Jerusalem

16. Dezember 2009 15:52; Akt: 16.12.2009 16:04 Print

Forscher finden «echtes» Grabtuch

In einer Gruft aus Jesu Zeiten haben Forscher in Jerusalem Reste eines Leichentuchs entdeckt. Seine Machart ist ein starkes Indiz dafür, dass das legendäre «Grabtuch von Turin» eine Fälschung ist.

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Die in Stein gehauene Gruft mit mehreren Kammern liegt im Hinnom-Tal auf einem Friedhof, der bereits in der Bibel (Matthäus 27:3 - 8) als Blutacker beschrieben wurde, schreiben die Forscher der Universität Lakehead in Kanada im Fachmagazin «PLoS ONE». Angeblich hat Judas Ischariot dort Selbstmord begangen, nachdem er Jesus verraten hatte.

Der Fund eines Leichnams mit den Resten eine Leichentuchs wirft ein neues Licht auf das «Grabtuch von Turin», von dem viele Gläubige überzeugt sind, dass Jesus Christus darin beerdigt wurde. Denn das Webmuster der nun aufgetauchten Stücke ist sehr viel einfacher als die komplexe Struktur des Turiner Tuchs.

Die Forscher sind gemäss BBC überzeugt, dass ihr Fund typisch ist für die zu Zeiten Jesu gebräuchlichen Leichentücher. Das Turiner Grabtuch stamme folglich nicht aus dem ersten Jahrhundert. Bereits vor 20 Jahren hatten Untersuchungen mit der Radiokarbonmethode ergeben, dass das Grabtuch vermutlich im Mittelalter entstanden ist.

Lepra und Tuberkolose

Der Fund in Jerusalem ist noch aus einem anderen Grund von grossem Interesse, denn der männliche Leichnam hat offenbar an Lepra und Tuberkulose gelitten, berichtete das Forscherteam. Bei anderen Verstorbenen in der Gruft seien ebenfalls Anzeichen von Tuberkulose gefunden worden. Man habe DNA-Proben entnommen, um die Verwandtschaftsverhältnisse zu klären. Es sei das erste Mal, dass ein Grab aus dem ersten Jahrhundert der modernen Zeitrechnung mit molekularen Mitteln untersucht wurde.

«Der Fund ist wichtig für das Verständnis der geografischen und zeitlichen Verbreitung von Tuberkulose und Lepra im Altertum», halten die Forscher fest. Die molekulare Archäologie könne künftig viel zur Erforschung von Krankheiten im Altertum beitragen. Vor ein paar Wochen hatten Forscher der ETH Lausanne berichtet, bei einer ägyptischen Mumie aus dem vierten Jahrhundert Anzeichen von Lepra gefunden zu haben.

(pbl/sda)