01. Juni 2007 07:01; Akt: 01.06.2007 08:06 Print

Freier Blick aufs Mittelmeer für alle

Sommer, Sonne, blaues Mittelmeer: Rund 3500 Kilometer Strände hat Italien. Nur: Fast ein Drittel der Strände ist in den Händen von Strandbädern, die immer mehr Eintrittsgeld verlangen. Die Regierung will jetzt Gegensteuer geben.

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Sie hat deshalb angeordnet, dass der Zugang zum Meer und zu den ersten fünf Metern Strandlinie für alle Badefreunde gratis sein muss. Dagegen machen aber die Besitzer der so genannten «stabilimenti» mobil. Einige drohten bereits, ihre Anlagen aus Protest zu schliessen.

«Immer teuerer»

«Anders als in fast allen anderen Ländern der Welt werden die Strände in Italien immer teurer und immer weniger zugänglich», brachte es die Zeitung «La Repubblica» auf den Punkt. Mittlerweile verlangen die Bäder durchschnittlich Preise von 15 bis 20 Euro Eintritt. Liegestühle und Schirme kosten extra.

Viele Italiener, die ein Sommerhaus in Strandnähe haben, ziehen es vor, in einem «stabilimento» gleich für die ganze Saison zu buchen. Inklusive Liegestuhl, Umkleidekabine und Sonnenschirm müssen sie dabei mittlerweile Spitzenpreise von zwischen 1500 und 3000 Euro pro Person hinblättern.

Und die Regel ist: Wer kein Ticket bezahlt, darf auch nicht zum Strand. Nur die so genannten «freien Stände», wo Sonnenhungrige sich auf einem Handtuch im Sand ausbreiten dürfen, sind weiterhin kostenlos. Doch sie liegen oft eingequetscht zwischen zwei Bädern und sind voll mit Leuten, die fürs Baden nicht bezahlen wollen.

Hilfe von den Grünen

Die Grünen wollen nun Hand bieten zur Rückeroberung der Strände. In ihrem «Handbuch zur Selbstverteidigung der Badegäste» erklären sie den Bürgern, wie es eigentlich um ihre Strand-Rechte bestellt ist: «Das Meer ist ein Recht für alle» und «Wir sagen Nein zu einem Meer hinter Gittern!» sind nur zwei der Slogans im Büchlein.

Grünen-Politiker Angelo Bonelli erläutert: «Wir kämpfen gegen völlig veraltete Normen, durch die ein Gemeingut, wie es Strände nun einmal sind, komplett in die Hände von Bade-Unternehmern gelegt wurde.»

Ganz anders sieht das die Gewerkschaft der italienischen Badeanlagenbetreiber. Sie argumentiert, dass allein in der Toscana etwa 53 Prozent der Tourismus-Einnahmen von den Strandbädern herrühren.

«Wenn wir mehr Geld umsetzen als die Kunststädte, dann muss das wohl an den guten Dienstleistungen liegen, die wir unseren Kunden bieten», sagte Graziano Giannessi, der selbst eine Anlage betreibt. «Wir bezahlen Steuern und Verwaltungskosten. Wer soll das denn machen, wenn die Strände plötzlich allen gehören?»

Gesetze gibt es schon lange

Die Konsumentenvereinigung Codacons räumte unterdessen ein, dass es schon seit Jahrzehnten Gesetze gibt, die den freien Zugang zum Meer sichern sollen, nur würden sie nie richtig respektiert. Der Präsident der Vereinigung, Carlo Rienzi, versucht nun, die Wogen zu glätten.

Er schlug vor, freien Stränden künftig einfach mehr Platz einzuräumen und in den Strandbädern spezielle Wege anzulegen. Auf diesen sollen nicht zahlende Badegäste problemlos das Meer erreichen können, ohne einen Liegestuhl mieten zu müssen. Wer den «Krieg der Strände» letztlich gewinnt, ist völlig offen.

(sda)