Millionär unter Mordverdacht

19. März 2015 04:25; Akt: 19.03.2015 13:11 Print

FBI durchsucht Dursts Luxuswohnung

Ist Robert Durst ein dreifacher Mörder? Im Fernsehen hat er sich möglicherweise verraten. Aber damit ist der Krimi noch nicht zu Ende.

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Nach über dreissig Jahren als Verdächtiger muss sich Douglas Durst jetzt wegen eines von drei Morden verantworten. Bild: August 2014 in Houston. Am Samstag, 14. März 2015, wurde Durst in New Orleans festgenommen. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles verdächtigt den Spross einer reichen Immobiliendynastie aus New York, im Jahr 2000 seine Pressesprecherin erschossen zu haben. In orangem Overall und mit Handschellen wurde er am Montag vor Gericht geführt. Durst verzichtete darauf, seine Auslieferung nach Kalifornien anzufechten. Dick DeGuerin, einer von Dursts vier Anwälten, gab sich vor dem Gerichtsgebäude sicher, dass der Mordvorwurf abgewehrt werden könne. Wenn es zur Anklageerhebung kommt, dann wegen des HBO-Filmemachers Andrew Jaretzki. In dessen sechsteiligem Dokudrama «The Jinx» (Der Verhexer) führt Jaretzki neue Beweise gegen Durst vor, darunter ein auf einer Toilette aufgenommenes Geständnis. Der geschäftlich unzuverlässige Durst entfremdete sich früh von seinem Vater Seymour (Bild), weshalb die Führung des Immobilienimperiums an Roberts Bruder Douglas übergeben wurde. Unter Verdacht geriet Durst schon 1982, als seine Frau Kathleen spurlos verschwand. Bild: die Hochzeit 1973. Durst dürfte des Mordes an Susan Berman angeklagt werden. Die Pressefrau war seine Vertraute, und Durst könnte 2001 befürchtet haben, dass die Polizei sie als Zeugin befragen würde. Vor Gericht kam Durst 2003, nachdem er zugegeben hatte, einen Nachbarn in Galveston, Texas, erschossen und zerstückelt zu haben. Bild: Titelblatt der «New York Post» im September 2003. Vor Gericht führte Durst vor, wie sich der Schuss auf den Nachbarn während eines Gerangels gelöst haben soll. Er will aus Notwehr gehandelt haben. Die Geschworenen glaubten ihm und sprachen ihn frei. Bild: Nach dem Freispruch am 11. November 2003 umarmt Durst seinen Anwalt DeGuerin. Daneben steht Anwalt Mike Ramsey. Das stärkste Beweismittel aus dem Dok-Film: Der Ortsname «Beverley Hills» ist auf dem Brief des Mörders (oben) genau gleich falsch mit einem «e» vor dem «y» geschrieben wie auf einem Brief Dursts an die später ermordete Susan Berman (unten). Auch die Handschrift ist dieselbe.

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Der Krimi um den exzentrischen Multimillionär Robert Durst hält die USA in Atem. Am Dienstagabend haben sieben Polizisten und mehrere FBI-Agenten stundenlang sein Luxus-Appartement im texanischen Houston durchsucht. Am Ende brachten die Beamten zwei Kartons voller Dokumente heraus, berichtet der Nachrichtensender CNN.

Für Dursts Anwalt Chip Lewis ist die Hausdurchsuchung «ein Rätsel». Er wäre sehr erstaunt, wenn die Polizei «irgendetwas von Beweiskraft gefunden» hätte. Eine Nachbarin Dursts erzählte dem Sender «ABC 13», wie sie beobachtet habe, als Durst vergangene Woche mit zwei Koffern seine Wohnung verliess. Tage später habe auch ein Mitarbeiter des Millionärs «Gegenstände» abgeholt.

Zwei Briefe – ein Verfasser?

Das wichtigste Beweismaterial gegen den 71-jährigen Durst hat jedoch die zuständige Staatsanwaltschaft in Los Angeles bereits: Es sind zwei Briefe. Bei einem von ihnen handelt es sich um ein anonymes Schreiben, das die Polizei von Beverly Hills Ende Dezember 200o erhielt — nur wenige Tage nach dem Mord an Dursts Pressesprecherin Susan Berman. Darin werden die Ermittler auffordert, nach einem «Kadaver» in der Wohnung der erschossenen Frau zu suchen. Im Dokumentarfilm «The Jinx» gibt Robert Durst zu, dass dieser Brief «nur der Mörder geschrieben haben konnte».

In der finalen Folge des Dokfilms konfrontiert Regisseur Andrew Jarecki den Multimillionär mit einem zweiten Schreiben, das Durst im Jahr 1999 laut eigenen Angaben selbst an Berman geschickt hatte. Der Brief ist in derselben Blockschrift verfasst und wie auf dem vorangegangenen Papier ist der Name «Beverley» falsch geschrieben. «Ich schrieb diesen hier, aber ich schrieb nicht den mit dem Kadaver», sagt Durst dazu.

Dann geht der sichtlich nervöse Mann ins Badezimmer. Über das immer noch angesteckte Mikrofon ist zu hören, wie Durst inmitten anderer wirrer Wortfetzen zu sich selber sagt: «Das ist es. Jetzt haben sie dich. (...) Was zur Hölle habe ich nur getan? Sie alle umgebracht natürlich.»

Bruder traut Durst alles zu

In US-Medien kommen jetzt immer neue Details zur tragischen Lebensgeschichte von Robert Durst ans Licht. Als ältester Sohn der New Yorker Immobilien-Dynastie, der unzählige Luxus-Wohnungen und Büro-Wolkenkratzer in Manhattan gehören, war ihm ein Leben in Reichtum gewiss.

Doch Glück kam nicht dazu: Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war. Mit seinem Bruder Douglas stritt er sich ständig – und der Konflikt eskalierte, als der Vater Douglas dem älteren und eigentlich als Nachfolger an der Spitze des Familien-Imperiums vorgesehenen Robert vorzog.

Inzwischen sprechen die Brüder überhaupt nicht mehr miteinander. Er sei sich sicher, dass Robert schuldig sei, sagte Douglas Durst der «New York Times» – und er habe Angst vor ihm. «Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass er mich umbringen würde, wenn er die Möglichkeit dazu hätte.»

Zuerst aber noch rasch wegen Drogenbesitz vor Gericht

Der Prozess gegen den unter Mordverdacht stehenden Durst dürfte aber noch auf sich warten lassen. Bevor er an das Gericht in Los Angeles überstellt wird, muss sich der exzentrische Millionär in New Orleans wegen illegalen Waffen- und Drogenbesitzes verantworten. Durst erschien am Dienstag vor dem Richter, der für kommenden Montag eine weitere Anhörung ansetzte.

(kle)