Vor Gericht

13. Dezember 2011 16:13; Akt: 14.12.2011 10:02 Print

Familie des Opfers verweigert jede Aussage

Der 69-jährige Adolf B. soll seine Tochter 34 Jahre lang missbraucht haben. Doch die gesamte Familie schweigt eisern zum Vorwurf des Inzests. Der Vorsitzende Richter kämpft mit der Contenance.

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In diesem Haus in Willmersbach (Bayern) soll der 69-jährige Rentner Adolf B. (rechts) seine heute 46 Jahre alte Tochter 34 Jahre lang missbraucht haben. (Bild: Keystone)

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Nur einmal verliert der Vorsitzende Richter im Prozess um den jahrzehntelangen Inzest im fränkischen Willmersbach für einen Moment seine Beherrschung: Als ihn die als Zeugin geladene Mutter des Opfers und Ehefrau des Angeklagten Adolf B. am Dienstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth nicht ausreden lassen will und zunächst auch die Angabe ihrer Personalien verweigert, haut der sonst so besonnen wirkende Günther Heydner wütend mit der Hand auf den Tisch. Ob sie in Haft wolle, schreit er der dünnen, kleinen Frau mit den schlohweissen Haaren zu, bis diese schliesslich zu ihm ans Pult geht und erklärt, dass sie seine Fragen gar nicht hören kann.

Wie auch die drei älteren Brüder des Inzestopfers Renate sowie deren beiden Söhne verweigerte die 73-Jährige am vierten Prozesstag jede Aussage gegen Adolf B. Sie wisse ja nichts, sagte sie. Als sie den Sitzungssaal verlässt, scheucht sie die 69-Jährige mit einer Handbewegung gleichsam nach draussen.

34 Jahre lang vergewaltigt

Seit Ende November muss sich der ehemalige Bauarbeiter wegen 497-facher Vergewaltigung seiner Tochter und Inzest vor Gericht verantworten. Er soll die heute 46-jährige Renate mehr als 34 Jahre lang regelmässig mit Gewalt zum Sex gezwungen haben, in die Anklageschrift schafften es aber nur die noch nicht verjährten Fälle. Anfang 2011 erstattete Renate B. Anzeige gegen ihn.

Zum Prozessauftakt hatte Adolf B. zwar Sex mit seiner Tochter eingeräumt, aber von stets einvernehmlichen Kontakten gesprochen. Aus der Beziehung gingen drei behinderte Söhne hervor, von denen zwei starben. Einen vierten noch lebenden Sohn hat Renate B. aus einer Beziehung mit ihrem Onkel.

Hinter vorgehaltener Hand diskutiert

Am Vormittag hatten Zeugen ausgesagt, dass der Inzest zwischen Adolf B. und seiner Tochter seit den 80er Jahren Gesprächsstoff in der Region gewesen sei. Ein 44-Jähriger aus einem Nachbarort erzählte, er selbst könne sich seit 1982 an entsprechende Gerüchte erinnern. Jeder habe darüber Bescheid gewusst.

Ein 73-jähriger Hobby-Jäger, der den Angeklagten aus Wirtshäusern seit rund 30 Jahren kennt, gab an, das Paar zweimal im Auto auf abgeschiedenen Wegen angetroffen zu haben, das erste Mal etwa Mitte der 80er. Er selbst habe dem Ganzen aber nicht «so viel Bedeutung beigemessen». Allerdings habe er davon gewusst, dass die Willmersbacher hinter vorgehaltener Hand viel über die mutmasslich intime Beziehung diskutiert hätten. «Die wunderten sich, warum die Renate mitmachte», sagte er. Er selbst habe sich indes gewundert, warum die Behörden nichts unternommen hätten.

«Ein Herz und eine Seele»

Einmal vor etwa 20 Jahren will er über den Fall sogar mit einer Mitarbeiterin des zuständigen Landratsamtes gesprochen haben. Diese habe ihm aber klar gemacht, dass sie sich nicht einmischen wolle, weil die Familie so aggressiv sei.

Wirte verschiedener Gaststätten, in denen Adolf B. regelmässig verkehrte, schilderten ihn als friedlich, solange er nichts getrunken hatte. Dann sei er aggressiv geworden. Das Verhältnis zwischen ihm und seiner Tochter beschrieben die meisten als «harmonisch». Es habe auf sie nicht den Eindruck gemacht, als hätte der Vater seine Tochter misshandelt. Ein Wirt sagte aus, die beiden hätten auf ihn wie «ein Herz und eine Seele» gewirkt. An konkreten Beispielen belegen konnte er seine Einschätzung aber nicht.

