Tief «Xynthia»

28. Februar 2010 15:39; Akt: 28.02.2010 21:42 Print

Föhnsturm streift die Schweiz

Die Schweiz hatte mehr Glück als einige andere europäische Länder. Sie spürte nur noch einen Ausläufer des Sturmtiefs «Xynthia». Trotzdem fegten Windböen mit fast 150 Kilometern pro Stunde über das Land.

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In der Nacht trieb Wintersturm «Xynthia» in den höheren Lagen, am Sonntagnachmittag bis ins Mittelland ihr Unwesen. Kurz vor Mittag wehte der Wind auf dem Berner Bantiger und im Freiburgischen Plaffeien mit bis zu 122 Kilometern pro Stunde. Zwischen der Ajoie im Jura und dem Bodensee erreichten die Böen am Nachmittag Spitzen von rund 100 km/h, wie SF Meteo, der Wetterdienst des Schweizer Fernsehens SF, mitteilte. Auf den Juragipfeln und in den Voralpen wehte der Wind mit bis zu 140 Kilometern pro Stunde.

Das Schlimmste war gegen Mittag aber vorbei: In der Nacht auf Sonntag stürmte der Föhn in den Alpentälern mit Spitzen von fast 150 km/h. Mit 148 respektive 147 Kilometern pro Stunde wehte der Wind in Les Diablerets im Waadtland und in Altdorf am stärksten.

Vom Sturm betroffen waren aber weite Teile der Schweiz. Orkanböen mit über 117 Stundenkilometern gab es auch im Wallis und am Ägerisee im Kanton Zug. An zahlreichen anderen Orten blies der Wind mit über 100 Sachen.

Heftig getroffen wurden Portugal, die nordspanische Küste und vor allem Frankreich, wo «Xynthia» zur nationalen Katastrophe erklärt wurde. Auch in Deutschland schlug der Wintersturm zu. Insgesamt kamen in Europa mehrere dutzend Menschen ums Leben.

Entwurzelte Bäume

An mehreren Orten richtete der Sturm Schäden an. Personen kamen aber keine zu Schaden - im Unterschied zum Ausland, besonders in Frankreich, wo 18 Menschen den Tod fanden, oder auch in Deutschland, wo ein Todesopfer zu beklagen war). Im St. Galler Rheintal wurden Bäume entwurzelt und Äste abgerissen. Bei der Notrufzentrale gingen bis Sonntagmittag rund 30 Hilferufe oder Schadensmeldungen ein, wie die Kantonspolizei St. Gallen mitteilte.

Feuerwehren und Polizei mussten einige Strassen sperren, weil die Gefahr gross war, dass die Bäume dem Föhn nicht standhalten würden. Zudem mussten sie Strassen räumen und Baustellen-Signalisationen wieder aufstellen.

Im Waadtland behinderten umgefallene Bäume den Verkehr auf mehreren Bahnlinien und Nebenstrassen. In La Tour-de-Peilz fielen zwei Bäume auf Fahrzeuge. Stromleitungen wurden heruntergerissen, einige Haushalte in der Region um Bex blieben ohne Strom. Feuerwehr und Polizei rückten zu Dutzenden Einsätzen aus.

Föhn treibt Temperatur in die Höhe

Der Föhn liess auch die Temperaturen ansteigen. Am Nachmittag wärmte er die Luft in Buchs SG auf 16,5 Grad auf. Knapp 16 Grad wurde es in Basel und Glarus. Schon in der Nacht betrug die Temperatur am östlichen Teil des Bodensees 15 Grad. Im St. Galler Rheintal, im Glarnerland und im Werdenbergerland waren es 14 Grad.

Grund für die Stürme ist das Tief «Xynthia», das sich in der Nacht auf Samstag über Portugal gebildet hatte und von dort über Europa fegte. Mehrere Menschen kamen in Portugal, Frankreich und Spanien ums Leben. Die Schweiz allerdings spürte am Sonntagnachmittag nur noch einen Ausläufer des Sturmtiefs.

(sda)