Julian Assange

02. September 2015 12:57; Akt: 02.09.2015 17:36 Print

Er treibt das Botschafts-Personal in den Wahnsinn

Fische und Gäste stinken nach drei Tagen. Geleakte Dokumente zeigen: Das gilt erst recht für Julian Assange, der seit Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt.

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Am Anfang mag Julian Assange in der Londoner Botschaft Ecuadors ein gern gesehener Gast gewesen sein. Doch seit der Gründer der Wikileaks-Enthüllungsorganisation im Juli 2012 dort Asyl erhielt, hat das Botschaftspersonal die weniger angenehme Seite des «Flüchtlings» kennengelernt.

Die ecuadorianischen Diplomaten halten das tägliche Leben mit dem prominenten Aktivisten in minutiösen Berichten fest. Buzzfeed-Reporter verschafften sich Einblick in die Protokolle – und machten den Chef der Enthüllungsplattform selbst zum Gegenstand einer Enthüllung.

Zwei Zusammenstösse erscheinen den Reportern typisch. Der erste trägt sich laut den Dokumenten am 6. September 2012 zu, drei Monate nach Beginn des Daueraufenthalts. Um 20.30 Uhr dringt Assange ohne Erlaubnis in den für ihn gesperrten Raum mit Kommunikationsgeräten ein. Als er sich an den Sicherheitseinrichtungen zu schaffen macht, versucht ihn ein Wachmann daran zu hindern, was zu einem Handgemenge führt.

Neigung zu Wutausbrüchen

Der Wächter berichtet, Assange habe einen Computermonitor umgestossen und ihn dann am Hemd gepackt. Assange behauptet, vom Wachmann herausgefordert worden zu sein. Ein anwesender Filmemacher gibt später zu Protokoll, Assange sei «ausser Kontrolle» gewesen, wutentbrannt und auf Beleidigungen aus.

In einem späteren Bericht über den Zwischenfall heisst es: «Wir können nicht zulassen, dass solche Ereignisse sich wiederholen und es zu weiteren Angriffen auf Botschaftspersonal kommt.» Der Bericht halte auch fest, dass Assange unter der Belagerung der Botschaft durch über zwanzig britische Polizisten und Agenten leide, schreibt Buzzfeed.

Büchergestell, von selbst gekippt?

Ein ähnlich unkontrolliertes Verhalten zeigte Assange am 4. Januar 2013. Laut dem Protokoll wacht «Mr. Gast» – so das interne Alias des Asylanten – um 06.05 Uhr auf. Fünf Minuten später hören Sicherheitsleute einen lauten Krach in Assanges Zimmer. Als sie anklopfen, stellt sich Assange in die Türöffnung, so dass sie nicht hineinsehen können. Später geht der Wikileaks-Chef für längere Zeit mit dem Laptop auf die Toilette, und ein Wachmann kann das Chaos im Zimmer fotografieren: ein grosses Büchergestell liegt auf dem Boden, dieser ist übersät mit Büchern und anderen Gegenständen.

Assange erzählte später, das Büchermöbel sei von allein umgekippt. Damit räumte er die Sicherheitsbedenken der zuständigen Diplomaten nicht aus. Buzzfeed zitiert einen Bericht, wonach der Gast zu Selbstgesprächen und lautem Schreien neige. Das habe nicht nur mit seiner Stresssituation als Eingeschlossener zu tun, heisst es. Assanges «Natur» sei es, «offensichtliche Wut» und «ein Gefühl der Überlegenheit» zu zeigen. Das wiederum versetze die Menschen um ihn herum in Stress – «insbesondere das Botschaftspersonal, vor allem die Frauen».

Die Mühen machen klar, dass die Botschaft Assange am liebsten längst loshaben und nach Ecuador verfrachten würde. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Auf dem diplomatischen Territorium Ecuadors entzieht sich der Wikileaks-Mann dem Zugriff der schwedischen Staatsanwaltschaft, die ihn aufgrund eines Vergewaltigungsvorwurfs einvernehmen will. Assange sagt, er fürchte, von US-Fahndern aufgegriffen zu werden.

(sut)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anon am 02.09.2015 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    my2cents

    Naja, jeder in seiner Lage hätte wohl Wutausbrüche. Ist doch kein Leben mehr.

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  • Geronimo am 02.09.2015 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenslänglich?

    Wie lange soll diese "Gefangenschaft" noch dauern? Das ist doch kein Leben. Nur eine Frage der Zeit, bis er komplett durchdreht.

  • Leser am 02.09.2015 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    3 Jahre

    in einem Gebäude eingesperrt, weil er sonst ein Leben lang von den Amis weggesperrt wird. Na ja, ich staune, dass er nicht längst durchdrehte. Da sind wohl Selbstgespräche nicht ganz unnatürlich. Seine Arroganz ist da hingegen eine andere Geschichte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria Zosso am 02.09.2015 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bordi?

    Borderliner... Persönlichkeitsstörung... Inteligenter Mann! Hat die Welt verändert... Zumindest die Perspektive... Gut oder schlecht... Exil ist bestimmt das falsche für die langfristige mentale verfassung für ihn & das umfeld...

  • Anna am 02.09.2015 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sein charakter. ...

    Ich finde die leistungen von Herr Aßange beeindruckend und wertvoll aber es ist leider eine tatsache das er ein paranoid und größen wahnsinnig ist (nett ausgedrückt). Ich habe einige Interviews über ihn gesehen und dabei sind auch menschen vorgekommen die ihn kennen/ kannten, sein Charakter wurde dabei wenig schmeichelhaft umschrieben.

    • OdinX am 02.09.2015 23:34 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig aber egal.

      Ich finde dass er jeden Grund hat paranoid zu sein. Eher wäre es krank, in seiner Situation nicht paranoid zu sein. Ein wenig Grössenwahn und Arroganz kann man ihm auch unterstellen, aber das ist mir relativ egal, denn seinen Job hat er gut gemacht, und damit hat er der Welt viel gebracht.

    • Positiv am 03.09.2015 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ja

      Danke, Anna. Sie setzen auf die richtige Quelle: die Leute, die ihn kennen.

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  • Martin am 02.09.2015 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Kann man verstehen, ich würde wohl auch grantig, wenn ich jahrelang in ein Haus gesperrt würde. Ich finde, dafür sollte das Personal Verständnis aufbringen können, und halt mal ein Auge zudrücken

  • Dolfius Schwan am 02.09.2015 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Überheld wird menschlich.

    Der Kerl hat sich genau das organisiert was er verdient: Knast bis zum Wahnsinn. Die Schweden haben ihn perfekt weich gekocht.

  • Arro Gant am 02.09.2015 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Auch ohne Worte..

    Das Bild mit Jesse Jackson spricht Bände ;)