Deutscher Fritzl

22. März 2011 12:15; Akt: 22.03.2011 14:49 Print

Haft und Verwahrung für Detlef S.

Schuldig: Wegen Hunderter Fälle sexuellen Missbrauchs und Misshandlung seiner Kinder und Stiefkinder muss der Inzest-Vater Detlef S. für 14 Jahre und sechs Monate in Haft.

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Wegen hundertfachen sexuellen Missbrauchs muss der 48-jährige Detlef S. aus Fluterschen in Rheinland-Pfalz für 14 Jahre und sechs Monate in Haft. Das Koblenzer Landgericht ordnete zudem die anschliessende Sicherungsverwahrung des Mannes an. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Detlef S. seine leibliche Tochter, eine Stieftochter und einen Stiefsohn über Jahrzehnte misshandelt und sexuell missbraucht hat. Überraschende Wende im Westerwälder-Missbrauchsprozess: Detlef S. legt unter Tränen ein umfassendes Geständnis ab. Er liess über seinen Rechtsanwalt mitteilen, er habe sich «grundsätzlich falsch verhalten». Er räumte ein, sowohl seine Tochter als auch die Stieftochter zu fremden Männer gefahren, sie zur Prostitution gezwungen und dafür Geld bekommen zu haben. Bislang hatte er nur den sexuellen Missbrauch an seiner leiblichen Tochter zugegeben. Erika S., die Ehefrau des Angeklagten hat ihre Aussage verweigert. Die Frau stand knapp zwei Minuten vor den Richtern. Sie sah zu ihrem Mann, zuckte mit den Schultern, dann verliess sie den Gerichtssaal wieder. Stiefsohn Markus S. berichtet vor Gericht von regelmässigen Gewalttätigkeiten. Er sei mit «verschiedenen Gegenständen» geschlagen worden. Einmal seien die Schläge so heftig ausgefallen, dass sein ganzes Gesicht angeschwollen war. Vom sexuellen Missbrauch seines Stiefvaters gegenüber seiner Schwester Natascha, mit der dieser acht Kinder zeugte, wusste er allerdings nichts. Er könne sich aber erinnern, dass der Stiefvater öfter mit Natascha «unterwegs» war. Sven S. gab vor Gericht an, seit 1987 von Detlef S. sexuell missbraucht worden zu sein. In diesem Haus, mitten im kleinen Dorf Fluterschen, im Westerwald, soll der 48-jährige Detlef S. seine leibliche Tochter und seine beiden Stiefkinder über Jahre hinweg sexuell missbraucht und zum Teil zur Prostitution gezwungen haben. S. wurde in Betzdorf (Kreis Altenkirchen) geboren. Seine Ehefrau ist 52 Jahre alt. Sie ist Mutter seiner vier leiblichen Kinder und hat vier weitere Kinder mit in die Ehe gebracht. Nach eigenen Angaben hat er einen Hauptschulabschluss und etliche Jahre als Lkw-Fahrer gearbeitet. Seit einiger Zeit ist er jedoch arbeitslos und bezieht Hartz IV. Seit dem 10. August 2010 sitzt er in Untersuchungshaft. Der 48-Jährige soll von Herbst 1987 bis Sommer 2010 zwei seiner Stiefkinder sowie seine heute 18-jährige Tochter sexuell missbraucht haben. Zudem soll er die beiden Mädchen zu zwei Männern gebracht haben, die sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen haben. Die 28-jährige Natascha S. ist die Stieftochter von Detlef S., mit der er acht Kinder gezeugt hat. Eines der Kinder ist bereits als Säugling gestorben. Er soll der Anklage zufolge Natascha S. bereits als vier Jahre altes Mädchen missbraucht und später zur Prostitution gezwungen haben. Björn B. ist der Zwillingsbruder von Natascha S. An ihm soll der Stiefvater das erste Mal 1997 sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Zudem soll Detlef S. ihn regelmässig unter anderem mit Gegenständen wie einem Teppichklopfer und einer selbst gebauten Peitsche verprügelt haben. Von der 18-jährigen Jasmin S. gibt es keine Bilder. Sie ist die leibliche Tochter von Detlef S. Durch einen von ihr geschriebenen Brief wurde das Ermittlungsverfahren gegen ihn ausgelöst. S. hatte sie laut Anklage regelmässig sexuell missbraucht. Nach Angaben des Gerichts liegt ein DNA-Gutachten vor, das die Wahrscheinlichkeit einer Vaterschaft des Angeklagten der sieben überlebenden Kinder mit 99,99 Prozent angibt. Die Anklage fordert Sicherungsverwahrung für den Mann.

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Das Koblenzer Landgericht ordnete am Dienstag zudem die anschliessende Sicherungsverwahrung des 48-jährigen Mannes an. Der Richter folgte damit den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage. Bei der Urteilsverkündung gab es Applaus im Gerichtssaal

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Detlef S. seine leibliche Tochter, eine Stieftochter und einen Stiefsohn über Jahrzehnte misshandelt und sexuell missbraucht hat. Zudem hatte er die Mädchen zur Prostitution gezwungen. Der nun Verurteilte hatte am Montag vor Gericht seine Taten unter Tränen gestanden.

Für die Allgemeinheit gefährlich

In der Urteilsbegründung bezeichnete der Vorsitzende Richter den Angeklagten als «grenzenlosen Egoisten», der die Familienmitglieder als «seinen persönlichen Besitz» angesehen habe. Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung nach Haftende seien gegeben, weil der Angeklagte «einen Hang zu Straftaten» habe. In Freiheit würde er nach Ansicht des Gerichts sofort wieder versuchen, seine Dominanz auszuspielen und sich ein Machtgefüge aufzubauen, wie er es in seiner Familie hatte. Insofern sei der 48-Jährige für die Allgemeinheit gefährlich.

Mit diesem Urteil folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, welche in dem Prozess die Interessen der leiblichen Tochter, der Stieftochter sowie eines Stiefsohns vertrat. Die Verteidigung hatte dagegen auf neuneinhalb Jahre Haft plädiert und sich gegen Sicherheitsverwahrung ausgesprochen. Detlef S. habe seine Straftaten ausschliesslich innerhalb seiner Familie begangen und stelle deshalb für die Allgemeinheit keine Gefahr dar, hatte sein Anwalt Thomas Düber argumentiert.

(ap)