Erdbeben in Japan

16. März 2011 19:03; Akt: 16.03.2011 19:03 Print

Gespenstische Ruhe in Tokio

Knapp eine Woche nach der Katastrophe in Japan ist die sonst lärmende Millionenmetropole Tokio extrem ruhig. Derweil versinkt der Nordosten unter dem Schnee.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Universität Sheffield hat eine interessante Grafik veröffentlicht, in welcher die Welt nach dem Erdbebenrisiko gewichtet zeigt (). Die Situation in den 2400 Evakuierungszentren wird prekär: Wasser, Heizöl und Essen müssen rationiert werden. In vielen Dörfern, in denen keine Evakuierungszentren eingerichtet werden können, ziehen die Nachbarn zusammen. Damit sparen sie Energie beim Kochen und je mehr Menschen sich in den Wohnräumen aufhalten, umso höher ist die Raumtemperatur. Viele Japaner besorgen Esswaren auf provisorischen Märkten. «Ich nehme das, was es gibt», sagt eine ältere Frau, «und bin für alles dankbar.» In einigen vom Tsunami betroffenen Städten wurden die Strassen frei geräumt - nun kann effizienter evakuiert werden. Im Katastrophegebiet erschweren derzeit Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui. Als sei die Lage nicht schon schlimm genug, liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. An vielen Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Die Menschen decken sich dort mit Heizöl ein. Die Zerstörung der Stadt Itsuchi in der Präfektur Iwate. Die Stadt existiert nicht mehr. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - dem Erdboden gleich. Minamisanriku in der Präfektur Miyagi - nichts bleibt übrig nach dem Tsunami. Sendai wurde vom Tsunami am härtesten getroffen. Eine Frau aus Miyako hat ihre Mutter und ihren dreijährigen Sohn verloren. Die toten Körper wurden im Haus gefunden. Eine Frau und ihre Tante in tiefer Trauer, als sie sich nach dem Erdbeben und Tsunami wieder treffen. Ein Schulzimmer in Otsuchi. Angestellte einer Firma geschockt, als sie ihren Arbeitsplatz wiedersehen in Minamisanriku, Miyagi. Überlebende vor den Toten in Rikuzentakata. Eine Harley Davidson sitzt auf Trümmern in Soma in der Präfektur Fukushima. Eine alte Frau kehrt zurück nach Hause - oder was davon übrig geblieben ist - in Otsuchi. Die Stadt Otsuchi - nichts bleibt übrig. Das Wasser ist hochgradig verschmutzt in Fudai. Schiffe in Kesennuma sind dort, wo sie nicht sein sollten. Der Tsunami beförderte Boote weit ins Landesinnere. Auch grosse Schiffe wurden von der Flutwelle wie Spielzeuge mitgerissen. Überlebende des Erdbebens versuchen, sich über die Dächer der eingestürzten Häuser in Sicherheit zu bringen. Nach wie vor wird fieberhaft nach Überlebenden des Tsunami gesucht. Die Flutwelle brachte meterhoch Schlamm in die Küstengebiete, was die Arbeit der Helfer erschwert. Trauer und Verzweiflung in Japan: Vielfach können Menschen nur noch tot geborgen werden. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist schwierig. Wo es noch Waren gibt, bilden sich endlose Menschenschlangen. In Japan bilden sich derweil Schlangen vor den Supermärkten. Die Regale sind aber praktisch leer. Hunderttausende wurden aus den gefährdeten Gebieten evakuiert. Sie müssen in temporär eingerichteten Warteräumen übernachten. Einen Tag nach dem schweren Beben bietet die Stadt Sendai ein Bild der Verwüstung. Überall sind die Spuren der Verwüstung zu sehen. Die Strassen sind kaputt oder voller Schlamm. Die Welle drang bis zu zehn Kilometer ins Landesinnere ein. Kaputte Autos liegen herum, ... ... sogar Kleinflugzeuge. Angesichts Tausender Vermisster hat die japanische Regierung am 12. März 2011 ein grosses Militäraufgebot für Rettungsaktionen abgestellt. Hierzu sind 50 000 Soldaten für die Rettung von Überlebenden mobilisiert worden. Zahlreiche Städte und Dörfer entlang eines 2100 Kilometer langen Küstenabschnitts im Nordosten Japans sind betroffen. Mit der Flutwelle sind ganze Zugkompositionen weggeschwemmt worden. Die zuständige Eisenbahngesellschaft erklärte, sie wisse nicht, wie viele Menschen sich in den Zügen befunden hätten. In vielen Strassen an der Ostküste steht noch das Wasser. Rettungskräfte sind mit Booten unterwegs. Hunderte Menschen warten geduldig vor den wenigen Supermärkten, die wieder geöffnet haben, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Auf Luftaufnahmen war zu sehen, wie Helikopter der Armee mit Leinen verzweifelte Menschen von Dächern ... ... und aus Hausruinen bargen. Dafür waren 190 Militärflugzeuge und Helikopter ... ... sowie 25 Schiffe in die von dem Erdbeben betroffenen Gebiete unterwegs. Wegen zerstörten Zufahrtsstrassen haben Rettungskräfte bislang nicht zum Küstenstreifen vordringen können. In weiten Teilen Nordjapans hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Die Flutwelle erreichte eine Höhe von zehn Metern. Eine unbekannte Zahl von Opfern ist vermutlich von herabfallendem Mauerwerk verschüttet worden. Der Tsunami riss Schiffe, ... ... Autos, ... ... Container am Hafen, ... ... ganze Gebäude ... ... und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich. Eine Retterin in Kesennuma.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Strassen sind leer, viele Büros und Schulen geschlossen. «Es ist wie Sonntag», sagt der 62-jährige Taxifahrer Kazushi Arisawa. «Keine Autos weit und breit.» Normalerweise findet er in den nahen Bürotürmen innerhalb weniger Minuten einen Kunden. Nun wartet er schon seit einer Stunde vergebens.

