Drama am Berg

29. Mai 2013 07:17; Akt: 29.05.2013 13:05 Print

Er gab den Everest auf, um ein Leben zu retten

Monatelang hatte er sich darauf vorbereitet, jetzt war der Gipfel zum Greifen nah – bei idealen Wetterverhältnissen. Doch dann musste der Bergsteiger seinen Traum aufgeben.

storybild

Selbstlos gab er seinen Traum auf: Rupert Hauer (2009 auf dem nepalesischen Dhaulagiri-Gipfel) (Bild: Rupert Hauer)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es war ein Uhr früh, als der Österreicher Rupert Hauer am 19. Mai 2013 vom letzten Lager vor dem Gipfel des Mount Everest auf 8300 Metern Höhe aufbrach. Zwei Stunden zuvor war die Amical-Gruppe von derselben Stelle aus gestartet.

Hauer war allein unterwegs, ohne Sauerstoff und ohne Sherpa. Und er kam gut voran. Auf rund 8700 Metern begegnete er den Mitgliedern der Amical-Gruppe, die bereits wieder auf dem Rückweg vom Gipfel waren. Sie erzählten ihm, dass einer von ihnen erblindet war und nur mit viel Mühe absteigen konnte.

Kurz darauf traf Hauer tatsächlich auf den verletzten Amerikaner und seinen Sherpa. Die beiden waren völlig erschöpft, und der Österreicher bezweifelte, dass sie den Abstieg ohne Hilfe schaffen würden. Er musste sich entscheiden: Sollte er die letzten paar Meter auf den Gipfel in Angriff nehmen, oder sollte er mit den beiden umkehren – und auf das verzichten, worum sich die vergangenen Monate alles in seinem Leben gedreht hatte: die Besteigung des Mount Everest?

Hauer zögerte keine Sekunde. Er hatte während des Aufstiegs bereits vier Leichen gesehen, das sei Mahnung genug, schreibt er später auf seiner Homepage. Zusammen mit dem Sherpa brachte er den Amerikaner in sichere Höhen. Die extrem anstrengende Rettungsaktion ging nicht spurlos an Hauer vorbei, er bekam ebenfalls Probleme mit seinen Augen und hatte Erfrierungen an der Nase. Deshalb setzte er den Abstieg fort und baute erst auf 7000 Metern Höhe sein Zelt auf – um 23 Uhr in völliger Dunkelheit.

Das Basislager hat Hauer am nächsten Tag erreicht, von wo aus er in seinem Blog die Geschehnisse festhielt. Mittlerweile ist der Österreicher wieder in Salzburg. Seine Nase heile gut, sagte er der Zeitung «Nachrichten.at», «doch sie wird wohl ein wenig kleiner werden».

«Das Wetter hätte gepasst für eine erfolgreiche Gipfelbesteigung», schreibt Hauer am Schluss seines Berichts, «aber ein Menschenleben ist wichtiger.» Diese Worte zeigen, wie schwer es dem Österreicher fiel, seinen grossen Traum aufzugeben. Und trotzdem spürt man, dass er seinen Entscheid keine Sekunde bedauert.

(kmo)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • chelsea am 29.05.2013 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Es sollte mehr solche Menschen geben. Hallo, er hat seinen Traum aufgegeben um ein Leben zu retten. Ich sags noch mal Hut ab!

  • Schande am 29.05.2013 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der verdient wirklich Respekt!

    Respekt verdient Herr Hauer. Nicht wie die Gruppe die ihr Mitglied zurück liess und sich in Sicherheit brachte! Die solten sich Schämen, ich würde niemandem erzählen das ich auf dem Everest war und einer zurück blieb und ich nicht half. Herr Hauer hat absolut Recht, eim Menschenleben ist viel wichtiger als der Gipfel.

  • Luzerner mit Herz am 29.05.2013 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Everest Hauer 9500 MüM

    Was Hauer da getan hat, dafür gibt es kaum Worte. Ausser vielleicht, dass er damit sogar die Höhe des Everest überstiegen hat. Diese Tat birgt einiges mehr an Bereicherung als nur für 5 Min. auf dem Dach der Welt zu stehen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • ray am 30.05.2013 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    solche leute braucht die welt.

    good job! der nächste aufstieg kommt bestimmt!

  • Khumbu am 30.05.2013 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Everything possible

    Am 14. Mai 2005 landete Didier Delsalle mit einem AS 350 B3+ als erster Mensch auf dem Gipfel des Mount Everest (8848 m).[3][4] Am 29. April 2010 gelang Daniel Aufdenblatten (Pilot/Air Zermatt) und Richard Lehner (Bergretter/Alpin Center Zermatt) die Rettung von drei Alpinisten aus 7000 Metern Höhe im Annapurna Gebiet Nepal mit einem AS350 B3. Sie führten damit die höchste je mit einem Helikopter zustande gebrachte Bergrettung aus.

    • ellie am 30.05.2013 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      kleiner Unterschied

      eben. Die höchste Rettung war auf 7000 Metern. Der Ami sass auf 8700 Metern fest. Nicht grade ein Katzensprung.

    einklappen einklappen
  • mäsi am 30.05.2013 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    für mich

    zu überbewehrtet. Logisch war es Selbstlos und Respectabel, auf den ersten Blick, wobei jemandem auf dem Everest das Leben zu reten viel mehr prestige hat als die besteigung. So ist er nun als Held aus der Sache gegangen..

  • Rosmarie K. am 30.05.2013 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Respekt vor Hauer. Schön gibt es noch solche Menschen die nicht nur egoistisch handeln und denken. Er hat viel mehr gesehen als die, die schon mal oben waten und wortwörtlich dafür über Leichen gehen.

  • Brigitta am 30.05.2013 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahre grösse zeigt sich .....

    Ja, das hat mich echt berührt, das ist ein wunderbarer Mann. Einer mit einem Gewissen, er geht nicht über Leichen.