Blutige Hormongewinnung

03. Oktober 2015 19:02; Akt: 03.10.2015 19:02 Print

Für unser Schweinefleisch werden Pferde gequält

Auf Pferdeblut-Farmen in Südamerika wird trächtigen Stuten literweise Blut abgenommen. Daraus werden Tiermedikamente hergestellt – auch für die Schweizer Schweinezucht.

storybild

Begehrte Schwangerschaftshormone: In Uruguay leiden Pferde, um die Schweizer Fleischproduktion zu optimieren. (Bild: Screenshot «Kassensturz»/SRF)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf Weiden in Uruguay weiden zahlreiche Pferde, viele davon sind trächtig. Doch sie werden ihr Fohlen nicht zur Welt bringen – nur ihr Blut interessiert.

Die Pharmaindustrie stellt aus den Schwangerschaftshormonen dieser Tiere ein Medikament her, dass die Schweinemast in Europa ankurbeln soll, wie die Sendung «Kassensturz» auf SRF berichtet. Muttersauen sollen auf diese Weise nach dem Wurf möglichst schnell wieder trächtig werden und mehr Ferkel werfen.

Zehn Liter Blut pro Woche

Das Vorgehen haben Mitarbeiter des Tierschutzbunds Zürich aufgedeckt und mit versteckter Kamera gefilmt. Zu sehen sind bis stark abgemagerte und kranke Pferde.

Rund zehn Liter Blut nehmen Arbeiter den Stuten einmal wöchentlich ab. Sie würden die Wildtiere systematisch schlagen, erzählt York Ditfurth vom Tierschutzbund Zürich gegenüber dem SRF: «Da wird auf sie eingeprügelt, bis sie ruhig stehen, sie sind dann leicht betäubt, damit man ihnen die Katheternadel setzen kann. Diese ist sehr gross, sehr lang und sehr dick, damit entsprechend schnell viel Blut kommt», schildert sie den grausigen Ablauf.

Ungeborene Fohlen werden von Hand getötet

Aus dem Blut gewinnt man das Hormon PMSG. Daraus stellt die Pharmaindustrie Hormonpräparate für die Tierzucht her, die in der Schweiz zugelassen sind und zum Einsatz kommen.

Da die Stuten das begehrte Schwangerschaftshormon nur bis zum 130. Trächtigkeitstag produzieren, werden die ungeborenen Fohlen danach von Hand getötet. Die Pferde würden sich danach selbst überlassen, schildert Ditfurth im Beitrag.

Sie landen dann zum Beispiel in den Sammelstellen des Schlachthofs Clay, im Departement Canelones in Uruguay – von da bezieht auch der Verband der Schweizer Pferdefleischimporteure (VPI) regelmässig Fleisch. Man werde künftig «Pferdefleisch von Pferden, welche für die Produktion von PMSG eingesetzt werden, verbieten», heisst es in einer Stellungnahme des VPI.

Stuten-Hormon in der Schweiz

In der Schweiz bekommen rund zehn Prozent der Mutterschweine einmal im Jahr eine PMSG-Spritze. Nur auf Bio-Betrieben sind solche hormonellen Behandlungen untersagt.

Der Zentralpräsident vom Verband Suisseporcs zeigt sich im Interview mit dem «Kassensturz» überrascht. Man habe davon nichts gewusst und billige solche Zustände keineswegs. Auch Migros und Coop haben sich dazu geäussert und wollen die Prozedur auf keinen Fall akzeptieren.

Kein Importverbot

Obschon der Umgang mit den Pferden nicht den Schweizer Tierschutzstandards entspricht, erlassen die Behörden kein Verbot. Denn niemand fühlt sich dafür zuständig.

Das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit BLV sagt gegenüber der SRF-Sendung «Espresso», der Sachverhalt sei bekannt und bedauernswert. Ein Eingreifen sei jedoch schwierig, «da wir keinen Einfluss auf ausländische Tierschutzgesetzgebungen haben».

Auch beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic will man von einem Verbot nichts wissen. Ein Importverbot aus Tierschutzgründen sei nicht möglich. Eine Zulassung könne lediglich aufgrund der Kriterien Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit verweigert werden.

Der Schweizer Tierarztverband schiebt die Verantwortung auf den Hersteller des Präparats ab. Man könne höchstens eine Empfehlung abgeben, auf das Produkt zu verzichten.

(pat)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Crissie am 03.10.2015 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das darf doch wohl nicht wahr sein!!!

    "Obschon der Umgang mit den Pferden nicht den Schweizer Tierschutzstandards entspricht, erlassen die Behörden kein Verbot. Denn niemand fühlt sich dafür zuständig. " Wenn ich so etwas lese, wird mir schlecht!!

  • Löwe am 03.10.2015 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Ist doch schon krank genug, dass Muttersauen Hormone gespritzt bekommen, um ja so schnell wie möglich wieder schwanger zu werden. Da versteht man die Veganer dann eben irgendwie doch, die einfach nichts mehr mit diesem System zu tun haben wollen...

  • Babs am 03.10.2015 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar!

    Es ist einfach unfassbar, wozu der Mensch fähig ist! Da wird mir übel, wenn ich an die armen Tiere denke. Etwas unethischeres als der Mensch gibt es auf unserer Erde nicht. Ich hoffe einfach, dass diese Menschen ihre Strafe bekommen, früher oder später.

Die neusten Leser-Kommentare

  • wurks am 04.10.2015 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zulässige Blutmenge beim Spenden

    Ein Mensch, (ca 70 Kg) der Blut spendet, darf nur alle drei Monate 0,45 Liter Blut abgeben. Nach meiner Berechnung dürfte dann ein Pferd (ca 450 Kg), etwa 2,89 Liter in drei Monaten abgeben. Es ist unverantwortlich, einem Pferd pro Woche zehn Liter Blut abzunehmen!

  • wissender am 04.10.2015 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    wieso wird sich darüber...

    ..aufgeregt? Seit der Erfindung der POCKEN Schutzimpfung wird Impfstoff aus Spendern gewonnen! Nachweislich ist das syntetisch hergestellte Serum NICHT so wirksam wie das aus 'LEBEND' Spendern gewonnene Serum.

  • AKo am 03.10.2015 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widerwärtig

    Einfach widerwärtig und in keiner Weise tolerierbar. Ich erwarte, dass die Fleischproduzenten und ihre Abnehmer umgehend die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

  • B. Ayer am 03.10.2015 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Auch für Frauen

    In den 80 und 90- Jahren wurde dies auch für "Wechseljahrprobleme" für Frauen gemacht. Bestimmte Hormon-Produkte wurden genau daraus gemacht !!!

  • Urs am 03.10.2015 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boykott

    Man sollte die Pharmaindustrie einfach nur boykottieren. Für jedes Chemisches Medikament gibt es auch natürliche Medikamebte. Dazu soll man sein Fleisch nur von einem Bio Bauern aus der Region kaufen. Die Pharmaindustrie ist ein Gigant, welcher ohne Käufer (die es eigenltich garnicht brauchen) gar nicht existieren würde.