Plagiator entlarvt

23. Februar 2011 19:46; Akt: 23.02.2011 19:59 Print

Guttenberg ist den Doktor los

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich im Bundestag für seine Doktorarbeit entschuldigt. Seinen Titel konnte er aber nicht retten.

storybild

Geriet im Bundestag nochmals unter Druck: Freiherr zu Guttenberg (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist seinen Doktortitel los. Die Universität Bayreuth entschied in der Plagiatsaffäre, dass ihm der Doktorgrad aberkannt wird, wie Präsident Rüdiger Bormann am Mittwochabend sagte.

Bormann erklärte, Guttenberg habe gegen die wissenschaftlichen Pflichten «in erheblichem Umfang» verstossen. Er verwies dazu auf die Promotionsordnung der Fakultät.

Die wörtliche oder sinngemässe Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstosse nach der Rechtssprechung gegen die Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit und schliesse die Annahme einer Arbeit als Dissertation aus, erklärte Bormann. Da Guttenberg gegen diese Vorschriften verstossen habe, könne ihm auch nachträglich der Doktorgrad entzogen werden. Hinsichtlich des Vorwurfs der vorsätzlichen Täuschung gegen Guttenberg sagte Bormann, dies sei nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen.

Wegen der Plagiatsaffäre musste sich Guttenberg auch im Bundestag rechtfertigen. Er bekannte sich dabei erneut zu Fehlern, wies den Vorwurf der bewussten Täuschung aber energisch zurück.

«Ich habe mich aufrichtig und von Herzen entschuldigt und wiederhole das gerne noch einmal hier in diesem hohen Hause», sagte CSU-Politiker vor den Abgeordneten. Seine Doktorarbeit enthalte zwar schwere Fehler. Sie sei aber kein Plagiat, weil er nicht bewusst getäuscht habe.

«Dr. zu Guttenberg»

Der Minister bemühte sich sichtlich um ein weniger provokantes Auftreten als in den vergangenen Tagen. Die Opposition unterbrach ihn dennoch mehrfach mit lautstarken Missfallensäusserungen und sprach den Minister trotz seines Titelverzichts demonstrativ mit «Dr. zu Guttenberg» an.

Die Fehler seien entstanden, weil er mit der Dissertation neben allen anderen Tätigkeiten überlastet gewesen sei, sagte Guttenberg weiter. «Ich war so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt.» Er habe gedacht, er könne trotz seiner Belastungen durch die politische Tätigkeit und als junger Familienvater noch eine Doktorarbeit verfassen.

Dass ihm dies nicht gelungen sei, habe er vor der deutschen Öffentlichkeit inzwischen eingestanden, sagte Guttenberg. Er habe deshalb auch die betroffene Universität Bayreuth gebeten, den Doktortitel zurückzunehmen.

«Fragwürdige Vorwürfe»

Zugleich relativierte er die Ergebnisse der Internet-Datenbank GuttenPlag, deren Helfer auf inzwischen auf 286 der 475 Seiten der Guttenberg-Dissertation Plagiate entdeckt haben wollen - entsprechend einem Anteil von knapp 73 Prozent.

Einige Vorwürfe seien hoch relevant, andere dagegen ausserordentlich fragwürdig, sagte Guttenberg. Der Minister blieb bei der Aussage, dass der Vorwurf eines Plagiats für die gesamte Arbeit «abstrus» sei und warnte in diesem Zusammenhang vor strafrechtlichen Konsequenzen, wenn man dabei in den Bereich der «üblen Nachrede abdriftet».

«Hochstapler und Lügner»

Die Opposition hielt Guttenberg mangelnde Glaubwürdigkeit vor. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, sagte: «Ich finde es unerträglich, dass die Bundeskanzlerin die Entscheidung getroffen hat, dass ein akademischer Hochstapler und Lügner weiterhin dem Kabinett angehören darf», sagte er.

Grünen-Fraktionschef Trittin forderte Guttenbergs Entlassung. «Frau Bundeskanzlerin, die Bundeswehr darf nicht mehr von einem Felix Krull kommandiert werden», erklärte er unter Verweis auf den Hochstapler-Roman von Thomas Mann.

FDP verlangt Klärung

Die FDP - Koalitionspartnerin von CDU und CSU - appellierte an Guttenberg, die Vorwürfe in der Plagiatsaffäre aufzuklären. «Die Anschuldigungen sind ernst, sie sind keine Kleinigkeit», sagte der Abgeordnete Stephan Thomae. «Wir vertrauen darauf, dass Sie die Vorwürfe ausräumen werden.» Danach könne sich Guttenberg wieder mit ganzer Kraft dem Amt widmen.

Der Chef der CSU-Landesgruppe, Hans-Peter Friedrich, sprach von einer «Skandalisierung» durch die Opposition. FDP-Abgeordnete sahen den Versuch, die Verdienste um eine erfolgreiche Sicherheitspolitik zu schmälern.

Guttenberg noch beliebter als vor der Plagiatsaffäre

Die Beliebtheit zu Guttenbergs hat allerdings bei den Bürgern durch die Plagiatsaffäre offenbar nicht gelitten: 73 Prozent der Deutschen sind mit seiner politischen Arbeit zufrieden, fünf Prozentpunkte mehr als zu Monatsbeginn, ergab eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage im Auftrag der ARD-Sendung «Hart aber fair».

Nur 24 Prozent finden hingegen, es reicht nicht, lediglich den Doktortitel zurückzugeben, und Guttenberg sollte daher zurücktreten.

(kle/ap)