Geschworenen-Kandidat gestrichen

06. November 2018 22:50; Akt: 06.11.2018 22:51 Print

Fan von «El Chapo» wollte ein Autogramm

Zu einer Überraschung kam es bei der Auswahl der Geschworenen zum Prozessbeginn gegen Drogenboss Joaquín Guzmán in New York.

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Unter seiner Führung soll das mexikanische Sinaloa-Kartell von 1989 bis 2014 unter anderem insgesamt 154'626 Kilogramm Kokain in die USA geschmuggelt haben. Der Geschworenen-Kandidat, der ein Autogramm von «El Chapo» wollte, wurde von der Liste gestrichen. Die Ehefrau von Drogenbaron Joaquín Guzmán äusserte sich am 17. April 2018 erstmals zum Gesundheitszustand ihres Mannes. «Seit 15 Monaten darf ich ihn nicht sehen. Ich mache mir Sorgen um seine Gesundheit, weil ich weiss, dass er psychisch angeschlagen ist», sagte die ehemalige Schönheitskönigin in New York. Joaquín Guzmán soll an Gedächtnisschwund und Depressionen leiden, sagt auch sein Anwalt. Dies aufgrund seiner Isolationshaft in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017). Daher fordert er eine psychologische Untersuchung seines Mandanten. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen nichts einzuwenden, lehnt aber einen persönlichen Arztbesuch aus Sicherheitsgründen ab. (Bild: «El Chapo» bei seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017) Er war der mächtigste Drogenboss der Welt: «El Chapo» wird in Mexiko-Stadt von mexikanischen Soldaten eskortiert. (8. Januar 2016) In diesem Flugzeug der mexikanischen Luftwaffe wurde Guzmán in die USA geflogen. (19. Januar 2017) Soldaten überwachen den Transfer am Flughafen von Ciudad Juárez. Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis von Ciudad Juárez. Bei Guzmáns Verhaftung stürmt ein Kommando der mexikanischen Armee eine Wohnung in der Stadt Los Mochis, Sinaloa. (AP) Wieder hinter Gittern: Chapo Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. (AP) Vor seiner Verhaftung hatte sich der Drogenboss auf eine Liebelei mit der in den USA lebenden mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo eingelassen. Die Nachrichten, die er mit ihr austauschte, sollen die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. (AP/ Matt Sayles) Chapo Guzmáns Heimatort: Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa. (AP/Fernando Brito) Für einen Teil der mexikanischen Bevölkerung ist Chapo Guzmán ein Held – und allemal besser als die korrupte Kaste der Politiker. (AP/Rebecca Blackwell) Blick in den Fluchttunnel, durch den «El Chapo» 2015 aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez González (2.v.r.) schaute sich am Tag nach der Flucht den Eingang zum Fluchttunnel an.

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Im Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán in New York hat ein Geschworenen-Kandidat für Wirbel gesorgt. Im Zuge der Auswahl der Geschworenen wurde am Dienstag bekannt, dass der junge Mann um ein Autogramm des berüchtigten Angeklagten gebeten hatte.

Der im kolumbianischen Medellín geborene, aber seit 20 Jahren in New York lebende Mann hatte über einen Vollzugsbeamten um das Autogramm gebeten. Als der Richter ihn am Dienstag nach dem Grund fragte, sagte er: «Weil ich ein bisschen Fan bin.» Während Guzmán auf der Anklagebank grinste, wurde der Kandidat von der Liste gestrichen.

Zentrum des weltweiten Kokain-Handels

Am Montag hatte der Mann bereits verraten, dass er Krimiserien liebe und sich aufgrund seiner Herkunft bestens mit dem Thema Drogenhandel auskenne – sein Urteil als Geschworener werde dies aber nicht beeinflussen, versicherte er. Medellín war unter dem 1993 gestorbenen Drogenboss Pablo Escobar Zentrum des weltweiten Kokain-Handels.

Die zwölf Geschworenen und ihre sechs Ersatzkandidaten sollen bis Freitag ausgewählt werden. Sie sollen über die Schuld des langjährigen Chefs des Sinaloa-Kartells befinden. Aus Sicherheitsgründen findet das Auswahlverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Lebenslange Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis

Zur Auswahl standen rund hundert Kandidaten. Am Montag wurden bereits 17 von ihnen aussortiert – darunter zwei Frauen, die Sorgen vor möglichen Vergeltungsmassnahmen des Drogenkartells geäussert hatten. El Chapo war der meistgesuchte Mann in den USA nach dem Terroristen Osama bin Laden. Nach zweimaliger Flucht aus der Haft in Mexiko wurde er im Januar 2017 an die USA ausgeliefert.

In dem auf vier Monate angesetzten Mammutverfahren in New York muss sich der 61-Jährige unter anderem wegen Drogenschmuggels, Waffenhandels und Geldwäsche verantworten. Laut Anklage soll das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und grosse Mengen andere Drogen in die USA geschmuggelt haben. Guzmán droht lebenslange Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis.

(afp)