22. April 2005 16:42; Akt: 22.04.2005 16:45 Print

Haftstrafen und Bussgelder im Montblanc-Prozess gefordert

Im Prozess um die Brandkatastrophe im Montblanc- Tunnel hat die Staatsanwaltschaft mehrjährige Bewährungsstrafen gefordert.

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Zusätzlich sollen Staatsvertreter und Mitarbeiter der Tunnel-Betreibergesellschaft Geldstrafen bis zu 70 000 Euro bezahlen.

In seinem Plädoyer vor dem Gericht der Alpenstadt Bonneville begründete der Staatsanwalt Vincent le Pannerer die unterschiedlichen Strafmasse mit dem Verhalten der Angeklagten vor Gericht.

Einige hätten ihre Fehler eingesehen, doch andere vermittelten den Eindruck, sie könnten in ähnlicher Lage genauso handeln wie an dem Unglückstag.

Mit drei Jahren und 12 000 Euro (18 500 Fr.) soll der Sicherheitschef der französischen Seite des Montblanc-Tunnels, am härtesten gebüsst werden. Sein Amtskollege auf der italienischen Seite soll mit 18 Monaten und 7000 Euro (rund 11 000 Fr.) davon kommen.

Der Fahrer des Lastwagens, der am 24. März 1999 in dem Tunnel Feuer gefangen und die Katastrophe ausgelöst hatte, soll mit sechs Monaten auf Bewährung davon kommen. Bei dem Umfall starben 39 Menschen.

Strafen auf Bewährung

Für den damaligen Chef der Tunnelgesellschaft ATMB, forderte de Pannerer zwei Jahre und 30 000 Euro (rund 46 000 Fr.) Geldbusse. Die beiden Verkehrskontrolleure sollen mit einem Jahr, der Bürgermeister von Chamonix mit acht Monaten und 15 000 Euro (rund 23 000 Fr.) bestraft werden. Für alle soll die Haft zur Bewährung ausgesetzt werden.

Den Lkw-Hersteller Volvo trifft nach Einschätzung des Staatsanwalts keine Mitschuld an der Brandkatastrophe. In dem Prozess hatten sich die Gutachter nicht einigen können, ob die Konstruktion der Luftfilter des Lkw den Brand begünstigt habe.

Trauer und Wut

In dem wochenlangen Prozess hatte es dramatische Prozesstage gegeben, bei denen den Hinterbliebenen Tränen der Trauer und Wut in den Augen standen. Starke Emotionen lösten Filme vom Ausmass der Katastrophe im Tunnel aus. Im geschmolzenen Asphalt versunkene Karosserierahmen zeigten die gewaltige Hitzeentwicklung.

Die Bilder machten verständlich, warum von den Menschen in 24 Fahrzeugen kaum mehr übrig blieb als Zahnreste, Asche und Eheringe. Es wurde klar, dass die Sicherheit in dem Tunnel nicht gewährleistet war.

Die Zahl der Toten wäre jedoch geringer gewesen, wenn bei Ausbruch des Brandes sofort die Einfahrt in den Tunnel gesperrt worden wäre. Neun Minuten lang fuhren weitere Menschen in den sicheren Tod.

Enttäuschung

Enttäuscht äusserte sich unterdessen ein Sprecher der Angehörigen, der zumindest für die Tunnelbetreiber feste Haftstrafen erwartet hatte.

«Vor Gericht wurde klar erwiesen, dass die Tunnelbetreiber nachlässig gewesen sind», sagte er. «Ich hoffe, dass das Gericht sehr viel strenger urteilen wird und sich nicht an die Forderungen des Staatsanwalts hält», sagte ein Opfer-Angehöriger.

(sda)