Zu diesem Zeitpunkt erschien mir ein Hai wie mein bester Freund. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, ich wollte einfach nur weg.» Weit kam sie jedoch nicht. Epstein hatte überall auf der Insel Kameras installiert. Innert weniger Minuten sei ein Team ausgesandt worden, welches sie zurück ins Haus brachte.

Sex im Flugzeug vor aller Augen

Ransome hatte ihren Peiniger im Jahr 2006 in New York kennengelernt. Damals war sie 22 Jahre alt. Sie schilderte ihn als charmant und charismatisch. Sie gingen gemeinsam ins Kino, er lud sie auf seine Privatinsel ein. Sie habe keine Warnzeichen erkannt.

Erst als sie im Flugzeug gesessen sei, das sie nach Little St. James gebracht habe, habe sie erstmals ein ungutes Gefühl übermannt. Es waren weitere Frauen an Bord, mit einer hatte Epstein Sex vor aller Augen. Auf der Insel habe dann der Missbrauch begonnen. Es wurden «Massagen» von ihr verlangt, täglich seien sie und die anderen vergewaltigt worden. Epstein habe alles an ihnen kontrolliert: Wie sie wohnten, was sie assen, welche Kleider sie trugen.

«Der beste Tag meines Lebens»

Anfang 2007 wurde Ransome nach Südafrika geschickt, um eine persönliche Assistentin für Epstein zu suchen. Sie kehrte nicht mehr zurück. Vor Gericht sagte sie, dass der Tag, an dem Epstein verhaftet worden sei, ohne Frage der beste ihres Lebens gewesen sei.

Sarah Ransome war eine von 20 Frauen, die ihre Geschichte im August dieses Jahres in einer Sonderanhörung vor einem Gericht in Manhatten preisgaben.

Epstein wurde am 10. August 2019 mit Verdacht auf Selbstmord tot in seiner Zelle aufgefunden. Ein Autopsiebericht liess allerdings Zweifel an dieser Version aufkommen. Sarah Ransome ist überzeugt davon, dass Epstein in seiner Zelle im Auftrag von mächtigen Menschen ermordet wurde, um ihn zum Schweigen zu bringen.

(kat)