USA

11. März 2020 15:37; Akt: 11.03.2020 15:37 Print

Unschuldiger läuft nach 35 Jahren wieder über Gras

Sein Wunsch in der Todeszelle ging doch noch in Erfüllung: Nach 35 Jahren kann Paul Hildwin endlich wieder mit nackten Füssen über eine Wiese laufen.

Endlich frei: Paul Hildwin freut sich, wieder über Gras laufen zu können. (Video: Storyful)
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Zwischendurch glaubte Paul Hindwin nicht mehr daran, doch sein Durchhaltewillen hat sich gelohnt: Als er aus den Toren des Gefängnisses läuft, steuert er direkt die nächste Wiese an. Während Jahrzehnten sass er im Gefängnis und sein innigster Wunsch war es, noch einmal Gras unter seinen nackten Füssen zu spüren.

Der 60-Jährige aus Florida wurde nach 35 Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Davon sass er 29 Jahre in der Todeszelle.

Fälschliche Fährte

Der Freilassung geht eine unglaubliche Geschichte voraus: Hildwin wurde 1985 in einem Mordfall verdächtigt. Er sagte, als ihm auf der Autobahn das Benzin ausgegangen sei, habe ihn eine Frau mitgenommen. Sie und ihr Freund hätten sich gestritten, und während sie nicht hingesehen hätten, habe er einen Ring und ein Radio aus dem Auto gestohlen.

Als der Streit heftiger geworden sei, hätten sie angehalten und Hildwin an Strassenrand rausgelassen. Vier Tage später wurde die Leiche der Frau im Kofferraum ihres Autos im Wald gefunden. Als das Diebesgut der Frau in seinem Besitz gefunden wurde, geriet er in Verdacht, sie ermordet zu haben.

Erkenntnisse dank neuer DNA-Technologie

Auf einem Beweisstück am Tatort fanden die Ermittler Sperma und Speichel. Im Jahr 2003 wurden damit DNA-Tests durchgeführt, die Hildwin als Quelle ausschlossen. Eine Organisation, die sich für unschuldig verurteilte Personen einsetzt, kämpfte in den folgenden sieben Jahren darum, dass das DNA-Profil in die Datenbank eingegeben wird.

Im Jahr 2010 ordnete der Oberste Gerichtshof von Florida schliesslich eine Abgleichung mit der nationalen DNA-Datenbank an. Die DNA von Sperma und Speichel stimmte mit dem Freund des Opfers überein. Dieser ist wegen sexuellen Kindesmissbrauchs im Gefängnis.

Nach 35 Jahren Beton wieder Gras unter den Füssen

Ein neuer Prozess startete, doch aufgrund personeller Veränderungen in Hildwins Anwaltsteam sowie wegen gesundheitlicher Probleme verzögerten sich die Verhandlungen um Jahre. In den dreieinhalb Jahrzehnten hinter Gittern bekämpfte Paul Hildwin vier Krebserkrankungen.

Nun liess sich Hildwin auf einen Deal ein und kam auf Bewährung frei. Worüber er sich am meisten nach seiner wiedererlangten Freiheit freute: Gras unter seinen Füssen zu spüren, was er als Erstes nach seiner Freilassung erleben wollte.

Im Video sieht man, wie seine Anwältin zu ihm sagt: «Die Dinge, die wir für selbstverständlich halten, nicht wahr?» Hildwin läuft langsam übers Gras und antwortet: «Es sind die einfachsten Dinge.»

(ajs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oh Mann am 11.03.2020 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Total sinnloses System

    Das Rechtssystem in den USA gehört revolutioniert und zwar umgehend. Es kann ja nicht sein, dass man seine Unschuld beweisen muss????!!!! Dann geschehen nämlich genau solche unmenschlichen Dinge.

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  • SausL am 11.03.2020 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibts nur in den USA

    17 wusste man, dass er nicht schuldig ist...

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  • Fabio Letizia am 11.03.2020 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich mal...

    ...ganz ordentlich alle Verklagen und ganz viel Geld kassieren, wird wohl sein nächster Schritt sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • cyrill am 12.03.2020 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    naja ich hoffe er klagt auf schadenersat

    es ist frechheit, dieser deal wird wohl so sein, das der staat finanziell glimpflich davonkommt, sonst hätte man ihn wohl nicht freigelassen , ich hätte das niemals akzpetiert, ich würde in einem solchen fall auch bis auf 1 mia dollar klagen.

  • Anton Antoise am 12.03.2020 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Karma is a bitch

    Habe ich das richtig gelesen? Ihm geht das Benzin aus und als Dank stielt er einen Ring und ein Radio? Wow.... toller Typ. vielleicht war es dann auch ein bissl Karma mit dem Gefängniss... wird nicht seine erste gute Tat der "Dankbarkeit" gewesen sein...?

  • Karl Ranseyer am 12.03.2020 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Hier sind ja wieder

    die besten Experten unterwegs... " Im Jahr 2003 wurden damit DNA-Tests durchgeführt, die Hildwin als Quelle ausschlossen." Als QUELLE, nicht als TÄTER. Es ist immer noch möglich, dass er am Mord beteiligt war, eben nicht alleine. Der ganze Vorgang bleibt auch damit zweifelhaft, aber immer noch fundierter als die Stammtischmeinung diverser Kommentatoren.

  • The J. am 12.03.2020 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    system??

    diese 29 jahre bekommt er niemals wieder... sorry was ist das für ein system indem man 29 jahre braucht um eine unschuld zu beweisen?

  • Neumann am 12.03.2020 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab

    So, jetzt hat er wieder Gras gespürt. Schlage vor, ihn sofort wieder in Haft zu nehmen für den Rest des Lebens. Nach 35 Jahren in der Todes-Einzelzelle kommt einer draussen nämlich nicht mehr klar.

    • Manuela am 12.03.2020 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Was soll das?

      Was sind Sie für ein Mensch? Wie können Sie so etwas schreiben? Sorry, das ist das Letze.

    • Peter H am 12.03.2020 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      blöd, dumm..........Manuela?

      er ist freu und du hast dafür den Dachschaden

    • Neumann am 12.03.2020 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manuela

      Ich machs weil ich kann. Sie haben dafür wohl jööö-Scheuklappen an und Mühe mit den Realitäten.

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