11. April 2005 12:30; Akt: 11.04.2005 12:30 Print

Erich von Däniken wird 70

Gott hat schon manchen auf den rechten Weg gebracht. Bei ihm aber waren es Götter - ausserirdische. Dank ihnen ist aus dem vorbestraften Kellner Erich von Däniken ein weltberühmter Bestsellerautor geworden.

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Von Dänikens 26 Bücher in 35 Sprachen und einer Gesamtauflage von 60 Millionen Exemplaren sind die Frucht einer einzigen Hypothese: Ausserirdische, von den Erdenbewohnern für Götter gehalten, landeten vor Urzeiten auf dem blauen Planeten, brachten den Eingeborenen ihre Technologien und veredelten den humanoiden Genpool durch intergalaktischen Sex und Genmanipulation.

Obwohl der gelernte Hotelfachmann bis heute keinen Beweis für diese Behauptung gefunden hat, liefert er doch seit fast 40 Jahren immer neue Indizien, denen die Wissenschaft nicht viel entgegen zu setzen hat: Technologische Spitzenleistungen in frühen Hochkulturen oder Kosmonauten-Schilderungen in Mythologie und Kunst.

Weder Beweis noch Gegenbeweis

Parade-Beispiel: die riesigen, über 2000 Jahre alten Nasca- Linien in der peruanischen Pampa, die nur aus dem Flugzeug als Zeichnungen erkennbar sind. Däniken vermutete, die Bewohner hätten sie für extraterrestrische Kosmonauten gezeichnet, Wissenschaftler nehmen an, für die fliegenden Astralleiber von Schamanen, was als Erklärung auch nicht viel befriedigender ist.

Auch ein gross aufgemachter «Spiegel»-Titel «Der Däniken- Schwindel» 1973 diskreditierte den Ex-Kellner nicht gross. Es wurde nur bewiesen, dass von Däniken eine Fundstätte nie gesehen hatte, sondern der Schilderung eines Scharlatans namens Juan Móricz aufgesessen war.

«Das seltsame Leben des Erich von Däniken» - so heisst eine von mehreren Biografien über den Hobbyforscher und «Mystery-Park»- Gründer - begann am 14. April in Zofingen. Während seiner Schulzeit in Schaffhausen fackelte der Sohn eines Kleiderfabrikanten aus Versehen die örtliche Badi ab.

Bucherfolg

Im Jesuiten-Internat verschlang er Bücher über Philosophie, Theologie und Archäologie, als Hotelfachlehrling im Berner «Schweizerhof» machte er seine erste Ägyptenreise. Nach der Lehre sass er im Gefängnis wegen Veruntreuung von 12 000 Franken.

Es folgten Stellen in wechselnden Hotels, die Heirat mit der Arbeitskollegin Elisabeth und die Geburt des Sohnes «Peterli». Kurz nach dessen frühem Tod brennt das Hotel, in dem die von Dänikens arbeiten, ab. Wieder wechselnde Stellen, 1963 das zweite Kind Cornelia und 1964 - da arbeitete er in Kanada - der Aufsatz «Hatten unsere Vorfahren Besuch aus dem Weltraum?» in einem Lokalblatt.

Im selben Jahr übernimmt von Däniken das Hotel Rosenhügel in Davos. 1968 erscheint sein Buch «Erinnerungen an die Zukunft», nachdem es 20 Verlage abgelehnt hatten. Es wird ein unerwarteter Erfolg.

Zweite Verurteilung

Ein Jahr später - da hatte er schon eine Viertelmillion Franken an seinem Erstling verdient - kommt von Däniken ins Gefängnis, weil er vergessen hat, 8000 Franken Kurtaxe zu bezahlen. 1982 hebt das Kantonsgericht Graubünden das Urteil auf.

Da ist von Däniken bereits Ehrendoktor der Universidad Boliviana. Es bleibt nicht die letzte Ehrung. 2003 erhält er für den «Mystery Park» den «Goldenen Ideen Oskar».

Und nachdem in den 90er Jahren mehrere Privatsender Serien mit ihm bringen, wird er sogar Musik-Star: Sein «World of Mysteries» schaffte es dieses Jahr auf Platz vier der Schweizer Hitparade.

(sda)