Horror-Haus

01. November 2014 22:00; Akt: 01.11.2014 22:00 Print

Familie zieht in ehemaliges Meth-Labor ein

Eine US-Familie liess ihr neues Zuhause auf Schimmel und undichte Stellen prüfen – nie hätte sie geglaubt, dass stattdessen Tests auf eine Methamphetamin-Belastung nötig gewesen wären.

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Die wohl bekanntesten Meth-Köche: Jesse Pinkman (l.) und Walter White in der amerikanischen TV-Serie «Breaking Bad». (Bild: Keystone/AP/Ursula Coyote)

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Chris und Jennifer Nugent waren überglücklich: Als sie im US-Bundesstaat Indiana ihr Traumhaus mit Umschwung fanden, investierten sie ihr Erspartes von über 140'000 Dollar. Das neue Eigenheim in einem ruhigen Vorort sollte endlich genügend Platz für das Paar, die beiden Töchter und den Sohn bieten.

Doch der Traum wurde zum Albtraum. Kurz nach dem Einzug habe die Familie immer wieder mit Übelkeit zu kämpfen gehabt, erzählt Jennifer Nugent «ABC News».

Die Kinder seien jede Woche krank gewesen. «Sie wachten nachts auf, mussten erbrechen, hatten Magenprobleme und begannen sich erst am nächsten Nachmittag wieder besser zu fühlen», sagte die dreifache Mutter. Die Töchter fehlten in der Schule, der kleine Sohn schlief keine Nacht durch und der Hund wurde so krank, dass er eingeschläfert werden musste.

Methamphetamin-Konzentration 18-mal so hoch wie erlaubt

Nugent berichtet, in und um das Haus habe sie stets einen seltsamen metallischen Geruch «wie eine Handvoll Kleingeld» wahrgenommen, besonders stark in der Küche. Dass dieser in Zusammenhang mit den gesundheitlichen Problemen stehen könnte, wurde ihr erst klar, als sie einem Nachbarn davon erzählte.

Dieser äusserte die Vermutung, dass die ehemaligen Hausbesitzer wohl die Droge Crystal Meth hergestellt hätten. Nugent liess das Gebäude sofort untersuchen, das Ergebnis war schockierend: Im Erdgeschoss herrschte eine 18-mal höhere Methamphetamin-Kontamination als gesundheitlich unbedenklich wäre. Nugents kleiner Sohn hatte während 10 Monaten auf derselben Etage geschlafen.

Moleküle bleiben überall haften

Die Familie zog umgehend aus und liess beinahe all ihren Besitz zurück. Denn: Wird Methamphetamin in geschlossenen Räumen geraucht oder hergestellt, bleiben unsichtbare Moleküle in Teppichen, Wänden und allem andern haften, sagen Experten. Diese Rückstände werden dann inhaliert oder auch durch die Haut aufgenommen. Die Folgen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen.

In das Haus wollen die Nugents nie wieder zurück. Um es aber wieder auf dem Markt anbieten zu können, müssen sie das Gebäude dekontaminieren lassen, was ein Loch in ihre Haushaltskasse reissen wird.

Mit ihrem Horror-Haus steht die Familie in Indiana nicht alleine da. Der US-Staat belegt in einer erst kürzlich veröffentlichten Statistik auf Platz eins, wenn es um die Anzahl entdeckter Drogen-Küchen geht. Die Polizei von Indiana nimmt im Durchschnitt offenbar täglich vier solche Labore hoch. Es existiert sogar eine Website, auf der tausende Häuser aufgelistet sind, in denen Meth gekocht wurde.

(kko)