500 Beamte im Einsatz

16. März 2011 18:36; Akt: 17.03.2011 10:35 Print

Grossrazzia gegen Tachofälscher

Sie manipulierten hunderte Autos und verkauften die Wagen teuer weiter. Jetzt hat die deutsche Polizei zum Schlag gegen Tachofälscher ausgeholt - auch in der Schweiz.

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Beim Kauf eines Occasions-Autos ist Vorsicht angebracht: Der Tachostand könnte nach unten korrigiert worden sein. (Bild: Keystone)

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Mit einer europaweiten Razzia hat die deutsche Polizei einer Bande von Tachofälschern das Handwerk gelegt. Mehr als 500 Beamte durchsuchten unter Führung von Münchner Ermittlern über 150 Objekte und nahmen 26 Personen fest. Dabei ging es um professionelle Tachomanipulationen, bei denen der Kilometerstand von Gebrauchtwagen nach unten verfälscht wurde, um hohe Verkaufspreise zu erzielen.

Die Durchsuchungen am Dienstag waren nach Angaben der Polizei die grössten, die es im Zusammenhang mit Tachomanipulationen bisher in Deutschland gegeben hat. Schwerpunkt waren München und das Umland. Wie das Polizeipräsidium München gegenüber 20 Minuten Online bestätigte, war auch die Schweiz in die Aktion involviert: «Unsere Schweizer Kollegen haben zwei Firmen durchsucht, die Manipulationshard- und Software herstellten», sagt Sprecherin Alexandra Schmeitz. Wo die Aktion genau stattfand und ob auch hierzulande Personen verhaftet wurden, konnte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht erläutern.

Von 700 000 auf 150 000 Kilometer

Im Rahmen der ganzen Aktion trafen die Beamten 185 Beschuldigte an – darunter 70 Autohändler, die zu einem grossen Bandennetzwerk gehören sollen. Gegen die 26 Festgenommenen wird wegen gewerbsmässigen Bandenbetrugs ermittelt. Mehr als 300 Autos, bei denen ein Verdacht der Manipulation bestand, wurden sichergestellt, dazu mehr als 800 000 Euro Bargeld (gut eine Million Franken) und Sachwerte von über 250 000 Euro (circa 320 000 Franken). Alleine in München wurden Fälle mit einem Schaden von mindestens drei Millionen Euro aufgeklärt, wie die Polizei mitteilte. Beim wohl drastischsten Fall wurde bei einem Auto der oberen Mittelklasse der Tachostand von 700 000 Kilometer auf 150 000 manipuliert. Danach wurde der Wagen für 15 999 Euro (20 500 Franken) verkauft.

Die deutsche Polizei geht davon aus, dass bei rund 30 Prozent der in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen manipulierte Tachostände vorliegen. Dabei werden entweder hohe Kilometerstände - beispielsweise bei Leasingautos - nach unten verfälscht oder in Taxis und Mietwagen sogenannte Kilometerfilter eingebaut, die nur jeden zweiten gefahrenen Kilometer aufzeichnen. In beiden Fällen geht der Käufer von einem niedrigeren Kilometerstand und damit einem höheren Wert des Fahrzeugs aus. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 3000 Euro (3800 Franken) pro Auto. Das wären alleine für Deutschland 5,4 Milliarden Euro (6,9 Milliarden Franken) pro Jahr.

«Geringeres Ausmass in der Schweiz»

Ein Schweizer Fachmann zeigt sich auf Anfrage überrascht über das Ausmass der Tacho-Manipulationen in Deutschland: «Ich bin überzeugt, dass diese illegalen Praktiken in der Schweiz seltener ausgeführt werden», sagt Markus Peter, Leiter Automobiltechnik und Umwelt beim Schweizer Autogewerbeverband. Hierzulande würde ein grösserer Teil der Occasionsautos über Garagisten verkauft als in Deutschland, wo Handelsplätze üblicher seien: «Wenn solch ein Fall auffliegt, verliert ein Garagist seine berufliche Grundlage.»