Aus Angst vor radioaktiver Verseuchung bleiben immer mehr Menschen zu Hause. Sie fürchten, dass der Wind Strahlung vom 240 Kilometer entfernten Katastrophen-Kraftwerk Fukushima nach Tokio weht. Die starken Böen der vergangenen Tage haben die Angst noch verstärkt.

Leere Läden

Die ständigen Stromausfälle und der ausgedünnte Fahrplan der Eisenbahn tun ein Übriges. Grund sind die Energieausfälle infolge der Atomkatastrophe nach Erdbeben und Tsunami. Viele Firmen haben ihren Mitarbeitern empfohlen, daheim zu bleiben. Deshalb herrscht zur Mittagszeit in den sonst brechend vollen Sushi- und Nudel- Restaurants gähnende Leere.

In Elektroläden gehen die Vorräte an tragbaren Geigerzählern zu Ende. Auch andere Geschäfte werden leergekauft, da Menschen sich mit Lebensmitteln, Milch und den 1000 Dingen des täglichen Lebens eindecken.

Wer es sich leisten kann, versucht in andere Städte oder gleich ins Ausland zu kommen. Jackie Wu von dem noch jungen Flugunternehmen Hong Kong Jet bekam am Dienstag eine Anfrage, 14 Menschen nach Hongkong zu fliegen. «Der Preis war ihnen egal», berichtet der Manager. Andere fahren auf gut Glück zu den Flughäfen.

Schnee und Kälte

Im Nordosten Japans, dem eigentlichen Katastrophegebiet nach dem Tsunami vom Freitag, erschweren Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde, in der vorige Woche noch Häuser und Fabriken standen. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken.

Nach Medienberichten wurden zwar zwei Menschen gerettet, doch meistens ziehen die Soldaten und Freiwilligen Leichen unter den Trümmern hervor. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui.

Feuerwehr stellt Arbeit ein

Als sei die Lage nicht schon schlimm genug liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Feuerwehr hat ihre Arbeit eingestellt. Die Brandbekämpfer befürchten, wegen der starken Schneefälle nicht zur Feuerwache zurückkehren zu können.

«Wir können gerade mal 40 Meter weit gucken», beschreibt ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Wetterlage. Wahrscheinlich sind durch das Erdbeben und den Tsunami 10'000 Menschen getötet worden, Tausende wurden am Mittwoch noch immer vermisst.

(sda)