20. November 2006 20:19; Akt: 20.11.2006 20:19 Print

Frau im Schlaf mit Hammer erschlagen

In Bellinzona muss sich ein 24-jähriger Pakistaner wegen Ehrenmordes an seiner Ehefrau verantworten. Der Mann ist angeklagt, seine vier Jahre jüngere Ehefrau mit einem Hammer erschlagen zu haben. Sie hatte sich geweigert einen Schleier zu tragen und sich einen Job gesucht.

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Der Staatsanwalt sprach zum Prozessauftakt am Montag von einem Mord mit besonderer Perversität und Skrupellosigkeit. Der Angeklagte erschien mit Bart und traditioneller pakistanischer Kleidung vor Gericht. Auf die Frage des Richters, wieso er bei der Einreise in die Schweiz europäisch gekleidet war, antwortete der Angeklagte, dass dies ihm geraten worden sei, damit er einfacher über die Grenze komme. Der Staatsanwalt wirft dem Pakistaner einen skrupellosen Ehrenmord vor. Er habe sich und seiner Familie mit dem Mord die angebliche Schande einer unwürdigen Ehefrau ersparen wollen, urteilt er in der Anklageschrift. Die Verteidigung plädiert auf ein passionales Delikt und schiebt die Ursache auf die traditionelle islamische Kultur des Angeklagten.

Gemäss Anklageschrift kaufte sich der Pakistaner zwei Tage vor der Tat einen 1,5 Kilogramm schweren Hammer. Am Sonntagmorgen, 24. Juli 2005, betrat er das Schlafzimmer, wo seine 20-jährige Ehefrau mit dem Rücken zur Tür seitlich auf dem Bett lag. Er näherte er sich der Frau von hinten und schlug ihr mit dem Vorschlaghammer mehrmals heftig auf den Kopf, wie es in der Anklageschrift weiter heisst. Bevor der Täter die Nachbarn alarmierte, habe er sich selber mit einem Küchenmesser mehrere oberflächliche Schnittwunden an Brust und Oberschenkel zugeführt, um eine Aggression der Frau vorzutäuschen, die eine Notwehr gerechtfertigt hätte. Die junge Frau starb kurz nach der Einlieferung ins Spital von Bellinzona. Der Ehemann wurde unter Tatverdacht am Tag darauf verhaftet.

Frau wollte sich offenbar scheiden lassen

Die Notwehr-These kam am ersten Prozesstag sofort zu Fall. Zu den näheren Motiven des Mordes wurde jedoch noch nichts bekannt. Der Angeklagte stritt vieles ab und gab oft vor, sich nicht mehr erinnern zu können. Das Urteil wird voraussichtlich am Mittwoch kommender Woche gefällt.

Das Ehepaar - die beiden waren Cousins - hatte erst drei Monate vor der Tat geheiratet. Die Ehe war von den beiden Elternpaaren arrangiert worden. Die junge Braut kannte ihren späteren Gatten nur flüchtig. Sie lebte seit ihrem dritten Lebensjahr mit ihren Eltern im Tessin und hatte kurz vor der Tat das Schweizer Bürgerrecht erworben. Der Mann reiste drei Tage vor der Hochzeit in die Schweiz. Nach der Eheschliessung arbeitete er als Schweisser.

Die junge Frau wurde muslimisch erzogen, war aber gut integriert. Sie verweigerte den Schleier und trug Hosen. Zuvor arbeitete sie als Verkäuferin in Lugano. Auch nach der Heirat wollte sie berufstätig bleiben und ihr gewohntes Leben weiterführen. Als ihr der Ehemann dies verbieten wollte, antwortete die junge Frau, sie werde sich scheiden lassen, auch gegen den Willen der Familien. Diese Ankündigung habe den Mann dann offenbar zur Tat bewogen.

(ap)