Grundsätzlich sei es bei jedem Modell möglich, den Tachostand zu manipulieren: «Organisierte Banden verfügen über die nötige technische Ausrüstung, letztlich kann jedes System – egal ob mechanisch oder digital – gehackt werden», sagt Peter. Um sich gegen entsprechenden Betrug zu schützen, empfiehlt er, sich beim Autokauf Zeit zu lassen. «Das Serviceheft sollte man genau anschauen», so Peter. Hinweise auf manipulierte Kilometerstände sind aber auch am Auto selbst zu finden: «Wenn das Lenkrad, die Pedale oder der Sitz stärker abgenutzt ist, als das bei der angezeigten Fahrleistung zu erwarten sei, sollte man misstrauisch werden.»

(fum/dapd)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Francisco Schwarzenegger am 16.03.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    DMV California

    Darum wird in Kalifornien der Tachostand bei jedem Smog Check an das Strassenverkehrsamt übermittelt und wenn dann so ein Auto einen tieferen Tachostand hat sieht man es beim Einlösen sofort.Aber das ist Europa zu kompliziert, denke ich.

    einklappen einklappen
  • Opfer am 16.03.2011 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich auch betroffen?

    Ich habe auch das Gefühl das mein Occ. Auto mehr Kilometer hat als er wirklich anzeigt. Der stand war 74000 Km, die Nähte am Lederlenkrad waren bereits durchgerieben. Am Fahrersitz ist das Kunstleder an der Einsteigerseite gebrochen(gerissen). Der Automat ruckelt auch wenn er kalt ist. Am Serviceheft sieht alles ordnungsgemäß aus. Kann es trotzdem eine Manipulation gegeben haben? Was gibt es für Möglichkeiten um eine Manipulation nachzuweisen.

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  • Interessent am 16.03.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unkaputtbar

    700 000km und fahrtüchtig potz. Welcher Marke war das Auto?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mein Auto nicht aus Zürichgebiet am 18.03.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen seltener in der Schweiz...

    Grossen Autohändler im Zürcher Gebiet wird auch nachgesagt, solche Praktiken anzuwenden. Hab auch schon von Geschichten gehört, wo Fahrzeuge von ehemaligen Fahrern, mit weniger Kilometern als beim Verkauf an den Händler, wieder entdeckt wurden. Doch wo kein Kläger, keine Klage.

  • keinAutoFreak am 17.03.2011 08:23 Report Diesen Beitrag melden

    Erkennen

    Gibt es eine Möglichkeit, diese Manipulation bei einem Auto zu erkennen?

  • Interessent am 16.03.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unkaputtbar

    700 000km und fahrtüchtig potz. Welcher Marke war das Auto?

  • Francisco Schwarzenegger am 16.03.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    DMV California

    Darum wird in Kalifornien der Tachostand bei jedem Smog Check an das Strassenverkehrsamt übermittelt und wenn dann so ein Auto einen tieferen Tachostand hat sieht man es beim Einlösen sofort.Aber das ist Europa zu kompliziert, denke ich.

    • bela am 17.03.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

      Frage?

      und wenn vor jedem abgastest (smog check) der tacho manipuliert wird?

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  • Opfer am 16.03.2011 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich auch betroffen?

    Ich habe auch das Gefühl das mein Occ. Auto mehr Kilometer hat als er wirklich anzeigt. Der stand war 74000 Km, die Nähte am Lederlenkrad waren bereits durchgerieben. Am Fahrersitz ist das Kunstleder an der Einsteigerseite gebrochen(gerissen). Der Automat ruckelt auch wenn er kalt ist. Am Serviceheft sieht alles ordnungsgemäß aus. Kann es trotzdem eine Manipulation gegeben haben? Was gibt es für Möglichkeiten um eine Manipulation nachzuweisen.

    • Joschi am 03.05.2011 13:53 Report Diesen Beitrag melden

      Kilometerstand

      Kann ich dich irgendwie erreichen? schreibe einen Beitrag darüber und würde gerne ein paar fragen an dich stellen... Grüße

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