01. April 2005 16:18; Akt: 01.04.2005 16:23 Print

Grosses Interesse an Tsunami-Trauma-Test

Der auf dem Internet angebotene Trauma-Selbsttest für Tsunami-Opfer stösst auf grosses Interesse. Fast zwei Drittel brauchen weitere Abklärungen.

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Ein Monat nach dem Start haben 2441 Personen den Test gemacht. Bei 61,2 Prozent lagen Symptome vor, die vertiefte Abklärungen notwendig machen.

Seit Mitte Februar wird der anonymisierte Selbsttest durch das Fachzentrum für Katastrophen- und Wehrpsychiatrie (FZKWP) der Uni Zürich angeboten. Mit dem 44 Fragen umfassenden Test können Tsunami- Betroffene feststellen, ob sie an psychischen Störungen leiden und eine Behandlung benötigen. Der Test ermöglicht allerdings nur eine erste grobe Einschätzung.

Gut ein Drittel ohne Befund

35,8 Prozent der Selbsttester erhielten online die Rückmeldung, dass sie im Zusammenhang mit dem Tsunami nicht traumatisiert sind. Drei Prozent wurden wegen noch unklarer Befunde aufgefordert, den Test nach einer gewissen Zeit zu wiederholen.

61,2 Prozent bekamen die Auskunft, es seien weiterführende Abklärungen zu ihrem Gesundheitszustand nötig, wie eine Medienmitteilung der Uni Zürich vom Freitag bilanzierte. Bei ihnen besteht die Möglichkeit, dass sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, Depression, Zwangs- oder Angststörung leiden.

Interesse aus 64 Ländern

Die weit über 2000 Benuzerinnen und Benutzer des Tests stammten aus 64 Ländern. Klar am grössten war aber das Interesse in der Schweiz, wo insgesamt 1971 auswertbare Tests ausgefüllt wurden.

Grössere Benutzergruppen des mehrsprachigen Angebots stammten aus Italien, gefolgt von Deutschland, Frankreich und Thailand. Der Test wurde von 95 Prozent Erwachsenen, 3 Prozent Jugendlichen und 2 Prozent Kindern gemacht.

Viele Direktbetroffene

Projektleiter Stefan Vetter zeigte sich auf Anfrage überrascht vom grossen Interesse am Test. Das spreche für die angebotene, einfach erreichbare erste Beurteilungshilfe mit einem anonymen Selbsstest.

Überrascht zeigte sich Vetter auch vom hohen Anteil der Selbsttester, bei denen weitere Abklärungen empfohlen wurden. Vetter erklärt dies mit dem hohen Anteil Direktbetroffener.

Das Projekt läuft in den nächsten Monaten weiter. Die Forscher erhoffen sich davon vor allem Erkenntnisse über den zeitlichen Verlauf von Traumatisierungen nach einer Katastrophe. Mitte Jahr rechnet Vetter mit neuen Ergebnissen.

(sda)