Pakistan

28. November 2018 20:44; Akt: 28.11.2018 22:07 Print

Fels verfehlt Schweizer nur um Haaresbreite

von V. Fehlmann - Im Sommer machte sich eine Gruppe Schweizer Bergsteiger zum Mount Spantik in Pakistan auf. Das Abenteuer wurde beinahe zur Tragödie.

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Ein dramatisches Video verbreitet sich derzeit in den Medien. Es zeigt einen Zwischenfall vom Sommer 2018. Eine Felsplatte hatte sich oberhalb des Base Camp am 7027 Meter hohen Mount Spantik gelöst und donnerte ins Tal – quer durchs Camp.

Die Gruppe, die damals im Basislager war, bestand aus Schweizern und Baltistanis. Die Reise war von der Stiftung Swiss Sherpa organisiert worden. Unter anderem bildet sie seit 2010 Sherpas zu Bergführern aus. Auch zwischen dem 20. Juli und dem 20. August sollten Baltistanis – also pakistanische Hochträger – ausgebildet werden, sagt Patrick z'Brun, Gründer der Stiftung, zu 20 Minuten. «Wir waren mit acht Hochträgern dort.» Vor dem Eintreffen im Basislager seien sie drei Tage lang einen Gletscher entlanggegangen. «Es gab starke Regenfälle, der Boden war deshalb etwas aufgeweicht.» Im Basislager hätten sie sich dann am ersten Tag installiert. «Da war noch alles ruhig», sagt z'Brun.

«Zwei hatten riesiges Glück»

Am zweiten Tag war Ruhetag. Die meisten waren am Zeltaufbauen oder Kleidertrocknen. «Gegen Mittag rief plötzlich jemand ‹Rock, rock!› Ein grosser Fels schoss auf das Basislager zu.» Z'Brun rief der Mannschaft zu, dass alle stehen bleiben und erst im letzten Moment links oder rechts springen sollten. «Kurz vor dem Camp spaltete sich der Fels, sodass zwei grosse Brocken durchs Basislager donnerten», erzählt der 56-Jährige. Sie hätten je einen Durchmesser von rund zwei bis drei Metern gehabt. «Sie machten Zelte platt, zwei Personen hatten wirklich ein riesiges Glück, weil die Felsen nur Zentimeter an ihnen vorbeiflogen.» Dabei habe es sich um Schweizer Teilnehmer gehandelt, berichtet z'Brun.

«Die Felsen zerstörten ein Mannschaftszelt, in dem zwei Minuten zuvor noch Leute drin waren. Auch ein Küchenzelt wurde plattgemacht», erzählt der Bergführer. Nach 20 Sekunden war alles vorbei. «Wir organisierten anschliessend einen Notfallplan, für jeden wurde ein Fluchtweg definiert.» Zudem wurde eine Wache aufgestellt. Tatsächlich sei in der Nacht nochmals der Alarm ausgelöst worden, weil weitere Steine ins Tal gestürzt seien. «Da hatten wir richtig Glück, da man in der Nacht ja nichts sieht.»

Nach dem Zwischenfall gab es ein Happyend

Die halbe Mannschaft sei daraufhin traumatisiert gewesen, sagt z'Brun. «Einige wollten nicht zurück ins Zelt, sondern lieber unter freiem Himmel bleiben, wo es kalt war.» Am Tag darauf haben sich er und sein Bergführerkollege mit zwei Hochträgern aufgemacht, um die Felsen oberhalb des Camps zu begutachten. «Als wir die Ausbruchstelle sahen, funkten wir ins Basislager, dass sofort alles abgebrochen werden muss. Es war nur eine Frage der Zeit, bis weiteres Gestein kam.» Die ganze Gruppe musste daraufhin umkehren.

Verletzt wurde beim Zwischenfall niemand. «Wir wussten, dass wir Glück hatten. Der Vorfall wurde uns aber erst richtig bewusst, als wir zurück in der Schweiz waren und das Video sahen», erzählt z'Brun. Und die Tour endete für die Mannschaft sogar mit einem Happyend: «Einige der Baltistanis boten uns an, dass wir stattdessen in ein Tal gehen könnten, wo noch nie zuvor Ausländer waren. Da gibt es einen Berg, der noch nie bestiegen worden war. Sie boten uns die Erstbesteigung an, die wir dann auch geschafft haben, und auf Vorschlag der Einheimischen wurde der Gipfel auf ‹Swiss Sherpa Peak› getauft», sagt z'Brun. Dies sei von den pakistanischen Behörden mittlerweile offiziell bestätigt. «Unsere Stiftung hat jetzt ihren eigenen Berg.»