04. April 2005 10:37; Akt: 04.04.2005 10:38 Print

Geiselnahme in Naumburger Gefängnis glimpflich beendet

Ohne Blutvergiessen ist am Montagmorgen eine neunstündige Geiselnahme im Naumburger Gefängnis beendet worden.

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Die beiden festgehaltenen Beamten wurden gegen 0.30 Uhr von Spezialkräften der Polizei aus der Gewalt von zwei Häftlingen unverletzt befreit. Einer der beiden Geiselnehmer erlitt bei der Polizeiaktion nach Angaben der Staatsanwaltschaft leichteste Verletzungen.

Die Geiseln, ein Mann und eine Frau seien körperlich unversehrt, stünden aber noch unter Schock, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jörg Neufang. Sie seien noch vor Ort von Ärzten und Psychologen betreut worden. Ihre Vernehmung sei bislang nicht möglich gewesen.

Die 37 und 44 Jahre alten Häftlinge hatten mit der Geiselnahme ihre Freilassung erzwingen wollen. Beide sind zu langen Haftstrafen verurteilt, einer lebenslänglich. Ihnen droht nach Auskunft des Oberstaatsanwalts nun eine weitere Anklage unter anderem wegen Geiselnahme, für die der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vorsieht.

Die Männer hatten am Nachmittag zunächst drei Bedienstete in ihre Gewalt gebracht und sie mit einer Schere bedroht. Eine Geisel konnte sich aber selbst befreien. Anschliessend verschanzten sich die Gefangenen mit den Bediensteten in einem Zellentrakt, einem langen Flur, von dem die Hafträume abgehen, und verschlossen mit Hilfe des erbeuteten Schlüsselbundes sämtliche Tore.

Wie es zu der Geiselnahme kommen konnte und wie die Gefangenen an die Schere gelangt waren, war zunächst unklar. «Jetzt läuft die ganz normale Tatortarbeit», erklärte Neufang. Über die Geiselnehmer konnte er noch keine näheren Angaben machen. Beide hätten ihre Haftzeit nicht nur in Naumburg, sondern auch in Gefängnissen anderer Bundesländer verbüsst.

Zur Befreiungsaktion gebe es aus polizeitaktischen Gründen keine Angaben. Ob es Konsequenzen für die Anstalt gebe, sei noch unklar. Das Gefängnis sei sehr gut gesichert, da hier «Schwerstkriminelle einsitzen», sagte Neufang.

In der Justizvollzugsanstalt Naumburg in Sachsen-Anhalt gibt es 293 Haftplätze für Männer mit Freiheitsstrafen von mehr als vier Jahren, für Sicherungsverwahrung sowie Untersuchungshaft. In dem Gefängnis hat es bereits mehrere Geiselnahmen gegeben, die zum Teil ebenfalls von einem Sondereinsatzkommando der Polizei beendet wurden - wie zuletzt vor vier Jahren: Am 20. Februar 2001 hatte ein 34-jähriger verurteilter Mörder auf der Krankenstation eine Krankenschwester mit einem Besteckmesser bedroht, gefesselt und als Geisel genommen, aber keine Forderungen gestellt. Vier Stunden später stürmten SEK-Beamte den Raum und befreiten die Krankenschwester, die einen Schock erlitt. Der Häftling wurde zu weiteren acht Jahren verurteilt.

(ap)