Sony World Pictures Award

20. April 2019 20:46; Akt: 21.04.2019 16:40 Print

«Bob, der Flamingo, hat sehr gute Manieren»

Bob ist in ein Fenster eines Hilton Hotels auf Curacao geflogen und hat sich dabei schwer verletzt. Ein Tierarzt hat den Flamingo aufgepäppelt.

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Als der Flamingo auf der holländischen Karibikinsel Curacao in das Fenster eines Hilton Hotels krachte, sah es für den rosa Vogel gar nicht gut aus. Er erlitt schwere Prellungen am Kopf. Als Tierärztin Odette Doest den bewusstlosen Vogel untersuchte, stellte sie fest, dass zudem die Füsse des Tieres verkrüppelt waren – der Vogel war in Gefangenschaft gehalten worden, wo er auf einem harten Betonboden hatte gehen und stehen müssen.

Flamingos brauchen ihre Füsse, um im Sand nach Nahrung zu graben. «Das war bei Bob nicht mehr möglich, die Tierärztin konnte ihn nicht mehr für die Wildnis fit machen», sagt Jasper Doest zu 20 Minuten.

Eine harmonische Wohngemeinschaft

Der Fotograf hat mit seinen Aufnahmen von Bob an den Sony World Photography Awards soeben den ersten Preis in der Kategorie «Natural World and Wildlife» gewonnen. Seine Aufnahmen dokumentieren, wie Tierärztin Odette und Bob zusammenleben – zusammen mit neun Katzen, zehn Hunden und Odettes Sohn.

Die Wohngemeinschaft harmoniere wunderbar, berichtet der holländische Fotograf. «Bob hat sehr gute Manieren, abgesehen vielleicht von gelegentlichen Haufen, die er am Boden hinterlässt.»

Der ein Meter grosse Flamingo hat sich so sehr auf seine neue Familie eingelassen, dass er Odette auch gern im Auto begleitet und mit ihr Spaziergänge am Strand unternimmt.

«Ich fotografiere lieber Tiere als Menschen»

Bob ist mittlerweile auf der ganzen Insel bekannt. Er fungiert als Botschafter für Odettes kleine Tierschutzorganisation und besucht mit ihr Schulklassen. «Will man mit Kindern darüber sprechen, wie sehr etwa Plastik das Leben von Wildtieren gefährdet, ist es enorm hilfreich, dass Bob dabei ist. Das verstärkt die Botschaft ungemein», so Fotograf Doest.

«Ich denke, es ist wichtig, dass wir Tiere als echte Individuen sehen und nicht einfach als Nicht-Menschen», sagt Doest weiter. «Es ist Teil meines Jobs als Fotograf, den Tieren mit meinen Aufnahmen eine Stimme zu geben und die Verbindung zwischen Mensch und Tier zu feiern.»

Ist es nicht sehr herausfordernd, Tiere zu fotografieren? Nicht mehr als Menschen, meint Doest. «Ehrlich gesagt fotografiere ich lieber Tiere. Bei Menschen ist es mitunter schwieriger, eine Verbindung herzustellen. Wir tauschen uns erst verbal aus, bevor wir uns verstehen. Das entfällt bei Tieren, es läuft alles nonverbal. Ich finde diesen Zugang einfacher.»

(gux)