Messerattacke in Lübeck

21. Juli 2018 13:44; Akt: 21.07.2018 20:15 Print

Er nahm Tod der Fahrgäste «billigend in Kauf»

Gegen den Messerangreifer von Lübeck ist Haftbefehl wegen Mordversuchs erlassen worden. Alle Opfer sind inzwischen ausser Lebensgefahr.

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Nach der Messerattacke in einem Bus im norddeutschen Lübeck mit zehn Verletzten ist gegen den Angreifer Haftbefehl wegen Mordversuchs erlassen worden. Der 34-jährige Deutsch-Iraner wurde nach einer Anhörung beim Haftrichter ins Lübecker Gefängnis eingewiesen, wie die Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilte.

Es bestehe der Verdacht «des versuchten Heimtückemordes mit gemeingefährlichen Mitteln in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und versuchter besonders schwerer Brandstiftung», teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizeidirektion Lübeck mit.

Rucksack in Brand

Der Angreifer hatte am Freitag in einem Bus in Lübeck seinen mit Brandbeschleuniger gefüllten Rucksack in Brand gesetzt und anschliessend auf Insassen eingestochen. Zehn Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Der Angreifer konnte schliesslich überwältigt werden.

Es bestehe «der dringende Verdacht, dass der Beschuldigte den mit einer grossen Zahl von Fahrgästen besetzten Bus in Brand setzen und damit eine möglichst grosse Zahl von Menschen verletzen wollte», erklärten die Ermittler am Samstag. Dabei habe er auch einen Tod von Fahrgästen «billigend in Kauf» genommen.

«Darüber hinaus besteht mit Blick auf einen durch einen Messerstich schwer verletzten Mann aus den Niederlanden der Verdacht des versuchten Heimtückemordes.» Der 21-jährige Niederländer schwebt demnach nach einer mehrstündigen Notoperation nicht mehr in Lebensgefahr.

Bei dem Termin vor einem Haftrichter im Amtsgericht Lübeck äusserte sich der Beschuldigte am Samstag nicht zu den Tatvorwürfen, wie Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion mitteilten.

Kein terroristischer Hintergrund

Bereits am Freitag hatten die Ermittler erklärt, Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat gebe es nicht. Die Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst sagte, es gebe «keinerlei Hinweise darauf, dass der Mann sich politisch in irgendeiner Weise radikalisiert habe».

Der Strafverteidiger des Mannes sagte im Sender n-tv, sein Mandant leide unter einer psychischen Störung, möglicherweise unter einer «paranoiden Schizophrenie».

(sda)