Festnahme im Ashram

19. November 2014 18:59; Akt: 19.11.2014 18:59 Print

Guru benutzte Frauen und Kinder als Schutzschilde

Seit Wochen hatte sich ein indischer Guru in seinem Meditationszentrum verschanzt. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstössen mit der Polizei. Nun wurde der Mann festgenommen.

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Ein wegen Mordes angeklagter spiritueller Anführer in Indien ist nach tödlichen Kämpfen seiner Anhänger mit der Polizei festgenommen worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde der hinduistische Guru Baba Rampal am Mittwochabend festgenommen. Der Guru sei in einem Rettungswagen weggebracht worden.

«Er ist bis morgen in Polizeigewahrsam. Am Freitag wird er dem Gericht vorgeführt», sagte der für die Operation verantwortliche Polizeioffizier Anil Kumar Rao. Zuvor werde der Festgenommene noch medizinisch untersucht.

Menschliche Ketten um das Gelände

Seit Dienstag hatte die Polizei versucht, das befestigte Gelände des Gurus Baba Rampal Maharaj in Haryana im Norden Indiens zu stürmen. Im Laufe des Mittwoch konnte Purshottam Das, ein enger Mitarbeiter des Sektenführers, festgenommen werden, schreibt «Zee News India». Der Mann wurde von den Behörden befragt.

Guru Rampal ist wegen Mordes angeklagt. Da er bislang bei den Anhörungen nicht erschien, ordnete ein Gericht in Chandigarh vor zwei Wochen seine Festnahme an. Der 63-Jährige verschanzte sich daraufhin in seinem Satlok Ashram im Distrikt Hisar. Seine Anhänger bildeten menschliche Ketten um das Gelände.

Mindestens sechs Tote

Bei der Befreiungsaktion kam es zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Polizisten und Anhängern, die den Satlok Ashram mit Steinen und Schusswaffen und sogar kleinen Säurebeuteln und Molotowcocktails verteidigten. Die Polizei ging mit Baggern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Aufständischen vor. Laut dem Nachrichtenportal IBN benutzten die Guru-Anhänger Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde. Sechs Menschen wurden getötet, darunter ein 18 Monate altes Baby, und etwa 200 weitere verletzt.

«Seit gestern haben mehr als 10'000 Menschen den Ashram verlassen, aber wir befürchten, dass noch immer 5000 Menschen, darunter Frauen und Kinder, im Inneren sind», sagte Polizeichef S.N. Vashisht vor der Festnahme am Mittwoch vor Journalisten. Viele werden gegen deren Willen im Ashram festgehalten, glaubte Vashisht. «Sie wollem aus dem Ashram heraus. Aber sie dürfen nicht.»

Privatarmee aus Ex-Polizisten und Soldaten

Etwa 10'000 Polizisten waren zusammengezogen worden, um gegen die Fanatiker vorzugehen. Frauen und Kinder seien in zwölf Busladungen weggefahren worden.

«Der Widerstand wurde von pensionierten Polizisten und Soldaten organisiert, die Anhänger von Baba Rampal sind», sagte Vashisht weiter. Unter den 105 verletzten Polizisten seien auch zwei mit Schussverletzungen. 85 Anhänger von Rampal seien behandelt worden.

Trotz stundenlanger Kämpfe hatte die Polizei nicht zu Rampal vordringen können, weil er von selbst ernannten «Kommandotruppen» geschützt wurde.

«Die Anhänger von Baba Rampal haben den Ashram in eine Festung verwandelt und eine Privatarmee gebildet, die offen die Autorität der Regierung, der Polizei und des Gerichts angreift», meinte auch Anupam Gupta. Sie war in dem Fall vom Gericht als Vermittlerin bestellt worden.

Ashram bleibt eingekesselt

In der vergangenen Woche hatte die Polizei zunächst alle Fahrzeuge gestoppt, die in den Ashram wollten. Dann schalteten die Behörden Strom und Wasser ab. «Per Lautsprecher haben wir mitgeteilt, dass alle Menschen herauskommen sollen», sagte ein Polizist vor Ort. Bis zur Festnahme ohne Erfolg.

Sein Anwalt erklärte in lokalen Medien, Rampal sei krank und könne deswegen nicht vor Gericht erscheinen. Gurus wie Rampal sind in Indien oft ungeheuer populär und haben Zehntausende, Hunderttausende oder sogar Millionen von Anhängern. Der 63-Jährige wurde nach eigenen Angaben als Kind von Farmern geboren. Jahrelang arbeitete er als Techniker im Amt für Bewässerung der Landesregierung von Haryana, ehe er sich zum spirituellen Anführer erklärte.

(kle/sda)