Nach Teilgeständnis

11. Dezember 2018 14:10; Akt: 11.12.2018 18:26 Print

Mordverdacht gegen Manuel S. im Fall Peggy

Der im Mordfall Peggy festgenommene Manuel S. gilt laut Polizei als dringend tatverdächtig, das Mädchen selbst getötet zu haben oder bei der Tötung dabei gewesen zu sein.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wird der Mordfall Peggy nach 17 Jahren doch noch aufgeklärt? Bei der Suche nach dem Mörder der Neunjährigen aus dem fränkischen Lichtenberg könnten Polizei und Staatsanwaltschaft einen womöglich entscheidenden Schritt gemacht haben. Seit Dienstag sitzt der 41 Jahre alte Manuel S. in Untersuchungshaft. Ein Mann, dessen Name rund um diesen mysteriösen Mordfall schon wiederholt fiel – und der nun unter dringenden Tatverdacht geraten ist.

Der als Bestatter arbeitende S. schwieg bei seiner Vorführung beim Haftrichter, so die Ermittler. Über seinen Verteidiger liess er allerdings alle Vorwürfe gegen sich zurückweisen.

Diese haben seit dieser Woche eine ganz neue Qualität: Denn schon im September räumte S. ein, im Mai 2001 die Leiche von Peggy weggeschafft zu haben. Doch jetzt glauben die Ermittler, er könnte das Kind eigenhändig getötet haben – oder zumindest bei der Tötung dabei gewesen sein.

Die Grundlage dieser spektakulären Entwicklung lieferte der Zufallsfund der Leiche des Kindes. Im Frühsommer 2016 entdeckte ein Pilzsammler die sterblichen Überreste von Peggy.

Am Fundort der Leiche entdeckten die Ermittler damals auch Pollen und Farbreste, die zu S. führten und diesen so in die Bedrängnis brachten, dass er im September den Leichentransport gestand. Damals gab er an, von einem Mann das leblose Kind übernommen zu haben und es dann in einem Waldstück im nahen Thüringen abgelegt zu haben.

S. bliebt trotz Mordvorwurf auf freiem Fuss

Das Problem für S.: Die Ermittler konnten mit Hilfe von anderen Beweismitteln herausfinden, dass «wesentliche Angaben des Beschuldigten» nicht zu den anderen Ermittlungsergebnissen passen. Kurz gesagt: S. soll vor einem Vierteljahr gelogen haben. So soll der von ihm behauptete Anlass zur Übergabe der Leiche sowie auch der Ablauf des Geschehens von den Ermittlungen widerlegt sein.

Im September war S. noch frei geblieben, obwohl die Staatsanwaltschaft ihm auch da schon einen Mordvorwurf machte. Doch nach einer Vielzahl von Pannen in dem Fall wollten sich die Ermittler offensichtlich nicht die Blösse geben, S. festzunehmen und schon bald wieder laufen lassen zu müssen.

Nun besteht für sie dringender Tatverdacht. Und womöglich reichen die gesammelten Indizien schon aus, dass die Staatsanwaltschaft eine Mordanklage formulieren kann.

Denn auch ein Motiv für die Tat glaubt die Soko Peggy gefunden zu haben. S. könnte demnach eine zuvor begangene Straftat verdeckt haben. Was für eine Straftat das sein könnte, liegt in diesem Fall nahe: Schon aus den früheren Ermittlungen ist bekannt, dass die Grundschülerin von Männern in der Gegend sexuell missbraucht wurde oder Anlass für pädophile Phantasien war.

Manuel S. wurde durch Verhaftung von Ulvi K. entlastet

Eine zusätzliche Brisanz bekommt die Festnahme dadurch, dass S. mit seiner Mutter einen grossen Anteil am ersten Prozess in dem Fall hatte. 2004 war der zu den Bekannten von S. zählende geistig behinderte Ulvi K. als Mörder verurteilt worden.

K. war davor auch deswegen unter Verdacht geraten, weil die Mutter von S. bei der Polizei ausgesagt hatte, K. zur Zeit des Verschwindens in der Nähe des Tatorts gesehen zu haben. Ihr ebenfalls als verdächtig geltender eigener Sohn war dadurch entlastet worden. Erst zehn Jahre nach der Verurteilung wurde K. in einem Wiederaufnahmeverfahren als unschuldig freigesprochen.

S. hatte am Tag des Verschwindens von Peggy seinen 24. Geburtstag. Der Verdacht ist, dass er an diesem Tag zum Mörder wurde – womöglich wird sich S. im kommenden Jahr vor Gericht wegen dieses Vorwurfs verantworten müssen.

(afp)