05. April 2005 09:50; Akt: 05.04.2005 10:19 Print

Fidel Castro besucht erstmals seit Jahrzehnten eine Messe

In einer besonderen Ehrerweisung für den verstorbenen Papst hat der kubanische Staatschef Fidel Castro zum ersten Mal seit Jahrzehnten an einem Gottesdienst teilgenommen.

Fehler gesehen?

Der kommunistische Staatschef besuchte am Montag (Ortszeit) eine vom kubanischen Kardinal Jaime Ortega Alamino geleitete Messe für den Verstorbenen in der Kathedrale von Havanna.

Nach Angaben von Teilnehmern hatte sich Castro zuletzt vor 46 Jahren in dem Gotteshaus blicken lassen: bei der Hochzeit seines Bruders im Revolutionsjahr 1959. In seinen Jugendjahren war der Revolutionsführer allerdings Messdiener gewesen.

Vor seinem Kirchenbesuch hatte sich Castro in das Kondolenzbuch eingetragen, das in der apostolischen Nuntiatur in Havanna auslag, und herzliche Worte für den verstorbenen Papst gefunden.

«Ruhe in Frieden»

«Ruhe in Frieden, unermüdlicher Kämpfer für die Völkerfreundschaft, Feind des Krieges und Freund der Armen», schrieb der 78-Jährige in das Buch. «Dein Abschied tut uns weh, und wir wünschen uns zutiefst, dass dein Beispiel fortdauert.»

Unter den rund tausend Besuchern des Gottesdienstes waren zahlreiche Regierungspolitiker und Diplomaten. Auch der US- Vertreter in Havanna, James Carson, nahm an der Messe teil. Weitere 2000 Menschen verfolgten die Zeremonie über Videoleinwände vor dem Gotteshaus.

Kardinal Ortega drückte vor Beginn seiner Predigt «Dankbarkeit für den ernsthaften Umgang mit dem Tod des Heiligen Vaters Johannes Paul II.» in Kuba aus.

Nachdem die staatlich kontrollierten kubanischen Medien den kritischen Gesundheitszustand des Papstes kurz vor dessen Tod vollständig ignoriert hatten, berichteten sie seit dem Ableben des katholischen Kirchenoberhauptes umso ausführlicher über die bevorstehenden Beisetzungszeremonien und die Gedenkveranstaltungen auf Kuba.

Papst Johannes Paul II. war zwar ein Gegner des Kommunismus, hatte aber das 1962 verhängte Wirtschaftsembargo der USA gegen Kuba als «ungerecht und ethisch inakzeptabel» kritisiert. Ebenso scharf wie er die in Kuba erlaubte Abtreibung verurteilte, wandte sich der Papst gegen die extremen Auswirkungen des Kapitalismus und rief die Jugend zur Abkehr vom Materialismus auf.

Weihnachten feiern

1998 besuchte Johannes Paul II. den Inselstaat und zeigte sich öffentlich an der Seite Castros. Seitdem dürfen die Kubaner wieder offiziell Weihnachten feiern und religiöse Zeremonien begehen. An der Beisetzung des Papstes am Freitag wird für den Karibikstaat eine Delegation unter der Leitung von Parlamentspräsident Ricardo Alarcón teilnehmen.

(sda)