12. April 2005 15:46; Akt: 12.04.2005 15:49 Print

Freispruch für «lesenden» Autofahrer

Zum Prozess am Bezirksgericht Zürich kam es, weil der Automobilist, ein 46-jähriger Rechtsanwalt, die vom Stadtrichter verhängte Busse von 100 Franken sowie Gebühren von 160 Franken nicht akzeptieren wollte und deswegen Einspruch erhob.

Fehler gesehen?

Er war mit einer Zeitung auf dem Lenkrad unterwegs gewesen. Der Schuldspruch hatte auf «Vornehmen einer die Fahrzeug- Bedienung erschwerenden Verrichtung» gelautet. Gemäss Polizei soll er während des Fahrens gelesen haben. Das angebliche Vergehen passierte im Oktober 2003 im stockenden Kolonnenverkehr am Zürcher Sihlquai.

Nur während Haltezeiten gelesen

Der Rechtsanwalt übernahm vor Gericht seine eigene Verteidigung. Er gab zwar zu, dass er die Zeitung auf dem Lenkrad platziert habe. Allerdings habe er bloss während den Haltzeiten gelesen. Beim Fahren habe er seine Aufmerksamkeit auf die Strasse gerichtet. Der Richter kam zu einem Freispruch. Einerseits habe kein Polizeibeamter bestätigen können, dass der 46-Jährige die Zeitung während des Fahrens gelesen habe. Andererseits habe ein Augenschein im Auto gezeigt, dass sämtliche Geräte des Fahrzeugs trotz der Zeitung auf dem Lenkrad bedienbar gewesen seien.

Bei der Urteilsverkündung betonte der Richter, dass der Freispruch keinen Freipass für das Lesen am Steuer bedeute. In diesem Fall hätten lediglich die konkreten Umstände sowie der mangelnde Nachweis zur Aufhebung der Bussenverfügung geführt.

(sda)