Der Prozess wird am Freitag mit den Plädoyers fortgesetzt. Möglicherweise wird dann auch schon das Urteil gesprochen.

(ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Boit am 13.12.2011 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wer das Unrecht zulässt, ist mitschuldig

    Kinder stehen zu ihren Eltern immer in Abhängigkeit - nicht nur finanziell bzw. in Bezug auf ihre Reife, sondern auch psychisch. Dass die Tochter ihren Vater nicht ansieht, er sie aber permanent fixiert, zeigt, dass er immer noch starke Macht auf sie ausübt. Und genau darum geht es beim Missbrauch: um Macht! Der Sex ist dabei nur das Mittel. Wer das Unrecht zulässt, macht sich mitschuldig. Dies gilt nicht nur für die Familienmitglieder, sondern auch für den "schweigenden" Arzt oder die wissende Bevölkerung. Hier gibt es weder etwas zu entschuldigen noch umzudeuten.

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  • Harris N. am 13.12.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Krank!

    ....was für eine kranke WELT!!! mir ist echt übel

  • Martin am 13.12.2011 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das verlogene Nest

    Und das ganze Dorf hat es gewusst! Was für ein verlogenes Nest. Alle, die von dieser geschichte eine Ahnung hatten, sollten zur Verantwortung gezogen werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dama am 14.12.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch verjährt bei OPFERN nie!

    Es gibt nichts unmenschlicheres wie unsere WELTWEITE "zivilisierte" Gesetzgebung! Verjährung; was für ein Witz! Halloooo? Stell Dir vor lieber Gesetzgeber Dir geschieht das selbe. Wie fühlt es sich wohl an, wenn Du endlich befreit wirst aus Deinem Elend und Du hörst: Pech das ist zu lange her. Toll danke!

    • Tobi am 14.12.2011 17:36 Report Diesen Beitrag melden

      Warum?

      Ich versteh das Problem nicht. Nach sagen wir 40 Jahren hat sich die Person verändert, wenn diese seit 40 Jahren nichts gemacht hat muss man die Person nicht mehr hinter Gitter bringen? Wofür denn Ihrer Meinung nach? Aus Rache? Damit es "fair" ist? Ich hoffe nicht dass sie diese Meinung vertreten.

    • Martina am 14.12.2011 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Warum??

      @Tobi Damit die Person büßen kann, was sie dem Opfer angetan hat.

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  • lilo am 14.12.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    zum thema schweigende dorfbewohner

    wer von uns ohne schuld ist, der werfe den ersten stein....

    • Edith Zellweger am 14.12.2011 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      Das Leben in der Plasikwelt ist bequem!

      Fakt ist, wenn Kinder, alte Menschen und Tiere gequält werden, schaut die Mehrheit der Menschen immer weg. Der Mensch ist das Übelste was mir auf dieser Erde je begegnet ist! Auf das Menschsein kann man wirklich nicht Stolz sein! Schämen muss man sich!

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  • regula stark am 14.12.2011 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    "...nicht einmischen wollen...

    "Mitarbeiterin des zuständigen Landratsamtes ... dass sie sich nicht einmischen wolle, weil die Familie so aggressiv sei" Super, ja. Sie hat es also versucht, aber aus Angst fallen lassen. Welche Angst dann wohl Familienmitglieder haben könnten, fragte sich wohl keiner...

  • P.Steiner am 14.12.2011 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    menschenmöglich

    Die Menschen - sind sie Götter oder Tiere...?

    • Edith Zellweger am 14.12.2011 19:02 Report Diesen Beitrag melden

      Der Mensch der Teufel auf Erden!

      Also bitte, kein einziges Tier ist so grausam wie ein Mensch! Und die Menschen sind auch keine Götter! Hingegen der Teufel auf Erden -insbesondere den Tieren gegenüber!

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  • Stine am 14.12.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso???

    "...in die Anklageschrift schafften es aber nur die noch nicht verjährten Fälle." Wieso kann so etwas verjähren? Das ist grausam. Die seelischen Schäden des Opfers verjähren nie......