Indien

02. Oktober 2009 15:02; Akt: 02.10.2009 15:30 Print

Gandhi-Füller wäre für Gandhi zu teuer gewesen

von Erika Kinetz/AP - Ein Luxus-Schreibgerät namens Mahatma Gandhi hat in Indien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gandhi als Markenbotschafter einzusetzen verhöhne Gandhi und beleidige die ganze Nation, hiess es auf einer indischen Website.

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Ein rund 25 000 Franken teurer Luxus-Federhalter zum 140. Geburtstag von Mahatma Gandhi hat in Indien Empörung ausgelöst. Ein Plakat des Herstellers Montblanc zeigt den in einfachen weissen Stoff gekleideten Gandhi über einem Bild des edlen Schreibgeräts. Eine Verbraucherorganisation reichte Klage ein, um den Verkauf zu stoppen. «Mahatma Gandhi vertrat einen schlichten Lebensstil», sagte Dijo Kappen vom Center for Consumer Education zur Begründung.

Verhöhnung und Beleidigung

Gandhi, der im Ausland hergestellte Produkte gemieden und sich für ein einfaches Leben eingesetzt hatte, dürfe nicht zu einem Markenbotschafter für einen weltweit aktiven Luxusgüter-Hersteller gemacht werden, heisst es auf einer indischen Website. Kappen sagte der Nachrichtenagentur AP, das einzige, was Gandhi unterstützt habe, seien in Indien hergestellte Güter gewesen. Ihn als Aushängeschild zu verwenden, sei «eine Verhöhnung dieses grossartigen Mannes und eine Beleidigung der gesamten Nation».

Die Zeitung «Mint» fragte mit Blick auf ein in die Feder des Füllers eingraviertes Bild Gandhis, wo in diesem Produkt denn etwas von dem geistigen Führer der Unabhängigkeitsbewegung stecke. Der für Indien, Afrika und den Nahen Osten zuständige Montblanc-Regionaldirektor Oliver Goessler sagte dazu, alles, was Gandhi und seine Gedanken wieder ins Gedächtnis rufe, «kann nur gut sein». Der Edel-Füller sei nicht opulent, sondern «ein gediegenes Schreibinstrument.»

Verkauft werden lediglich 241 von Hand hergestellte Exemplare, um an die 241 Meilen zu erinnern, die Gandhi während seines spektakulären Salzmarsches 1930 zurücklegte. Geschmückt sind sie mit Gandhis Unterschrift und einem Opal. Dazu gibt es einen acht Meter langen goldenen Faden, der um den Füller gewickelt werden kann und an eine Spindel erinnern soll. Beigelegt ist zudem ein Büchlein mit Zitaten des am 2. Oktober 1869 geborenen Gandhi.

«Das ist zu teuer für mich»

Goessler zufolge hat Montblanc den Verkauf des Luxus-Schreibgeräts mit zwei Wohltätigkeitsinitiativen verbunden. Am Dienstag ging demnach ein Scheck über 100 000 Euro an Gandhis Urenkel Tushar Gandhi für dessen Stiftung. Ausserdem soll die Stiftung zwischen 10.000 und 50.000 Rupien (144 bis 720 Euro) für jeden verkauften Füller erhalten. Auch einen der teuren Füller bekam Tushar Gandhi - den er aber nicht benutzt: «Das ist zu teuer für mich».

Und nicht zuletzt hat Montblanc eine billigere Version in die Läden gebracht. Die Produkte kosten zwischen 2200 und 2500 Euro und sind damit immer noch unerschwinglich für die meisten Inder. Mehr als 450 Millionen Einwohner des Subkontinents leben von weniger als einem Euro pro Tag.