08. April 2005 16:47; Akt: 15.04.2005 15:42 Print

Ermittlungen gegen 630 Polizisten wegen Pornografie

Der Porno-Skandal in der Thüringer Polizei weitet sich dramatisch aus: Auf insgesamt 1.522 Dienstrechnern sind inzwischen pornografische Bilder gefunden worden, 630 Beamte sollen die Daten aus dem Internet weitergeleitet haben, wie ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums am Freitag in Erfurt auf Anfrage sagte.

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Derzeit werde gegen alle betroffenen Beamten ermittelt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Rolf Mundt von der Staatsanwaltschaft Gera.

Die Behörde hatte nach einer anonymen Anzeige zuerst gegen sechs Beamte ermittelt. Nach einer Überprüfung sämtlicher Thüringer Polizeidienststellen war nunmehr das Ausmass des Skandals sichtbar geworden. Die pornografischen Darstellungen böten «die gesamte Bandbreite vom entblössten Busen bis zur Darstellung des Geschlechtsverkehrs», sagte Mundt. «Gott sei Dank» seien keine Bilder im Bereich Kinder- oder Tierpornografie darunter gewesen, sagte er.

Bei den Ermittlungen komme es auf den speziellen Einzelfall an. Wer nur einmal pornografisches Material weitergegeben habe, dessen Verfahren könne wegen geringer Schuld möglicherweise eingestellt werden; wer es mehrfach getan habe, könne eventuell mit einer Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage rechnen, sofern es, je nach der Schwere, nicht doch auch zur Anklage komme.

Entscheidend sei jedoch, dass das Vergehen dienstrechtlich verfolgt werde. Immerhin sei es für die Allgemeinheit nur schwer nachvollziehbar, dass Thüringer Polizeibeamte nichts anderes zu tun hätten, als sich auf ihre Dienstrechner Pornobilder zu laden, sagte Mundt.

(ap)