Tötungsdelikt

28. Mai 2010 10:12; Akt: 28.05.2010 11:34 Print

Fall Lucie: Aargau stockt Personal auf

Im März 2009 wurde die 16-jährige Lucie im Kanton Aargau ermordet. Dieser zieht nun Konsequenzen.

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Der Mord an Lucie löste grosse Trauer aus. (Bild: Keystone)

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Der Aargauer Regierungsrat reorganisiert den Straf- und Massnahmenvollzug. Er schafft 14 zusätzliche Stellen und gliedert die Bewährungshilfe in die Kantonsverwaltung ein.

Die Übergang der Bewährungshilfe in die Kantonsbehörde schaffe eine enge Zusammenarbeit mit den Vollzugsdiensten und kurze Informationswege, sagte Regierungsrat Urs Hofmann, Vorsteher des Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI), am Freitag vor den Medien in Aarau.

In der neuen Sektion «Vollzugsdienste und Bewährungshilfe» ist auch eine Gruppe Sonderdienste für besonders anspruchsvolle Fälle vorgesehen. Sie soll künftig schwere Fälle koordinieren. Ihre Mitarbeiter müssen über forensische Kenntnisse verfügen.

Mit der Neuorganisation trägt die Regierung einem externen Untersuchungsbericht Rechnung, welcher im Fall Lucie mehrere «Schwachstellen» aufgedeckt hatte. Keine Stelle habe im gesamten Ablauf eine koordinierende Rolle ausgeübt, hiess es.

Ein Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter stellte die Untersuchung jedoch nicht fest. Die neue Sektion soll ihre Arbeit bis Ende 2011 aufgenommen haben. Die Bewährungshilfe, bisher als Verein organisiert, wird per 1. Januar 2011 in die Verwaltung eingegliedert.

Alle Mitarbeiter der Bewährungshilfe dabei

Der Regierungsrat schafft insgesamt 17 neue Stellen, wovon drei bereits im Budget für das laufende Jahr bewilligt wurden. Die Bewährungshilfe allein wird um 2,7 Stellen auf 7,2 Stellen aufgestockt.

Sämtliche Mitarbeiter der Bewährungshilfe würden in die neue Sektion übertreten, hielt Hofmann fest. Die Strukturänderung sei bei den Mitarbeitern der Bewährungshilfe und jenen des Kantons gut angekommen.

«Erheblicher Nachholbedarf»

Die Umstrukturierungen hatte Hans Ulrich Meier, der ehemalige Direktor der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH, erarbeitet. Der Regierungsrat stellte sich hinter sämtliche Vorschläge des externen Experten.

Dieser ortete im Aargau als viertgrössten Kanton «einen erheblichen Nachholbedarf» im Bereich der Abteilung Strafrecht, der Sektion Straf- und Massnahmenvollzug sowie der Bewährungshilfe, wie es in der Organisationsanalyse hiess.

Strafanzeige von Opferfamilie hängig

Das 16-jährige Au-Pair-Mädchen Lucie war am 4. März 2009 von einem damals 25-jährigen Schweizer in dessen Wohnung in Rieden bei Baden AG getötet worden. Der Mann war bereits wegen eines Gewaltdelikts 2004 verurteilt worden.

Er wurde im August 2008 auf Bewährung aus dem Massnahmenvollzug entlassen. Die Strafvollzugsbehörde und die Bewährungshilfe gerieten nach dem Tötungsdelikt ins Schussfeld der Kritik. Sie sahen sich dem Vorwurf ausgesetzt, zu spät gehandelt zu haben.

Die Familie des getöteten Mädchens hatte im vergangenen Januar Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung eingereicht. Die Anzeige richtet sich gegen die Verantwortlichen im Straf- und Massnahmenvollzug. Die Justiz setzte einen ausserordentlichen Untersuchungsrichter ein.

(sda)